TOP-THEMA
Europawahl




Urbane EnergiewendeParis setzt im Wahlkampf auf Klimaschutz

Paris als Stadt für Menschen und nicht für Autos –Fahrradwege und Straßengrün gehören zum Plan. Grafischer Entwurf für die Rue de Vaugirard als Fhrradstraße, eine der längsten Straßen innerhalb Paris
Paris als Stadt für Menschen und nicht für Autos – mit diesem Ziel treibt Bürgermeisterin Anne Hidalgo im Rahmen von „Paris en commun“ ökologische Projekte voran. Fahrradwege und Straßengrün gehören zum Plan. Ein Entwurf für die Rue de Vaugirard, eine der längsten Straßen innerhalb Paris. (Pressebild: PARIS EN COMUN Anne Hidalgo 2020 / © Celine Orsingher)

Die Bürgermeisterin von Paris will die französische Hauptstadt zu einem grünen Mekka für Radler und Flaneure machen. Dafür sollen Parkplätze massiv reduziert werden, Gemüse auf Gewerbedächern sprießen und Paris eine Stadt der kurzen Wege werden.

26.02.2020 – Im März ist Bürgermeisterwahl in Paris, und bei fast allen Kandidaten bestimmt das Thema urbaner Klimaschutz den Wahlkampf mit. Auch die amtierende Bürgermeisterin von Paris, Anne Hidalgo, will im Wahlkampf mit Klimaschutz punkten. Die Sozialistin hat schon einiges vorzuweisen. Seit ihrem Amtsantritt vor fünf Jahren sind rund 40 Hektar zusätzliche Parks und Grünbereiche entstanden. Hidalgo warnt vor den Folgen des Klimawandels für Paris, vor allem vor steigenden Temperaturen. Sollte sie wiedergewählt werden, verspricht sie ein grünes Paris der kurzen Wege, mit reduzierten Feinstaub- und CO2-Emissionen.

Regelmäßig werden in Frankreichs Hauptstadt die Grenzwerte für Luftverschmutzung überschritten. Umso plakativer treibt das Pariser Rathaus ökologische Projekte voran. Natürlich gefällt das nicht allen. So beklagt bspw. der motorisierte Berufsverkehr, dass durch wegfallende Straßen für Autos mehr Staus und damit mehr Luftverschmutzung verursacht werden.

Ein Paris der Radler und Flaneure

„Plan Vélo“ läuft bereits, Fahrradwege und -achsen durch die Stadt und Parks sind entstanden. Die Ziele sind ambitioniert: Jede Straße und jede Brücke in der französischen Hauptstadt sollten einen Radweg bekommen. Rund 70 Prozent der aktuellen Parkplätze im innerstädtischen Bereich müssten dafür entfallen. Hidalgo schwebt eine ökologische Transformation der Stadt vor – bessere Luft, weniger Emissionen, mehr Lebensqualität. Grünflächen, Gemüsebeete und Spielplätze sollen den Platz der Parkplätze einnehmen.

Ville du Quart D'Heure – Die Stadt der kurzen Wege

Wenn mehr Pariser laufen und radeln, müssen sie auch kurze Wege haben, so der Plan. Den nachhaltigen Stadtplanern schwebt deshalb vor, die Stadtteile und Stadtquartiere so zu organisieren, dass Stadtbewohner innerhalb einer Viertelstunde von zu Hause aus alles finden und organisieren können, was sie zum täglichen Leben brauchen – Dienstleistungen und Einkaufsmöglichkeiten, Parks oder Freizeiteinrichtungen.

Hands-on-Urbanismus

Mitbestimmung und die Möglichkeit zur Partizipation, statt rummeckern und demonstrieren – das ist die neue Pariser Strategie für den ökologischen Umbau der Stadt. So hat sich bspw. die Place de la Nation im Osten von Paris aus einem achtspurigen Verkehrskreisel zu einer verkehrsberuhigten Insel für Familien und Erholungssuchende aus den angrenzenden Stadtvierteln verwandelt. Bei der Planung und dem zweijährigen Umbau haben die Anwohner mitgearbeitet, entfernten Asphalt und pflanzten Grün. Schöner Nebeneffekt: Durch die gemeinsamen Aktionen lernen sich viele Nachbarn erst kennen. Und wer seinen Park selbst gestaltet hat, geht pfleglich damit um. Die aufwändigen partizipativen Planungsprozesse werden von der Stadt finanziell gefördert. Auch das hat Hidalgo in die Wege geleitet.

Hauptstadt der urbanen Landwirtschaft

Im Projekt „Les Parisculteurs“ haben sich etliche Unternehmen und Institutionen per Charta verpflichtet, in den nächsten Jahren 100 Hektar an urbanen Grünflächen in Paris zu schaffen –  ein Drittel davon für die Lebensmittelproduktion. Dächer von Gewerbebauten werden zu Gemüseplantagen. Die weltweit größte geplante Dachplantage im Süden der Hauptstadt soll auf einer Fläche von 14.000 Quadratmetern täglich bis zu einer Tonne Ertrag bringen. Wir brauchen einen Wandel zu mehr Umweltbewusstsein in allen Bereichen, von der Bauwirtschaft bis zur Produktion von Lebensmitteln – und Menschen, die mitmachen, sagen Stadtplaner, die nachhaltig denken.

Schäferstündchen im Stadtzentrum

Rund 12,5 Millionen Menschen leben im Großraum Paris. Das bringt Dichte und damit oft Stress. Die Stadt muss entspannter und grüner werden, fordern viele Bürger und Lokalpolitiker. Für ein bisschen Ruhe und Entspannung sorgen seit einiger Zeit die genossenschaftlich organisierten Stadtschäfer (Les Bergers Urbains): Sie führen regelmäßig ihre Schafe durch die Häuserschluchten der französischen Hauptstadt. In den zahlreichen Parks, wo bereits Vögel, Insekten und kleine Wildtiere Platz finden, grasen die Schafe dann gemütlich zwischen den Stadtbewohnern und ersetzen nebenbei noch den Rasenmäher. na