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Fossile FinanzenKohlschwarze Banken

Kohletagebau
Banken finanzieren weiter den Kohlesektor als gäbe es keine Klimakrise (Bild: Albert Hyseni / Unsplash).

Geschäftsbanken investieren trotz Klimaabkommen und Net-Zero-Versprechen weiter in Kohle. Die vielen Schlupflöcher für den klimaschädlichsten fossilen Energieträger in den Finanzierungsrichtlinien der Banken befeuern die Klimakrise.

07.05.2024 – Acht Jahre nach der Einigung auf die Klimaziele in Paris sind die großen Banken noch immer eng in die Geschäfte der Kohleindustrie verstrickt. Das zeigt eine Recherche der Menschenrechts- und Umweltorganisation urgewald.

Ende vergangenen Jahres zeigte bereits die jährlich von urgewald aktualisierte Global Coal Exit List (GCEL), dass der Kohlesektor weiter boomt. Nur 71 der 1.433 Unternehmen der Kohlebranche haben ein Kohleausstiegsdatum, und hunderte Unternehmen expandieren weiter, besonders in Asien. Nun legt urgewald eine detaillierte Analyse der Finanzierung des Kohlesektors vor.

„Von den 638 untersuchten Banken haben nur etwa 140 ihre Finanzgeschäfte mit der Kohleindustrie seit 2016 deutlich reduziert“, analysiert Katrin Ganswindt, Leiterin der Finanzrecherche bei urgewald. „Gleichzeitig liegen 423 der untersuchten Banken immer noch in etwa auf gleichem Niveau, während 75 Banken ihre Unterstützung für den Kohlesektor sogar erhöht haben.“ Acht Jahre nach Inkrafttreten des Pariser Abkommens sei es höchste Zeit, dass die Öffentlichkeit erfahre, welche Banken weiterhin Wegbereiter dieser klimaschädlichen Industrie seien.

Keine Wende seit Glasgow

„Das Jahr 2021 hätte ein Wendepunkt sein müssen“, sagt Ganswindt. Die Internationale Energieagentur (IEA) veröffentlichte ihr „Netto Null bis 2050“-Szenario, das keine Investitionen in neue Kohlekraftwerke und den schrittweisen Ausstieg aus fossilen bis 2050 fordert; auf der 26. Klimakonferenz in Glasgow traten über 130 Länder der globalen Kohleausstiegsinitiative Powering Past Coal bei und große Geschäftsbanken schlossen sich zur Net Zero Banking Alliance zusammen.

Doch zwischen Januar 2021 und Dezember 2023 investierten globale Banken 470 Milliarden US Dollar in Kredite und Underwriting für Unternehmen der Kohleindustrie. Als Underwriting bezeichnet der Finanzsektor die Übernahme des mit einem Unternehmen, einer Investition oder einem Kredit verbundenen Risikos gegen eine Prämie.

Über 90 Prozent der Gelder kamen dabei aus nur sieben Ländern: China, USA, Japan, Kanada, Indien, das Vereinigte Königreich und Indonesien. US-Banken vergaben die meisten Kredite, chinesische Banken investierten die größte Gesamtsumme in den Bereich Underwriting für den Kohlesektor.

Deutsche Banken tief in der Kohlegrube

Auch deutsche Banken sind unter den Investoren. Zwar haben einige globale Finanzinstitute seit Glasgow ihre Finanzierungsrichtlinien überarbeitet. Die der deutschen Banken enthalten jedoch fast alle großzügige Übergangsregelungen für Bestandskunden. Diese Schlupflöcher ermöglichen es der Deutschen Bank, die von den deutschen am meisten in den Kohlesektor investiert hat, Energieunternehmen wie das südafrikanische Eskom zu finanzieren. Der Energiekonzern gewinnt 90 Prozent seines Stroms und 80 Prozent seiner Einkünfte aus Kohle – und will expandieren.

„Die Deutsche Bank ist ein gutes Beispiel dafür, warum großzügige Übergangszeiten und Ausnahmen in den Finanzierungsrichtlinien eine Katastrophe für das Klima sind“, so Regine Richter, Finanz Campaignerin bei urgewald. „Solange sie gültig sind, fließt weiter ungebremst Geld an die größten Klimasünder und treibt die Klimakrise voran. Kohle ist kein Geschäft, sie ist eine Bürde für uns alle. Es ist höchste Zeit, die Schlupflöcher zu stopfen und die Kohlefinanzierung zu beenden.“ jb

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