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StromverbrauchÖkostrom klettert auf Rekordwert und hängt Kohle ab

Windräder am Rand des Braunkohletagebaus Garzweiler in Nordrhein-Westfalen.
Windräder am Rand des Braunkohletagebaus Garzweiler in Nordrhein-Westfalen. (Foto: © Arne Müseler / arne-mueseler.de / CC-BY-SA-3.0 via Wikimedia.Commons)

Trotz der Flaute beim Ökostrom-Ausbau leisten die bestehenden Anlagen beachtliches: Fast 43 Prozent des deutschen Bruttostromverbrauch kamen in diesem Jahr bisher von Wind, Sonne und Co. – fast 50 Prozent mehr als Braun- und Steinkohle zusammen.

28.10.2019 – Es gibt auch gute Neuigkeiten aus der Erneuerbaren-Branche: In den ersten neun Monaten 2019 haben Wind-, Solar-, Wasserkraft- und Biomasseanlagen zusammen 42,9 Prozent des Bruttostromverbrauchs in Deutschland gedeckt. Das sind fast fünf Prozent mehr als im letzten Jahr und so viel wie nie zuvor. Im März erreichten die Ökostrom-Anlagen sogar aufgrund des starken Windes einen Wert von 52 Prozent.

Fast 50 Prozent mehr Öko- als Kohlestrom

Die neusten Zahlen des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) und des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) zeigen, was insbesondere Wind- und Solaranlagen für die Stromversorgung Deutschlands leisten können. Sie drängen klimaschädliche Kohlekraftwerke nach und nach aus dem Netz. Am Ende des Jahres rechnen die Experten mit einem Ökostrom-Anteil von gut 42 Prozent.

Während die sauberen regenerativen Technologien in den ersten drei Quartalen 2019 zusammen 183 Milliarden Kilowattstunden (kWh) Strom erzeugten, brachen Stein- und Braunkohle ein. Im vergangenen Jahr hatten sie noch fast gleichauf mit der Ökostromerzeugung gelegen, nun kommen sie auf 125 Milliarden kWh. Fast 50 Prozent mehr Öko- als Kohlestrom.

Windräder an Land bleiben stärkste Ökostromquelle

Besonders Wind- und Solarenergie legten kräftig zu. Stärkste Ökostromquelle bleibt die Windenergie an Land mit fast 72 Milliarden kWh, gefolgt von der Photovoltaik mit 41 und Biomasse mit 33 Milliarden kWh. Windparks auf dem Meer trugen fast 17 Milliarden kWh bei, die Wasserkraft verharrte aufgrund der noch immer anhaltenden Trockenheit bei 16 Milliarden kWh.

Den Kohlekraftwerken macht neben immer günstigeren Ökostrom-Technologien der steigende CO2-Preis im europäischen Emissionshandel ETS zu schaffen. Vor einem Jahr erreichte dieser erstmals den Wert von 20 Euro je Tonne CO2 und liegt aktuell bei knapp 25 Euro – und damit in einem Bereich, in dem die schmutzigen Kraftwerke zunehmend unrentabel werden.

So ist auch der verstärkte Einsatz von Erdgaskraftwerken zu erklären. Deren Stromerzeugung kletterte in den ersten drei Quartalen um elf Prozentpunkte auf 66 Milliarden kWh.

Dramatische Situation beim Windenergie-Ausbau und zu wenig neue Photovoltaikanlagen

Die Erfolge bei der Ökostrom-Erzeugung können nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Branche in einer schweren Krise steckt. Der Ausbau von Windrädern ist nach einen schwachen Jahr 2018 in diesem Jahr eingebrochen und nahezu zum Erliegen gekommen. Nur 35 Windräder sind im ersten Halbjahr netto neu hinzugekommen. 30.000 Arbeitsplätze gingen bisher verloren.

Die Ökostrom-Verbrauchszahlen stünden im scharfen Kontrast zur dramatischen Situation beim Ausbau der Windenergie, warnte BDEW-Chef Stefan Kapferer. „Wenn die Politik nicht endlich die Bremsen für den Ausbau der Windanlagen lockert, werden wir das 65-Prozent-Ziel krachend verfehlen.“ Die Bundesregierung hat sich das Ziel gesteckt, bis 2030 den Ökostrom-Anteil am Stromverbrauch auf 65 Prozent zu heben.

Auch die Photovoltaik kommt nicht so rasch in Gange wie es für den Klimaschutz notwendig wäre. „Beschleunigt sich der Photovoltaikzubau nicht, wird die jüngst beschlossene Verdopplung der installierten Leistung auf 98 Gigawatt in elf Jahren nur etwa zur Hälfte erreicht“, sagte Professor Frithjof Staiß vom ZSW. cw


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