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CO2-EmissionenEuropas Stromproduktion wird grüner

Zwölf Prozent weniger CO2-Emissionen verursachte 2019 die europäische Stromproduktion, dank mehr Ökostrom und weniger Kohlekraft.
Zwölf Prozent weniger CO2-Emissionen verursachte 2019 die europäische Stromproduktion, dank mehr Ökostrom und weniger Kohlekraft. (Foto: Appolinary Kalashnikov on Unsplash)

Zwölf Prozent weniger CO2-Emissionen und ein neuer Rekordwert von 35 Prozent Ökostrom im Netz: Europas Stromsektor wandelt sich weg von Kohlestrom und hin zu mehr Erneuerbaren Energien und Erdgas. Doch das bleibt nur so, wenn der CO2-Preis mitspielt.

07.02.2020 – „Europa legt weltweit eine einzigartige Geschwindigkeit bei der Ablösung von Kohlestrom durch Wind- und Solarenergie an den Tag. Das hat dazu geführt, dass die CO2-Emissionen des Stromsektors im letzten Jahr so schnell wie nie zuvor gesunken sind“, analysiert Dave Jones. Er beobachtet für die britische Organisation Sandbag, spezialisiert auf EU-Klima- und Energiepolitik, den europäischen Stromsektor.

Tatsächlich sind die Treibhausgasemissionen der Kraftwerke in der EU 2019 so stark gesunken wie nie zuvor seit 1990, nämlich um 120 Millionen Tonnen CO2 gegenüber 2018. Das sind 12 Prozent weniger Emissionen, ein beachtlicher Wert. Die Zahlen stammen aus einer Analyse, die Sandbarg gemeinsam mit der deutschen Denkfabrik Agora Energiewende am Mittwoch veröffentlicht hat. Grundlage sind aktuelle Stromdaten.

CO2-Preis macht Kohlestrom zu teuer

Demnach sank in allen EU-Staaten mit Kohlekraftwerken die Kohleverstromung, insgesamt um 24 Prozent beziehungsweise 150 Terawattstunden. Die Braunkohleverstromung nahm um 16 Prozent ab, Steinkohlekraftwerke erzeugten sogar 32 Prozent weniger Strom. Im Zentrum dieser Entwicklung steht Deutschland. Bereits Anfang Januar hatte Agora Energiewende berichtet, dass 2019 die deutsche Stromerzeugung von Steinkohlekraftwerken um 31 Prozent und die von Braunkohlekraftwerken um 22 Prozent eingebrochen ist.

„Den Rückgang der Treibhausgasemissionen in der EU im vergangenen Jahr verdanken wir größtenteils dem CO2-Preis, der 2019 wieder ein Niveau erreicht hat, bei dem die klimaschädlichen Energieträger vom Markt verdrängt werden“, sagt dazu Matthias Buck, Leiter Europäische Energiepolitik bei Agora Energiewende. Damit dieser Klimaschutztrend anhalte, sei es aber wichtig, dass der CO2-Preis das aktuelle Niveau von 25 Euro pro Tonne mindestens hält, so Buck weiter. Er empfiehlt der EU, die Kohlendioxid-Zertifikate stärker als bislang vorgesehen zu begrenzen, um Investitionssignale für Erneuerbare Energien zu setzen.

Ohne Ökostrom geht es nicht

Während im europäischen Stromsektor die Kohlekraft zurückging, stieg im vergangenen Jahr die Stromproduktion von Erneuerbaren Energien. Sie wuchs um 64 Terawattstunden gegenüber 2018 und übertraf mit 569 Terawattstunden erstmals die Mengen an Kohlestrom um gut 100 Terawattstunden. Der Anteil der Erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung wuchs EU-weit im Jahr 2019 auf 34,6 Prozent und lag damit um 1,8 Prozentpunkte höher als im Jahr 2018.

Ein gutes Windjahr bescherte Windkraftanlagen ein Stromplus von 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr, Solaranlagen lieferten europaweit 7 Prozent mehr Strom. Entsprechend stieg der Anteil von Solar- und Windstrom am Strommix in allen EU-Ländern mit Ausnahme von Tschechien. Die Stromerzeugung aus Wasserkraft ging hingegen aufgrund von anhaltender Trockenheit um 6 Prozent zurück. Atomkraftwerke erzeugten 1 Prozent weniger Strom als noch 2018 und Gaskraftwerke waren die einzigen fossilen Stromerzeuger, die zulegten. Sie produzierten 12 Prozent mehr Strom.

Klimaziele erfordern noch mehr Erneuerbare Energien

Trotz der positiven Entwicklung müsse das Zubautempo der Erneuerbaren Energien weiter beschleunigt werden, betont Energieexperte Buck. Denn bis 2030 soll knapp ein Drittel der Gesamtenergie in der EU aus Erneuerbaren Energien stammen. Um das zu erreichen, müssen bis 2030 jedes Jahr mindestens 97 Terawattstunden Ökostrom neu hinzukommen – also 33 Terawattstunden mehr als 2019. Angesichts der derzeitigen Energiewende-Politik in Deutschland ist damit kaum zu rechnen. cw