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Energiewende-ZwischenbilanzGroße Baustellen im Gebäude- und Verkehrssektor

Deckblatt des achten Monitoringberichts zur Energiewende
Das Bundeswirtschaftsministerium berichtet kontinuierlich über die Fortschritte bei der Energiewende. (Grafik: BMWi)

Während der Stromsektor dank Erneuerbarer Energien auf Kurs ist, sind die Fortschritte im Gebäudebereich überschaubar. Im Verkehrssektor steigt der Energieverbrauch sogar. Der Monitoringbericht der Bundesregierung zieht eine Zwischenbilanz.

05.02.2021 – Die Bundesregierung zieht Bilanz zum Fortschritt der Energiewende. Der achte Monitoringbericht betrachtet die Jahre 2018 und 2019. Das vergangene Jahr wird aufgrund der pandemiebedingten Sondereffekte mit einigen Kennzahlen erwähnt und lässt die Bilanz positiver erscheinen, denn Energieverbrauch und Emissionen waren niedriger. Der Bericht umfasst beinahe 300 Seiten. Eine unabhängige Expertenkommission hat dazu Stellung genommen und die Selbsteinschätzung der Regierung an manchen Stellen relativiert.

Die Expertenkommission arbeitet dabei mit einem Ampelsystem, das die Fortschritte für die einzelnen Ziele in drei Kategorien einteilt: Zielerfüllung wahrscheinlich, nicht sichergestellt oder unwahrscheinlich. Leider zeigen einige Indikatoren in den letzteren, roten Bereich. Insgesamt sehen die Experten die anvisierten Ziele bei den Minderungen der Treibhausgasemissionen in Gefahr.

Bei der Einschätzung der Sorgenkinder sind sich Regierung und Experten weitgehend einig. Der Primärenergieverbrauch sinkt nicht im notwendigen Maß. Das Ausnahmejahr 2020 schlägt sich positiv in der Bilanz nieder, darf nicht als Feigenblatt dienen. Im Gebäudesektor und Verkehr wurde zu wenig erreicht.

Energieverbrauch im Verkehr steigt, statt zu sinken

Der Verkehrssektor ist Klassenletzter, wenn man so will. Hier wuchs der Endenergieverbrauch sogar, und zwar ungefähr so stark wie er eigentlich sinken sollte. Dieses schlechte Ergebnis versucht die Regierung mit einem Gesetz zur Weiterentwicklung der Treibhausgasminderungsquote zu verbessern. Es wurde gerade im Kabinett beschlossen und sieht vor, im Verkehr bis 2030 den Anteil Erneuerbarer Energien auf 28 Prozent zu steigern. Die Kraftstoffanbieter werden verpflichtet, den CO2-Ausstoß durch fossile Kraftstoffe zu reduzieren, indem vermehrt Biokraftstoffe beigemischt werden. Aber auch von der steigenden Zahl von Elektroautos – die im Optimalfall mit Strom aus Erneuerbaren Energien geladen werden – erhofft man sich Effekte.

Das Einsparziel beim Endenergieverbrauch im Gebäudesektor wird ebenfalls nicht erreicht. Die notwendigen Sanierungen im Gebäudebestand kommen nicht voran und die Wärmeversorgung wird weiterhin von konventionellen Energien dominiert.

Bei der Steigerung der Endenergieproduktivität gehen die Bewertungen von Regierung und Experten auseinander. Die Regierung sieht das Erreichte weit positiver als die Kommission, die für diesen Indikator ebenfalls die Ampelfarbe Rot vergibt.

Empfehlungen der Expertenkommission

Die Wissenschaftler schlagen in ihren Empfehlungen eine CO2-basierte Energiepreisreform vor. Es sollte auf nationaler Ebene ein ambitionierter CO2-Preispfad angestrebt werden sowie eine umfassende Ausrichtung des Energiepreissystems auf tatsächliche externe Effekte. 

Die Wissenschaftler betonen auch, dass die höheren europäischen Klimaziele weitergehende Politikmaßnahmen erfordern. Die erwartbare steigende Stromnachfrage erfordere einen weit stärkeren Zubau Erneuerbarer Energien als im EEG 2021 vorgesehen.

Der Kohleausstieg müsste deutlich rascher und weitgehend durch marktliche Preissignale erfolgen. Auf Kompensationszahlungen an Unternehmen sollte möglichst verzichtet werden.

Simone Peter, Präsidentin des Bundesverbandes Erneuerbarer Energien (BEE), verweist in ihrem Kommentar zum Monitoringbericht darauf, dass die Zielerreichung im Stromsektor ein Erfolg des EEG sei. Photovoltaik und Windkraft sind mit diesem Instrument wettbewerbsfähig geworden und tragen inzwischen Verantwortung im Strommarkt. Deshalb müsse dieser nun auch nach ihnen ausgerichtet werden. pf


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