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BrünsbüttelGeplantes LNG-Terminal vor dem Aus

Eine Stadt an einer Mündung eines Flusses ins Meer
Brunsbüttel liegt an der Mündung des Nord-Ostsee-Kanals in die Elbe und hat einen der wichtigsten Seehäfen Deutschlands. (Bild: user:UlrichAAB, Wikimedia Commons, CC BY 3.0)  

Erst zog sich der Hauptinvestor zurück, dann stoppte die Stadt Brunsbüttel ein Verfahren zur Änderung des Bebauungsplans. Das dort geplante LNG-Terminal steht damit vor hohen Hürden für eine Inbetriebnahme.

10.01.2022 – Unbeachtet von der Öffentlichkeit verkündete die niederländische Investmentgesellschaft Vopak LNG Holding im Zuge der Veröffentlichung ihrer Quartalszahlen bereits im November 2021, dass man Abstand von der aktiven Beteiligung an dem geplanten LNG-Terminal im schleswig-holsteinischen Brunsbüttel nehmen werde. Vopak machte zugleich deutlich, dass die Beteiligung bislang zu einem Verlust von 11,1 Millionen Euro geführt habe. In der Öffentlichkeit bekannt wurde dieser Schritt durch einen Artikel von Bloomberg Ende des vergangenen Jahres.

Mit Vopak zieht sich der wichtigste Investor aus dem geplanten LNG-Terminal zurück, das für Klima- und Umweltschützer sowie der Bevölkerung vor Ort ohnehin ein immenses Risiko darstellt. An das Terminal soll einmal Liquified Natural Gas – Flüssiggas – auf Schiffen transportiert anlanden. Importiert aus den USA, wo es mittels der Fracking Methode gewonnen wird. Austretende Methan-Gase bei der Förderung und der energetische Aufwand für Verflüssigung und Transport, machen Fracking-Gas genauso klimaschädlich wie die Energiegewinnung aus Kohle.

Für Constantin Zerger, Leiter Energie und Klimaschutz bei der Deutschen Umwelthilfe, beinhaltet der Rückzug von Vopak eine klare Botschaft. „Fossile Investments haben keine Zukunft“, so Zerger auf Twitter. Von der Politik in Deutschland unterstützt wurde es bislang trotzdem. Als damaliger Finanzminister bot der amtierende Bundeskanzler Olaf Scholz den US-Amerikanern an, den Import US-amerikanischen Flüssigerdgases mit einer Milliarde Euro aus deutschen Steuermitteln zu fördern. Im Gegenzug sollten die USA auf Sanktionen gegen die Fertigstellung der Nord Stream 2-Pipeline verzichten.

Ein Sicherheitsrisiko

Dabei würde ein LNG-Terminal in Brunsbüttel nicht nur die CO2-Bilanz Deutschlands in die Höhe treiben, der Bau stellt zudem ein immenses Sicherheitsrisiko für die Region dar. Denn solche Anlagen fallen unter die Kategorie Störfallbetrieb, die bei unsachgemäßen Betrieb Sicherheitsrisiken, wie Explosionsgefahren bergen. Deswegen gilt es eigentlich Sicherheitsabstände zu benachbarten Schutzobjekten und anderen möglichen Gefährdungsquellen zu wahren.

In unmittelbarer Nachbarschaft zu dem geplanten Terminalstandort in Brunsbüttel befinden sich jedoch schützenswerten Wohngebiete, sowie chemische Industriebetriebe und eine Sonderabfallverbrennungsanlage. Und nicht nur das, auch das stillgelegte Atomkraftwerk Brunsbüttel sowie Lager für hochradioaktive Abfälle befinden sich in der Nähe.

Die Projektierer der Anlage hatten daher Änderungen des Bebauungsplans beantragt, unter Umgehung des Störfallrechts, der einen Betrieb ermöglicht hätte. Doch die Stadt Brunsbüttel stoppte letzte Woche entsprechende Änderungen. Damit hat der Bebauungsplan von 2018 Bestand, der die Ansiedlung eines weiteren Störfallbetriebs wie das LNG-Terminal ausschließt.

Widerstand zeigt Wirkung

Die Einstellung des Verfahrens gehe auf langjährige Arbeit der Deutschen Umwelthilfe (DUH) und Partner vor Ort zurück, wie Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der DUH, mitteilt. „Gemeinsam hatten wir Einwendungen gegen die Änderung des Bebauungsplans erhoben und den Dialog mit der Stadt Brunsbüttel gesucht – unsere Argumente sind offensichtlich gehört worden. Mit der Entscheidung bestätigt die Stadt Brunsbüttel offensichtlich, dass die Vorgaben zum Störfallrechts am Standort weiterhin ernst genommen und angewendet werden“, so Müller-Kraenner.

Nun müssten die Stadt Brunsbüttel und die beteiligten Unternehmen endlich einen Schlussstrich unter das Projekt ziehen und dem Import von Fracking-Gas eine Absage erteilen, fordert Müller-Kraenner. Und Constantin Zerger appelliert an die politisch Verantwortlichen: „Bundes- sowie Landesregierung in Schleswig-Holstein müssen ebenfalls endlich die Zeichen der Zeit erkennen und jegliche Unterstützung mittels bereitgestellter Steuergelder unverzüglich beenden.“ mf


Kommentare

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Ing.grad i.R.Bernd Siedenburg 11.01.2022, 12:51:48

z.B. mein letzter Leserbrief an die Kieler Nachrichten:

Liebe Lesergemeinde,

vor 45 Jahren haben "WIR-HDW" zwei solcher imposanten "Schwesterschiffe" für norwegische Reeder gebaut "Golar Freeze" und "Hoegh Gandria" (siehe Google). Die Reeder setzten spekulativ auf LNG-Fracht von Nordafrika nach Europa - nur - Europa hat "bis gestern geschlafen" und meint jetzt: nun beginnt die LNG-Zukunft. Zehn Jahre später erfanden wir noch das "Schiff der Zukunft", es sollte u.A. das billigste Schweröl verdauen. Wir haben uns schon oft schwer mit der (wahren) Zukunft getan. Welch glücklicher Zufall, daß sich der geschäftsführende Manager des ("zukünftigen") LNG-Terminals in Brunsbüttel nach Hongkong verflüchtigt hat - zumindest eigenartig - aber dort lohnt sich Leistung wieder (FDP-Slogan) (dort wird nicht mehr demonstriert).

Liebe Leute - und auch die FDP (Herr Buchholz): wenn es eine Energie-Zukunft braucht, dann ist es der Wasserstoff - auch keine neue "grüne, saubere, billige" Atomenergiegeneration (wir wissen noch nicht einmal, wie teuer und schmutzig uns die alte AKW-Generation noch wird).

Mit freundlichen Grüßen

Bernd Siedenburg

Mönkeberg

PS.: es gibt viel zu tun - warten wir's ab!


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