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dena-StudieQualitative Ausschreibungskriterien für Wind an Land und PV

Greifroboter legen Solarzellen auf Solarmodule
Solarmodulherstellung bei Solarwatt in Dresden. (Foto: Solarwatt GmbH)

Solar-, Windenergie- und Stromnetzkomponenten in Europa produzieren – das ist politisch gewollt, aber kein Selbstläufer. Eine Studie empfiehlt zur Ankurbelung der Nachfrage nach „Made in Europe" zusätzliche Kriterien in Ausschreibungen.

04.12.2023 – Die Politik hat das Thema auf der Agenda – mit dem Net-Zero-Industry-Act will Europa die Nachfrage nach europäischen Komponenten stärken. Ziel ist zum einen Resilienz – nicht alle Komponenten für das zentrale Vorhaben der Energiewende sollen aus fernen Regionen kommen. Zudem geht es um heimische Arbeitsplätze und Wertschöpfung. Doch die Nachfrageseite mit Regulierung dazu zu bewegen, europäische Produkte zu verbauen, ist zum einen umstritten, zum anderen gar nicht so einfach.

Das Bundeswirtschaftsministerium hat bei der Deutschen Energie-Agentur (dena) eine Studie in Auftrag gegeben, die mögliche Wege aufzeigt. Allerdings müssten sie gemeinsam in Europa gegangen werden, um die gewünschten Erfolge zu erzielen. Vereinfacht gesagt geht es darum, in Ausschreibungen – dort wo große Windenergie- und Photovoltaikprojekte ihren Preis bilden – Kriterien einzuführen, die Projekte mit Produkten aus europäischer Fertigung bevorzugen.

Bis jetzt entscheidet allein der Preis, welches Projekt gebaut wird. Und da Projekte mit preiswerten Komponenten auch mit einem niedrigeren Gebotspreis ins Rennen gehen können, werden vorrangig Produkte aus Fernost im Massenmarkt verbaut. Das ist eigentlich auch nicht schlecht, denn die Ausschreibungen und damit der Zubau zum jeweils günstigsten Preis wurden eingeführt, um die Kosten für die Energiewende möglichst gering zu halten. Darüber hinaus sind die Herstellerkapazitäten in Europa inzwischen geschrumpft und nicht groß genug, um die gewollten Zubaumengen zu bedienen.

Local Content oder CO2-Fußabdruck

Grundsätzlich sieht die dena zwei Alternativen für die Formulierung von Kriterien. Um die europäischen Wertschöpfungsketten zu stärken, erscheinen den Autoren nach Analyse der Regeln in anderen Ländern Vorgaben an den Ort der Produktherstellung (European Content) am effektivsten. Allerdings müsste hierfür noch die Vereinbarkeit mit internationalen Handels- und Wettbewerbsregeln geprüft werden.

Alternativ könnte der CO2-Fußabdruck zur Unterscheidung zwischen europäischen und nicht europäischen Produkten herangezogen werden. Die Emissionen des verwendeten Strommix sind der größte Einflussfaktor für den CO2-Fußabdruck von PV-Produkten. Da europäische Länder einen Strommix mit geringeren spezifischen Emissionen aufweisen als relevante ausländische Märkte, haben in Europa hergestellte PV-Produkte einen niedrigeren CO2-Fußabdruck. Für die Windkraftindustrie haben die Transportwege der Anlagen und ihrer Komponenten einen höheren Einfluss und könnten daher bei der Berechnung des CO2-Fußabdrucks berücksichtigt werden. Würde der Vorteil eines niedrigen CO2-Fußabdrucks im EEG-Vergütungssystem für erneuerbaren Strom belohnt, würde ein Anreiz für die hiesige Produktion dieser Technologien geschaffen.

Dena macht unterschiedliche Vorschläge für Photovoltaik und Windenergie an Land

Die Vorschläge der dena betrachten die Marktverhältnisse und unterscheiden sich deshalb für Photovoltaik und Windenergie an Land. Ausschreibungen für Freiflächen-Solarparks sind regelmäßig überboten – es gibt einen starken Wettbewerb. Über eine Punkteskala, die Projekte mit niedrigen Treibhausgasemissionen oder mit diversifizierten Lieferketten belohnt, würden die Nachfrager angeregt, solche Kriterien zu erfüllen, um den Zuschlag zu erhalten.

Bei der Windenergie an Land, wo momentan in den Ausschreibungen weniger Gebote eingehen, als bezuschlagt werden könnten, machen solche Vorgaben nur wenig Sinn. Projektierer haben keinen Anreiz, zusätzlich auch noch auf diese Kriterien zu achten. Stattdessen schlägt die dena in solch einer Wettbewerbssituation Bonuszahlungen bei Erfüllung der Kriterien vor. Es würden also keine Projekte ausgeschlossen, sondern diejenigen belohnt, die mit europäischen Komponenten bauen. pf

Link zur Studie

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