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Globale ErwärmungDie verheerendste Korallenbleiche aller Zeiten steht bevor

Ein Taucher schwimmt über weißen Korallen entlang
Korallenbleiche bei Heron Island, Australien, 2016 (Bild: The Ocean Agency / XL Catlin Seaview Survey / Richard Vevers, flickr, CC BY 2.0 Deed)

Die gesamte südliche Hemisphäre der Erde könnte in diesem Jahr ausbleichen. Forscher warnen vor einer bislang nie dagewesenen Korallenbleiche. die zu deren Absterben führen kann. Grund sind extrem hohe Meerestemperaturen.

07.03.2024 – Die U.S. National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) warnt: Die Welt befinde sich am Anfang der vierten großen Korallenbleiche seit Beginn der Aufzeichnungen. Und diese könnte verheerender ausfallen als alle Ereignisse zuvor. Weite Teile der tropischen Korallenriffe in der südlichen Hemisphäre drohen auszubleichen. Der erste Schritt, hin zu einem Absterben der so wichtigen Ökosysteme für Flora und Fauna in den Küstengebieten der Meere. Unter anderem das gesamte Great Barrier Reef in Australien könnte ausbleichen.

Auch als Regenwald der Meere bezeichnet und Biotop für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten, sind Korallenriffe selbst kleine Tiere. Es sind sogenannte Nesseltiere, wozu auch Quallen gehören. Korallen aber sind an einem Ort verwurzelt, eigentlich weich, aber bauen um ihre Körper ein Skelett aus Kalziumkarbonat auf. Die allermeisten Korallenriffe sind auf Sonnenlicht angewiesen. In Symbiose mit kleinen Einzellern, sogenannten Zooxanthellen, und Sonnenlicht wandeln die Korallen Kohlendioxid im Wasser in Zucker um – die Nahrung für die Korallen.

Die Symbiose sorgt auch für den Farbenreichtum vieler tropischer Korallenriffe, die nur in wärmeren Meeren überleben. Wassertemperaturen von 23 bis 29 Grad gelten als perfekt für das Wachstum der Korallen. Auch kürzere Abschnitte mit heißeren Wassertemperaturen können die Korallen überleben. Nicht jedoch dauerhaft höhere Temperaturen von über 30 Grad. Seit Anfang letzten Jahres stiegen die Temperaturen im Vergleich zum langjährigen Mittel immer weiter an. Allein durch die menschengemachte Globale Erwärmung und El Niño können sich einige Forscher:innen derart extreme Ausschläge nicht erklären.

Im Vergleich immer heißer

Seit Mai 2023, seitdem sich das Wetterphänomen El Niño voll entwickelt hatte, war es in jedem Monat heißer als je zuvor. Bis jetzt. Und trotz wieder abflauenden El Niño.  Gegenüber dem Spiegel machten einige Wissenschaftler:innen den Ausbruch eines Unterwasservulkans und dessen extremen Ausstoß von Treibhausgasen für die hohen Meerestemperaturen verantwortlich. Andere sehen neue Richtlinien für die Schifffahrt als Treiber der Erwärmung. Schiffsdiesel muss seit vier Jahren weniger Schwefel enthalten. Das Reduziert die Aerosolschwaden. Gut für die Luft, lassen Schwefelgase aber auch leichter Wolken entstehen, die Sonnenlicht vor dem Meer abschirmen.

Auch schwächelnde Passatwinde sowie grundsätzliche Auf und Abs des Klima- Meeressystems – die sogenannte atlantische multidekadische Variabilität – bringen Forscher:innen laut Spiegel ins Spiel. Gut verstanden wird diese Variabilität noch nicht. Es bedarf noch viel Forschung. Am Ende ist ein Mix verschiedener Faktoren wahrscheinlich für die die extremen Meerestemperaturen.

Warme und damit energiereichere Meere sorgen auch für stärkere Hurrikans. Und sie sorgen für langanhaltenden Starkregen, wie zuletzt unter anderem In Deutschland zum Jahreswechsel. Denn steigende Meerestemperaturen erhöhen die Verdunstung, was zu feuchterer Luft führt. Es sind rund sieben Prozent mehr Niederschlag bei einer Zunahme der Meeresoberflächentemperatur von einem Grad. Dazu kam in Deutschland eine besondere Jetstream-Lage, ebenfalls bedingt durch wärme Meere.

Bedingt durch Hitzestress, stoßen Korallen die in ihrem Gewebe lebenden Zooxanthellen ab und bleichen aus. Ohne diese Symbiose leiden die Korallen zunehmend an Hunger und werden anfällig für Krankheiten. Sie können sterben. „Es sieht so aus, als könnte die komplette südliche Hemisphäre, dieses Jahr ausbleichen“, sagt Derek Manzello vom NOAA gegenüber Reuters.

Betroffen wäre etwa das gesamte Great Barrier Reef vor der Küste Australiens. das schon bei der letzten große Bleiche zwischen 2014 und 2017 ein Drittel seiner Korallen verlor. Ohne Korallen kann die reichhaltige Tier- und Pflanzenwelt an den Küstengebieten nicht überleben. Ein Problem auch für Fischerei und Tourismus vielerorts. An Hitzeresistenten Korallen wird geforscht, ihre Entwicklung aber steht erst am Anfang. mg

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