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UmweltverschmutzungDeutscher Plastikmüll verseucht Malaysia

Müllkippe in Malaysia
Auf malaysischen Müllkippen lagert deutscher Plastikmüll und verseucht Böden und Gewässer. (Foto: © Nandakumar S. Haridas / Greenpeace)

Umweltschützer schlagen Alarm: Die Ergebnisse von Wasser- und Bodenproben rund um illegale Mülldeponien in Malaysia sind erschreckend, die Risiken für Umwelt und Gesundheit enorm. Importiert werden die Plastikabfälle unter anderem aus Deutschland.

30.05.2020 – Seitdem die chinesische Regierung 2018 den Import von Europas Plastikmüll untersagt hat, müssen anderen Wege und Länder zum „Recyclen“ gefunden werden. So hat sich der Export des Unrats zunehmend nach Südostasien verschoben, wie vor einem Jahr bekannt wurde. Ein wichtiger Abnehmer des deutschen Plastikmülls ist inzwischen Malaysia, 2019 gelangten mehr als 130.000 Tonnen in die Wahlmonarchie.

Die vielen illegalen Mülldeponien stellen dabei ein enormes Risiko für Umwelt und Gesundheit dar, wie Auswertungen von Wasser- und Bodenproben von Greenpeace-Experten zeigen. Eigentlich soll der Plastikmüll hier in Deutschland ordentlich recycelt werden. Ein erheblicher Anteil sei jedoch gar nicht erst recyclebar, wie im Report „Der Recycling-Mythos 2.0“ deutlich wird.

15 Prozent des Plastikmülls werden exportiert

Derzeit wird in Deutschland nur rund 50 Prozent des anfallenden Plastikmülls wiederverwertet. Der Rest wird verbrannt, irgendwo in der Umwelt entsorgt oder ins Ausland verschifft. So gelangen etwa 15 Prozent der insgesamt 5,2 Millionen Tonnen Plastikmüll in den Export, größtenteils nach Südostasien.

Malaysia darf nicht länger als Müllkippe der Welt herhalten„Malaysia darf nicht länger als Müllkippe der Welt herhalten. Länder wie Deutschland müssen die Verantwortung für ihren Müll selbst tragen, anstatt sie abzuschieben,” sagt Heng Kiah Chun von Greenpeace Malaysia.

Der nicht recyclebare Plastikmüll wird in Malaysia unkontrolliert auf Freiflächen gelagert oder sogar verbrannt. Im Boden haben die Umweltschützer Rückstände von bromierten Flammschutzmitteln und Schwermetalle wie Antimon, Cadmium und Blei nachgewiesen. Aufgrund der hohen Konzentration besteht an zwei Standorten ein hohes Risiko für Flora und Fauna sowie die Gesundheit der in dem Gebiet lebenden Menschen.

Plastikmüll verursacht hohe Gesundheitsrisiken

Die nachgewiesenen Schadstoffe können dabei nicht nur das Nervensystem schädigen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen verursachen, sondern auch die Entwicklung von Kindern gefährden. Erhöhte Schadstoffgehalte ließen sich auch in Wasserproben von Flussufern, Teichen und Kanälen in der Umgebung von Deponien nachweisen.

In dem Teich einer Fischzucht wurden Metalle und Metalloide wie Antimon, Nickel und Kupfer festgestellt. „Die Schadstoffe können in die Nahrungskette gelangen und für die Bevölkerung ein erhebliches gesundheitliches Risiko darstellen. Eine schnelle Reinigung von Böden und Gewässern ist dringend erforderlich“, sagt Manfred Santen, Chemie-Experte von Greenpeace Deutschland.

Beim Thema Umweltschutz gilt Malaysia sowieso nicht gerade als zimperlich. Der Großteil tropischer Regenwälder, die einst das Land überzogen, sind längst abgeholzt und durch gigantische Palmölplantagen ersetzt. Auf dem malaysischen Inselteil von Borneo wurde bereits mindestens 80 Prozent der gesamte Regenwaldfläche abgeholzt.

Das Problem mit dem Plastikmüll kann wahrscheinlich nur dadurch gelöst werden, dass in Deutschland selbst der Verbrauch von Einwegplastik drastisch reduziert wird. Ausnahmen müssten etwa für medizinische Zwecke gemacht werden, so Santen. Die Politik muss nun Konzepte für einen nachhaltigen Umgang mit Plastik und wirksame Recyclingsysteme initiieren. jk


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Kommentare

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Denkender Bürger 30.05.2020, 13:07:37

Was früher bei der Müllentsorgung die DDR war, sind heute Schwellen- und Entwicklungsländer.

Ich wohne in der Nähe eines ehemaligen Tagebaus, der in den 80-er Jahren teilweise als Mülldeponie genutzt wurde.

Zu früher Morgenstunde und später Abendstunde tauchten dort regelmäßig Container-LKW mit westdeutschen, holländischen und österreichischen Kennzeichen auf. Und bei bestimmten Wetterlagen war der Himmel über der Deponie machmal in ganz seltsamen Farben eingefärbt.

In der Wendezeit hat man dann übrigens in einer Nacht- und Nebelaktion mal den Ausleger der Förderbrücke des noch aktiven Teils des Tagebaus über die Deponie gezogen und 20 Meter Erde drauf verklappt - frei nach dem Motto:

"Was keiner mehr sieht, ist auch nicht mehr da."

Aber der Müll ist noch da - und wird auch eines Tages wieder zum Vorschein kommen.

Sicherlich nicht heute oder morgen - aber irgendwann.


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