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BraunkohleFlutung von Tagebauen auf dem Prüfstand

Luftbild der künftigen Cottbuser Ostsee. Nur wenig Wasser auf einem riesigen sandigen Areal ist zu sehen.
Auf 1.900 Hektar soll in einem ehemaligen Braunkohletagebau mit der Cottbuser Ostsee der größte künstliche See Deutschlands entstehen. Doch wegen Dürre stockt die Flutung seit Monaten. (Foto: PaulT (Gunther Tschuch), WikiCommons, CC BY-SA 4.0)    

Für Kohlekonzerne ist die billigste Form der Rekultivierung, ehemalige Braunkohletagebaue zu Seen zu machen. Doch in Brandenburg soll das wegen Klimakrise und Wasserknappheit nicht mehr so einfach möglich sein, entschied der Landtag.

02.01.2021 – Letzte Woche beschloss das Plenum des Landtags Brandenburg einstimmig einen Antrag zum Umgang mit den Folgen des Braunkohlebergbaus in der Lausitz. Demnach sei „darauf hinzuwirken, dass die neu entstehenden Tagebauseen hinsichtlich ihrer Größe, Lage und Form möglichst geringe Verdunstungsverluste aufweisen“, heißt es in dem Beschluss. Riesige Seen, die nach Beendigung des Braunkohletagebaus entstehen sollen, stehen damit auf dem Prüfstand. Angesichts der Klimakrise und zunehmenden Wasserknappheit in Brandenburg ist fraglich, ob genügend Wasser für die Flutung von Tagebauen vorhanden ist.

Das Bundesberggesetz verpflichtet Bergbaubetreiber zerstörte Landschaften durch technische und biologische Maßnahmen zu rekultivieren. In der Lausitz existieren bereits 125 Quadratkilometer Bergbaufolgeseen. Der Bergbaubetreiber LEAG plant eigentlich weitere Seen mit insgesamt 70 Quadratkilometer. Solange ein Tagebaubetreiber nicht für Langzeitfolgen zur Verantwortung gezogen wird, sei die Befüllung der Tagebaue mit Wasser die billigste Form der Rekultivierung, kritisiert das Umweltnetzwerk Grüne Liga.

Bei einem aktiven Tagebau muss der Betreiber ständig Grundwasser abpumpen, damit das Loch nicht vollläuft. Will der Tagebaubetreiber das Loch nach Beendigung des Kohleabbaus mit Erde füllen könnte wieder einsickerndes Grundwasser für instabile Verhältnisse des Bodens führen. Auch fehlt aufgeschütteter Erde die natürliche Beschaffenheit, die einen Boden mit seinen verschiedenen Schichten für die die landwirtschaftliche Nutzung fruchtbar macht. Eine Flutung ist demnach die einfachste und kostengünstigste Rekultivierungsmaßnahme, sagt auch die Heinrich Böll Stiftung in Sachsen.

Auch Flutungen sind gefährlich

Doch selbst bei einer vollständigen Befüllung der Tagebaue mit Wasser drohen Folgeschäden. Auch hier kann steigendes Grundwasser für instabile Verhältnisse an den Ufern sorgen. In der Vergangenheit kam es wiederholt zu Erdrutschen, mit fatalen Folgen. So rutschte am Concordiasee, ein ehemaliger Braunkohletagebau in Sachsen-Anhalt, 2009 ein ganzer Hang mit zwei Häusern in den See. Drei Menschen kamen ums Leben. Wie auch an anderen Tagebauseen sind Uferabschnitte des Concordiasees bis heute gesperrt.

Inzwischen macht es die Klimakrise indes immer schwieriger ehemalige Tagebaue noch mit genügend Wasser zu befüllen. In einem Positionspapier legte die Grüne Liga im August 2020 dar, dass im Zuge des Klimawandels für die Lausitz von etwa gleichbleibenden Jahresniederschlägen, aber steigenden Temperaturen und damit Verdunstungsraten ausgegangen wird. Damit werde Wasser nicht nur in Dürreperioden knapper, sondern dauerhaft zu einem kostbaren Gut. Die Grüne Liga stützt sich dabei auf Angaben des Deutschen Wetterdienstes und fordert die Minimierung der Fläche künftiger Tagebauseen.

Die Mehrheit im Landtag Brandenburgs folgte in ihrem Beschluss nun dieser Empfehlung. Ein Erfolg für die Grüne Liga. „Die Genehmigungen neuer riesiger Tagebauseen sind vor dem Hintergrund der voranschreitenden Klimakrise und langer Trockenheitsphasen in der Lausitz nicht mehr verantwortbar. Das hat nun auch die Mehrheit der Abgeordneten im Landtag erkannt“, sagte René Schuster von der Grünen Liga.

Wie ernst nimmt die Landesregierung den Beschluss?

Bei der anstehenden Änderung des Braunkohleplans für den Tagebau Welzow könne die Landesregierung zeigen, wie ernst sie den Beschluss nimmt, so Schuster weiter. Eine Erweiterung des Tagebaus wird es nicht mehr geben, doch nach bisherigen Plänen der LEAG soll der existierende Tagebau einmal geflutet werden. Dies steht nun mit dem Beschluss des Landtags auf dem Prüfstand, ebenso wie die Flutung der Tagebaue Nochten, Reichwalde, Cottbus-Nord und Jänschwalde.

Auch die mitregierenden Grünen im Brandenburger Landtag stimmten für den Beschluss. Langfristig gehe es darum den stark veränderten Wasserhaushalt der Lausitz unter dem Einfluss des Klimawandels zu stabilisieren, sagte die umweltpolitische Sprecherin Isabell Hiekel auf Anfrage der energiezukunft. „Es geht im Wesentlichen darum, die entstehenden Restlöcher der jetzt noch laufenden Tagebaue so zu gestalten, dass es nicht zu großen flachen Seen kommt, sondern zu kleinen tiefen Seen, die eine geringere Verdunstungsfläche aufweisen“, so Hiekel weiter.

Die Möglichkeiten, die Planung zur Gestaltung der Restlöcher im laufenden Betrieb des Tagebaus noch zu ändern, seien begrenzt. „Aber wir haben die Landesregierung mit unserem Beschluss beauftragt, diese Möglichkeiten auszuloten und in die Richtung zur Verkleinerung der Seeflächen zu arbeiten“, sagte Hiekel. Die Landesregierung und zuständigen Behörden sind nun am Zug, auf die Planungen der LEAG in diesem Sinne einzuwirken. mf


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