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Schiefergasförderung in ChinaNeues Fracking mit gewaltiger Sprengkraft

Vom Erdbeben zerstörte Stadt in der Provinz Sichuan in China
China besitzt in etlichen Teilen des riesigen Landes Schiefergasvorkommen, vor allem in der Provinz Sichuan, ein erdbebengefährdetes Gebiet, in dem es 2008 zu einem verheerenden Erdbeben mit großer Zerstörung kam. (Foto: pexels / Vladimir Andreev)

Obwohl China das größte Schiefergasvorkommen der Welt besitzt, importiert das Land Gas, denn viele Vorräte liegen so tief, dass Fracking nur schwer möglich ist. Eine Technik, die zur Zündung von Atomwaffen entwickelt wurde, soll nun Abhilfe schaffen.

06.02.2019 – Fracking ist ein massiver Eingriff in die Natur, mit großen umweltzerstörenden Auswirkungen. Dass die Fördermethode, bei der Gas u.a. durch einen Chemikaliencocktail aus dem Gestein gelöst wird, eine immense Umweltverschmutzung darstellt, daran gibt es keine Zweifel. Wissenschaftliche Untersuchungen aus den USA belegen auch, dass Fracking die geologischen Spannungen im Untergrund verstärkt und Erdbeben auslösen kann. Bislang größter Schiefergasproduzent weltweit sind derzeit noch die USA, wo die Gasfördermethode bereits große Umweltschäden verursacht hat.

China würde nun gerne der neue Großproduzent von Schiefergas werden. Die chinesische Regierung will daher eine neue Fracking-Methode testen, mit einer Technik, die ursprünglich zur Zündung von Atomwaffen entwickelt wurde. Wissenschaftler erforschen die brachiale Methode zum Fracking, berichtet die South China Morning Post, um an die tiefer gelegenen Schiefergas-Vorkommen heranzukommen. Dabei sollen mittels einer Zündung gezielt elektrische Schockwellen ausgelöst werden, um das Gas herauszupressen – ähnlich wie bei der Zündung einer Atombombe.

Es geht um Geld, Macht und Energie-Unabhängigkeit. Während US-Präsident Trump gewonnenes Schiefergas nach China exportieren will, geht die Energy Information Administration der USA davon aus, dass bis 2050 die Schiefergasförderung bis zu 40 Prozent der gesamten Gasförderung in China ausmachen könnte. China besitzt in etlichen Teilen des riesigen Landes Schiefergasvorkommen, vor allem aber im Sichuan-Becken. Fracking ist für die erdbebengebeutelte Provinz Sichuan nichts Neues, es werden dort bereits Chemikalien, Sand und Wasser unter hohem Druck in die Erde gepresst, um Schiefergas zu fördern. Gerade das Sichuan-Becken, wo mit die größten Vorkommen liegen, ist besonders erdbebengefährdet und wurde bereits mehrmals von verheerenden Erdbeben heimgesucht.

80 Prozent der Schiefergasvorkommen in China sind jedoch mehr als 3.500 Meter unter dem Meeresspiegel. Für das herkömmliche Fracking ist das viel zu tief, um Wasser und Chemikalien in die Spalten zu pressen und so das Gas freizusetzen. In den USA liegen die Vorkommen dagegen nicht weit unter der Erdoberfläche.

Die neue Technik mittels Stoßwellen wurde auch schon im Bereich der Kohlegewinnung eingesetzt, und zwar um Gaseinlagerungen in Kohleflözen freizusetzen. Sie gilt aus Sicht der chinesischen Regierung als eine „effektive und zugleich sichere Schürftechnik“. Die involvierten Wissenschaftler halten diese Methode demnach auch für weniger umweltschädlich als das herkömmliche Fracking. Umweltgesetze gibt es in China ohnehin kaum.

Es sei jedoch unklar, geben Kritiker zu bedenken, ob die Stoßwellen in der Praxis denn auch so stark seien, um in großer Tiefe Felsformationen zu öffnen. Zudem bestehe dann die Gefahr, und zwar um ein Vielfaches höher als bereits beim hydraulischen Fracking, Erdbeben auszulösen. Doch trotz aller Bedenken sollen erste Versuche in der Praxis noch im Frühjahr starten. China und die USA sind bei weitem nicht allein mit ihrer zerstörerischen Methode: Weltweit wird Erdgas mittels Fracking gefördert und Menschen protestieren dagegen, bislang jedoch leider ohne nennenswerten Erfolg. na


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