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LuftverschmutzungNoch immer die größte Gesundheitsgefahr in Europa

Autos im Stau an einem Winterabend
Der Verkehr in Städten ist extrem gesundheitsschädlich. (Bild von shilin wang auf Pixabay)

Zwar sinkt die Anzahl der vorzeitigen Todesfälle durch Luftverschmutzung kontinuierlich, doch vor allem Stadtbewohner:innen sind weiterhin gesundheitsgefährdenden Werten ausgesetzt. Bei einem Schadstoff steigen die Todesfälle sogar.

25.11.2022 – Mindestens 311.000 vorzeitige Todesfälle aufgrund von Luftverschmutzung im Jahr 2020 verzeichnet die Umweltagentur der Europäischen Union EEA. Untersucht wurden die Auswirkungen von Feinstaub, Stickoxiden und Ozon auf die Gesundheit der Menschen in der EU, aber auch auf die Natur und Landwirtschaft. Als positiv erkennt die EU-Umweltagentur den Rückgang kleiner Feinstaubartikel in der Luft an. Zwischen 2005 und 2020 wurde demnach ein Rückgang vorzeitiger Todesfälle aufgrund von PM2.5 um 45 Prozent verzeichnet.

Diese Feinstaubartikel, kleiner als 2,5 Mikrogramm, dringen in die Lungen, sowie das Herz-Kreislaufsystem ein und verursachen Atemwegsinfektionen, Schlaganfälle und Krebs. Besonders gefährdet sind weiterhin Menschen in den Städten Europas. 96 Prozent der urbanen Bevölkerung sind weiterhin Feinstaubpartikeln von über 5 Mikrogramm pro Kubikmeter ausgesetzt. Ab diesem Wert erkennt die Weltgesundheitsorganisation PM2,5 als gesundheitsschädlich an. 238.000 vorzeitige Todesfälle allein durch Feinstaub 2020 sind die Folge. 2019 waren es über 300.000 Todesfälle. Zudem führt Feinstaub zu chronischen Krankheiten. Die Umweltagentur kommt für 2019 auf 175.702 Jahre, die Menschen in Europa deshalb mit chronischen Krankheiten leben müssen.

Bis zum Ziel der EU im Jahre 2050 gesundheitsschädigende Luftverschmutzung komplett auszumerzen ist es also noch ein weiter Weg. Auch 49.000 vorzeitige Todesfälle durch Stickstoffdioxid (NO2) und 24.000 durch Ozon sprechen diesbezüglich eine deutliche Sprache. Während Feinstaub vor allem ihren Ursprung im Heizen von Häusern mit festen Brennstoffen hat, ist für die Schadstoffe Ozon und Stickstoffdioxid zuvorderst der Verkehr verantwortlich. In Deutschland und Europa stieg die Anzahl vorzeitiger Todesfälle durch NO2 2020 sogar an. 2019 waren es noch 40.400 Todesfälle. Wie die Deutsche Umwelthilfe (DUH) anhand der Daten der EU-Umweltagentur vermerkt, stieg die Zahl in Deutschland sogar um 65 Prozent, auf 10.000 vorzeitige Todesfälle an. Laut Expert:innen hatte die EEA in der Vergangenheit die Zahlen methodisch unterschätzt, nun korrigierte sie diese nach oben.

„Wir haben einen Gesundheitsnotstand“

DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch sagt: „Die Gesundheitsgefahren durch das Dieselabgasgift NO2 wurden jahrelang unterschätzt. Mit der überfälligen Korrektur und Erhöhung der Zahl der vorzeitigen Todesfälle auf 10.000 jedes Jahr allein in Deutschland wird deutlich, dass nun endlich gehandelt werden muss. Wir haben einen Gesundheitsnotstand und das erfordert schnelles Handeln.“ Es brauche jetzt schärfere Luftqualitätsgrenzwerte in Einklang mit den WHO-Empfehlungen, so Resch.

Die EU-Kommission hatte Ende Oktober neue, strengere Grenzwerte für Luftschadstoffe vorgeschlagen. So liegt der vorgeschlagene Grenzwert für die Belastung mit Stickstoffdioxid künftig bei 20 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft, nicht mehr wie bisher bei 40 Mikrogramm. Empfohlen von der WHO sind 10 Mikrogramm. Für PM2,5 soll das Limit von derzeit 25 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft auf 10 Mikrogramm abgesenkt werden, was ebenfalls noch nicht der Empfehlung der WHO entspricht.

Doch schon bei einer solchen Verschärfung würde der NO2-Grenzwert aktuell an über der Hälfte der Messstationen in Deutschland dieses Limit überschritten. Umso verwunderter ist die Deutsche Umwelthilfe über die kürzlich vorgelegten Vorschläge der EU-Kommission zur neuen Abgasnorm Euro 7. Resch kritisierte diesen als „Kniefall vor der Autolobby“. Die ab 2025 eingeführte neue Abgasnorm soll dann für alle Pkws und leichte Nutzfahrzeuge einen einheitlichen Grenzwert für Stickoxide von 60 Mikrogramm pro Kilometer vorgeben. Dieselmotoren durften bisher 80 mg/km ausstoßen. Die DUH verweist bei dem, was technisch möglich ist auf Kalifornien, wo der Grenzwert aktuell bei umgerechnet 32 mg/km und ab 2025 bei 19 mg/km liegt. mg

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