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Fossile EnergieWer bei Amazon surft, befeuert die Klimakrise

Bild eines Smarphones, auf dem das Logo von Amazon abgebildet ist.
647.500 Mitarbeiter und ein Jahresumsatz von 233 Mrd. US-Dollar – Amazon ist eines der einflussreichsten Unternehmen weltweit. Umso mehr sollte es sich seiner Verantwortung für den Klimaschutz bewusst sein. (Photo by Christian Wiediger on Unsplash)

Das Ziel von Amazon sind 100 Prozent Erneuerbare Energien. Doch noch laufen Rechenzentren mit fossiler Energie, eine eigene Fluggesellschaft liefert Pakete und die Ölindustrie ist enger Geschäftspartner. Mitarbeiter des Tech-Konzerns protestieren.

17.09.2019 – Der weltweite Datenverkehr wächst und wächst. Und damit steigt auch der Energieverbrauch. Besonders die großen US-amerikanischen Tech-Konzerne besitzen inzwischen riesige Rechenzentren, um die immense Datenflut ihrer Nutzer verarbeiten zu können. Und während Facebook, Microsoft, Apple und Google mit dem Bau neuer Rechenzentren auch den Ausbau Erneuerbarer Energien mitdenken, hängt Amazon weit hinterher.

Dabei hatte der größte Onlineversandhändler der Welt und Anbieter verschiedener Streaming-Dienste 2014 angekündigt zügig auf hundert Prozent Erneuerbare Energien umzustellen. Doch nach anfänglichem Enthusiasmus ist dieser Plan seit 2016 massiv ins Stocken geraten. Vor allem das weltgrößte Rechenzentrum der Welt, das „Data Center Alley“ in West Virginia im Osten der USA, zieht die Bilanz von Amazon in den Keller. Die dortigen Rechenzentren des Tech-Giganten werden gerade einmal zu 12 Prozent mit Erneuerbarer Energie versorgt, wie Recherchen von Greenpeace offenlegen.

Mehr Fracking-Gas für Amazons Energiehunger

Die weiteren Pläne verheißen ebenfalls nichts Gutes. Der Hauptenergieversorger von Amazons Rechenzentren – Dominion Energy – hat bereits angefangen,­­ eine zusätzliche Pipeline für Fracking-Gas nach West-Virginia zu verlegen, um den steigenden Energiebedarf zu befriedigen. Davon ist unter anderem auch der Streaming Dienst Netflix betroffen, dessen Datenverarbeitung über die Amazon Server im „Data Center Alley“ läuft.

Betrieben werden diese Server von der Amazon eigenen Tochter Amazon Web Services (AWS), die weltweit 69 Rechenzentren betreibt. 2018 soll der Anteil Erneuerbarer Energien bei den Rechenzentren laut AWS 50 Prozent betragen haben. Apple und Google hingegen haben seit letztem beziehungsweise vorletztem Jahr den Umstieg auf hundert Prozent Erneuerbare Energien weltweit geschafft.

Enge Verbindungen zur Öl- und Gasindustrie werden deutlich

AWS zeigt sich auch bei der Auswahl seiner Geschäftspartner nicht gerade dem Klimaschutz zugewandt. Seit 2017 versucht der Cloud-Anbieter verstärkt die Öl- und Gasindustrie für ihre Geschäftsmodelle zu begeistern, wie der investigative Gadget-Blog Gizmodo berichtet. Dafür entwickelt AWS sogar spezielle Lösungen für die fossile Industrie, wie etwa automatisierte Anwendungen für Erdölfelder.

Und auch Amazon selbst stößt mit seinem ursprünglichen Kerngeschäft – dem Paketversand – immense Mengen CO2 aus. Im Jahr 2013 begann das Unternehmen sogar mit dem Aufbau einer eigenen Fluggesellschaft. Amazon Air sollte die schnelle und pünktliche Lieferung von Waren sicherstellen. Aktuell besteht die Flotte aus 40 Flugzeugen. Bis 2021 soll diese auf 70 anwachsen.

Was bewirken die „Amazon Employees for Climate Justice“?

Doch eine Gruppe von Angestellten des Amazon-Konzerns will den immensen CO2-Ausstoß von AWS bis Amazon Air nicht länger mittragen, wie der Guardian berichtet. Die „Amazon Employees for Climate Justice (AECJ)“ fordern etwa die Beendigung der Zusammenarbeit mit der Öl- und Gasindustrie, dafür sammelten sie innerhalb der Belegschaft über 8.300 Unterschriften. Eine entsprechende Resolution scheiterte jedoch.

Eine andere Resolution der AECJ hingegen war erfolgreich. So verpflichtete sich das Unternehmen auf Druck der Gruppe, 50 Prozent seiner Auslieferungen bis 2030 Klimaneutral zu gestalten. Ob Amazon dieses Versprechen hält, bleibt abzuwarten. Über 1.000 Mitarbeiter des Konzerns wollen indes an den Globalen Klimastreiks am 20.09. teilnehmen. mf


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