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AusschreibungenNegativrekord beim Bau neuer Windräder

Bau eines Windrads bei Nordhausen in Thüringen.
Bau eines Windrads bei Nordhausen in Thüringen. (Foto: © Tobias Nordhausen / flickr.com, CC BY 2.0)

Ein neuer Tiefschlag für Windindustrie und Energiewende: Kaum ein Unternehmen kann noch Windräder bauen, in der neuesten Ausschreibungsrunde blieben zwei Drittel der Plätze leer. Statt geplanter 500 Megawatt neuer Windräder werden nur 176 gebaut.

12.09.2019 – In Beamtendeutsch heißt das dann: „Die unzureichende Wettbewerbssituation bei den Ausschreibungen für Windenergieanlagen an Land setzt sich weiter fort.“ Wobei man gar nicht von Wettbewerb sprechen kann, musste die zuständige Bundesnetzagentur zugeben. Sie wollte in der neuesten Förderrunde für Windräder 500 Megawatt ausschreiben und bauen lassen. Es gingen aber nur 22 Gebote mit 187 Megawatt ein, von denen eins ausgeschlossen werden musste.

Alle übrigen erhielten den Zuschlag und – weil kein Wettbewerb stattfand – die höchstmögliche Förderung von 6,2 Cent je Kilowattstunde Windstrom. Mit 176 Megawatt wird also nur gut ein Drittel der möglichen Menge an neuen Windrädern gebaut. Wieder einmal zu wenig.

„Besorgniserregende Dimension“

Der erschreckende Trend erreicht damit einen neuen Negativrekord. Bereits die vorausgegangenen Ausschreibungsrunden waren stark unterzeichnet. Im Mai leuchteten bei der Bundesnetzagentur in Bonn alle Warnleuchten, als die Ausschreibung mit 55 Prozent unterzeichnet war. Die Behörde warnte die Politik vor einer neuen „besorgniserregenden Dimension“.

Seitdem geht es weiter bergab. Im August sank die Teilnahme auf ein Drittel, nun im September mit nur 176 Megawatt der neueste Tiefststand.

Ein Blick auf die Ausbauzahlen verdeutlicht die dramatische Lage: Im ersten Halbjahr 2019 gingen gerade einmal 86 Anlagen neu ans Netz. Zieht man die Windräder ab, die abgebaut wurden, bleiben deutschlandweit nur 35 neue Windräder in einem halben Jahr. Fast 90 Prozent weniger als noch in den ersten sechs Monaten 2018.

Bundesregierung agiert planlos

Wie die Bundesregierung das Problem lösen will, bleibt auch nach dem Windgipfel von Wirtschaftsminister Peter Altmaier in der vergangenen Woche unklar. Lösen muss sie es aber, denn der Ökostromausbau kommt kaum vom Fleck. Gleichzeitig ist sauberer Strom einer der zentralen Mechanismen, um die Klimaziele für das Jahr 2030 einzuhalten.

Zudem droht mit der Windindustrie ein bedeutender Zukunftsbereich der deutschen Wirtschaft einzubrechen, in den vergangenen zwei Jahren sind bis zu 35.000 Arbeitsplätze verloren gegangen. Das sind mehr als noch in der Braunkohle beschäftigt sind, um die die Politik hart kämpft.

Bundesländer würgen Ausbau ab

Auf Unterstützung aus den Bundesländern kann die Windbranche nur zum Teil zählen. Bayern als flächenmäßig größtes Bundesland hat schon vor Jahren den Bau neuer Windräder abgewürgt. Mit einer 10H genannten Abstandsregel von Windrädern zu Gebäuden wird dort kaum noch eine Anlage neu gebaut. Die schwarz-gelbe Landesregierung von NRW hat jüngst eine ähnliche Vorgabe beschlossen. Dort dürften in Zukunft noch weniger Windräder gebaut werden.

In ganz Deutschland plagen sich Windkraft-Projektierer mit jahrelangen Genehmigungen für ihre neuen Anlagen, mit überforderten Behörden, mit Klagen von Anwohnern, Windkraftgegnern und Naturschützern sowie zu wenig ausgewiesenen Flächen herum. Die eine einfache Lösung gibt es nicht, viele Vorschläge liegen aber auf dem Tisch. Es ist an der Bundesregierung und den Länderchefs diese auch umzusetzen. cw


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