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NABU-StudieWie die Energiewende naturverträglich gelingen kann

PV-Anlage auf einem Feld
Ein Teil eines möglichen Lösungsweges: Die stärkere Nutzung von Photovoltaik anstatt von Windenergie. (Foto: pixabay.com, CC0 Public Domain)

Bis 2050 soll Deutschland klimaneutral werden – aber gelingt das auch naturverträglich? Genau das hat der NABU in einer Studie untersuchen lassen und ist zu dem Ergebnis gekommen: Naturschutz und Energiewende sind vereinbar.

21.05.2019 – Dass der Klimaschutz zu einer der dringendsten Aufgaben unserer heutigen Zeit zählt, ist allgemein bekannt. Für die Reduzierung der Treibhausgasemissionen im Energiesektor spielt die Energiewende eine wichtige Rolle. In Deutschland ist der Anteil Erneuerbarer Energien bereits auf knapp 40 Prozent geklettert. Dafür wurden in den letzten Jahren nicht nur viele neue Solar- und Biomasseanlagen errichtet, sondern auch die Zahl der Windkraftanlagen vervielfacht.

Der NABU gibt zu bedenken, dass dadurch allerdings auch der Druck auf Flächen zugenommen habe. Denn direkt oder indirekt seien Erneuerbare-Energie-Anlagen immer ein Eingriff in den Naturraum. Bei schlechter Planung könnten diese dann gravierende Folgen auf Tiere und ihre Lebensräume haben. Außerdem würden Insekten, Vögel und andere Tiere durch den großflächigen Anbau von Energiepflanzen zur Biogaserzeugung in Mitleidenschaft gezogen werden.

Deutschland wird bis 2050 klimaneutral

Deshalb hat der Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU) eine Studie in Auftrag gegeben, die untersucht, wie Energiewende und Naturschutz in Einklang gebracht werden können. Denn bis 2050 soll Deutschland klimaneutral werden, gab kürzlich auch Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem Petersberger Klimadialog bekannt. Dabei gehe es nicht darum, ob dieses Ziel erreicht werde, sondern nur noch wie.

Insgesamt zeigt die NABU-Metastudie „Strategien für eine naturverträgliche Energiewende“: Deutschland kann seine Klimaschutzziele erreichen und gleichzeitig ein hohes Naturschutzniveau erhalten. Eine Reduzierung der Treibhausgasemissionen bis Mitte des Jahrhunderts um 100 Prozent sei grundsätzlich möglich, so das Fazit der Analyse.

Mehr Photovoltaik, weniger Windenergie

Experten des Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie haben unterschiedliche Energieszenarien untersucht und Klimaschutzstrategien identifiziert, die bisher noch deutlich unterrepräsentiert sind und deshalb zukünftig viel stärker gefördert werden sollen. Konkret sei die stärkere Nutzung von Photovoltaik anstatt von Windenergie ein möglicher Teil der Lösung. Aber auch die Steigerung der Energieeffizienz müsse künftig eine größere Rolle spielen.

Weitere Lösungswege seien aber auch die Verbreitung von suffizienten Lebensstilen, die Förderung natürlicher Senken und der Ressourcenschutz. Natürliche Kohlenstoffspeicher wie Moore sollten ebenfalls verstärkt in den Fokus gerückt, renaturiert und häufiger geschützt werden. Außerdem sollte auch mehr Totholz in den Wäldern belassen werden. Durch eine Ausrichtung künftiger Förderinstrumente und die Minimierung vorhandener Hürden könne man außerdem den Photovoltaikausbau ankurbeln.

Gesellschaftliche Akzeptanz der Energiewende stärken

„Ein deutlich stärkerer Ausbau der Photovoltaik gegenüber den letzten Jahren wäre ein wichtiger Baustein für das Erreichen der deutschen Klimaschutzziele und könnte zur gesellschaftlichen Akzeptanz sowie zur Naturverträglichkeit der Energiewende beitragen“, sagt Sascha Samadi, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Forschungsbereich Sektoren und Technologien am Wuppertal Institut.

Wir brauchen die Energiewende für wirksamen Klimaschutz„Wir brauchen die Energiewende für wirksamen Klimaschutz. Aber entscheidend ist, dass wir dabei Natur und Umwelt nicht zerstören“, gibt NABU-Präsident Olaf Tschimpke zu bedenken. „Wir können nicht einfach den Kohle- durch Windstrom ersetzen, sondern müssen zunächst versuchen, deutlich weniger Energie zu verbrauchen.“ Dafür brauche es ordnungspolitische Rahmenbedingungen sowie das Mitwirken der Verbraucher. jk