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Meinung 04.03.2024

Carbon Management Strategie muss gestoppt werden

Mit Carbon Capture and Storage (CCS) eine neue Hochrisikotechnologie zu Lasten von Mensch und Umwelt durchzusetzen, ist unverantwortlich und klimapolitisch ein Fehler. Konsequentere Maßnahmen zur Emissionsvermeidung und zur Transformation der Wirtschaft gehören auf die Tagesordnung.

Oliver Kalusch, Mitglied des Geschäftsführenden Vorstands Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU)


Meinung 04.03.2024

Carbon Management Strategie muss gestoppt werden

Mit Carbon Capture and Storage (CCS) eine neue Hochrisikotechnologie zu Lasten von Mensch und Umwelt durchzusetzen, ist unverantwortlich und klimapolitisch ein Fehler. Konsequentere Maßnahmen zur Emissionsvermeidung und zur Transformation der Wirtschaft gehören auf die Tagesordnung.

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Oliver Kalusch, Mitglied des Geschäftsführenden Vorstands Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU)



Schablonenhaft blendet Habeck die Gefahren von CCS aus und behauptet, die Technik sei sicher. Doch das Gegenteil ist der Fall. Die Verpressung von CO2 in ehemalige Bohrlöcher für Kohlenwasserstoffe im Meer stellt eine erhebliche Umweltgefahr dar. Diese Bohrlöcher sind zum Teil undicht, so dass das CO2 wieder entweichen und die maritimen Ökosysteme schädigen kann. Ein sicheres Monitoring und eine Reparatur dieser Speicher existieren nicht.

Selbst das Weltnaturerbe Wattenmeer kann so bedroht werden. Zwar darf die Injektionsstelle am Meeresboden für die CO2-Verbressung nicht in einem nach dem Bundes-Naturschutzgesetz geschützten Meeresgebiet liegen. Allerdings gilt dies nicht für den CO2-Speicher. Dieser kann sich weit in ein derartiges Schutzgebiet erstrecken. Undichtigkeiten sind hier besonders gravierend.

An Land ist das geplante CO2 -Pipelinenetz eine erhebliche Gefahrenquelle. So kann bei Leckagen oder Leitungsbrüchen das erstickend wirkende CO2 entweichen, eine ernsthafte Gefahr für die in der Umgebung lebenden Menschen. 19.000 Pipelinekilometer soll es zukünftig in ganz Europa geben. Gerade in dicht besiedelten Gebieten sind die Auswirkungen unkalkulierbar.

Auch klimapolitisch ist CCS verfehlt. Denn die Entstehung von CO2 wird nicht verhindert. Stattdessen taucht das klimawirksame Spurengas vorläufig nur nicht in der nationalen CO2 -Bilanz auf. Vor dem Hintergrund undichter Speicher ist dies ein gefährliches Spiel mit dem Klima. Notwendig ist stattdessen die konsequentere Entwicklung und Umsetzung von Maßnahmen der CO2 -Vermeidung, insbesondere in allen Bereichen der Industrie. Hierbei sind auch tiefgreifende rechtliche Eingriffe zur Transformation der Wirtschaft erforderlich. Mit CCS würde im Gegensatz hierzu das fossile Zeitalter auf unbestimmte Zeit fortgesetzt.

Dass auch ein Ende der Energieerzeugung mittels fossiler Brennstoffe nicht mehr ernsthaft beabsichtigt ist, macht dabei auch der vor kurzem veröffentlichte zentrale Aspekt der Kraftwerksstrategie der Bundesregierung deutlich. Statt auf den vollständigen Umstieg auf erneuerbare Energien zu setzen, sollen neue Gaskraftwerke errichtet und betrieben werden. Ihre CO2-Emissionen sollen mittels CCS auf dem Papier verschwinden. Noch auf der Klimakonferenz in Dubai Ende 2023 hatte die Bundesregierung sich gegen die Anwendung von CCS in der Energieindustrie ausgesprochen. Auch diese Position wirft Habeck jetzt über Bord.

Verstörend empfinde ich, dass Wirtschaftsminister Habeck wieder einmal überfallartig seine Pläne durchsetzen will. Er lässt erneut die Bevölkerung außen vor und stellt sie vor vollendete Tatsachen. Statt sich im Vorfeld in den gesellschaftlichen Dialog vor Ort zu begeben, wurde die Carbon Management Strategie lediglich in einem ausgewählten Kreis diskutiert. Dabei stand von Anfang an fest, dass CCS kommen soll. Dies ist völlig inakzeptabel. Ein breiter und ergebnisoffener Stakeholder-Dialog sieht anders aus.

Wolfgang Molwitz am 12.03.2024

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