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Ab 2035 Strom zu 100% ErneuerbareNeuseeland auf dem Weg in eine klimaneutrale Zukunft

Mit 37 Jahren wurde Jacinda Ardern im Oktober letzten Jahres als neue Premierministerin Neuseelands vereidigt. (Foto: © Ulysse Bellier, CC BY 2.0)

Die neuseeländische Premierministerin Jacinda Ardern baut die Wirtschaft ihres Landes für eine CO2-neutrale Zukunft um. Einige Maßnahmen klingen auch für Deutschland interessant. Doch hierzulande wird zumeist entgegengesetzte Politik betrieben.

17.04.2018 – Heute Mittag empfängt Bundeskanzlerin Angela Merkel ihre neuseeländische Amtskollegin im Bundeskanzleramt. Dabei wird der Klimaschutz eine wichtige Rolle spielen. Denn die Premierministerin Neuseelands, Jacinda Ardern, scheint aktuell Umwelt- und Klimaschutzmaßnahmen in ihrem Land vehement voranzutreiben. Bis 2050 soll das Land CO2-neutral sein und bereits 2035 seinen gesamten Stromverbrauch mit Erneuerbaren Energien decken. Auch soll es keine neuen Erkundungen nach Öl- und Gasvorkommen vor der Küste Neuseelands geben. In einem Gastbeitrag für den Tagesspiegel bittet die Premierministerin darüber hinaus die politisch Verantwortlichen der Europäischen Union, sich mit ihr „zu dringenden Klimaschutzmaßnahmen zu verpflichten.“

In dem Beitrag kündigt sie an, Milliarden Neuseeland-Dollar in lokale Infrastruktur und saubere Energieprojekte zu investieren, dort wo aktuell noch viele Arbeitsplätze von fossiler Energie abhängen. Auch soll eine unabhängige Kommission festlegen, welche Mengen Kohlenstoff jedes Jahr noch emittiert werden dürfen, um bis 2050 Kohlenstoffneutralität zu erreichen. Maßnahmen, die auch für Deutschland interessant klingen.

Deutschland zeigt sich rückwärtsgewandt

Doch die aktuelle Debatte über die Kohlekommission, die bis Ende des Jahres einen Termin zum Ausstieg aus der Kohleverstromung präsentieren soll, zeigt, dass beim Thema Unabhängigkeit noch große Differenzen bestehen. Diese soll unter Federführung des Wirtschafts- und Energieministeriums arbeiten, was bei Umweltverbänden und den Grünen starke Kritik hervorrief. Und Wirtschaftsminister Peter Altmaier erteilte bereits eine Absage an ein sogenanntes Kohle-Moratorium. Umweltverbände hatten gefordert für die Zeit der Kommissionsarbeit sämtliche Genehmigungsverfahren für neue Kohlekraftwerke oder Braunkohle-Tagebau beziehungsweise deren Erweiterung ruhen zu lassen.     

Ganz im Gegenteil wird der Abbau fossiler Brennstoffe – wie Braunkohle – von der Bundesregierung stark subventioniert. Nach Angaben von Greenpeace belaufen sich die Subventionen auf 46 Milliarden Euro pro Jahr. Auch Gas scheint für Deutschland in Zukunft weiterhin eine wichtige Rolle zu spielen. Zwar sind es keine eigenen Erkundungen nach neuen Vorkommen, doch der Bau einer neuen Ostseepipeline aus Russland kommend, soll die zukünftige Versorgung Deutschlands sicherstellen.

Jacinda Ardern will den Umbau wirtschaftsfreundlich gestalten

Neuseeland hingegen will seine Öl- und Gasförderung immer weiter reduzieren. Daher schob Premierministerin Ardern neuen Erkundungen nach entsprechenden Vorkommen vor der Küste Neuseelands einen Riegel vor. Die Umweltorganisationen Greenpeace und WWF begrüßten diesen Schritt als "unumkehrbare" Entscheidung gegen die Ölindustrie in Neuseeland und „Meilenstein“ im Übergang zu einer Wirtschaft, die auf sauberen Energien fußt. Eine Unterschriftenkampagne von Greenpeace hatte das Verbot neuer Erkundungslizenzen erst ins Rollen gebracht.

Kritik an dieser Entscheidung kam vor allem aus der konservativen Opposition, die einen Großteil der rund 11.000 Arbeitsplätze in Gefahr sieht. Doch laut Ardern habe die Industrie genug Zeit sich umzustellen. Bestehende Fördergenehmigungen gelten teilweise bis in das Jahr 2030. Für die Premierministerin müsse der Umbau irgendwo beginnen. „Wenn wir heute nicht Entscheidungen treffen, die in 30 Jahren Auswirkungen haben, riskieren wir abrupte Schocks", so Ardern. Ein Verbot neuer Erkundungslizenzen bezieht sich derweil vorrangig auf die Küsten Neuseelands. In einigen Gebieten – vor allem im Norden des Landes – darf weiterhin nach neuen Öl- und Gasvorkommen gebohrt werden. mf


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