TOP-THEMA
Europawahl




EnergiewendeKohleausstieg schafft Platz im Schienenverkehr

Blick auf einen Rangierbahnhof mit sehr vielen Gleisen und Güterzügen.
406,2 Mio. Tonnen an Gütern wurden 2018 auf der Schiene bewegt. Damit liegt der Eisenbahnverkehr jedoch bislang weit abgeschlagen auf Platz zwei hinter dem Warenverkehr auf der Straße. Dort wurden im selben Zeitraum 3746,6 Mio. Tonnen an Waren transportiert. (Foto: pxhere, CC0 Public Domain)

Während immer mehr Waren auf Straßen und Schienen unterwegs sind, bricht der Transport von Kohle ein – auch dank Erneuerbarer Energien. Ein Kohleausstieg könnte viel Platz für klimafreundlichen Güterverkehr auf der Schiene schaffen.

23.07.2019 – Egal ob Nahrungsmittel, Konsumgüter oder Industrieerzeugnisse, fast überall wächst der Güterverkehr. 2018 wurden in Deutschland insgesamt Waren von 4.4441,9 Millionen Tonnen bewegt – zu Land, auf dem Wasser und in der Luft. Das macht ein Plus von einem Prozent gegenüber 2017. Und auch für die nächsten Jahre wird mit einer weiteren Steigerung des Güterverkehrs gerechnet, wie das Beratungsunternehmen Intraplan Consult in einer Analyse im Auftrag des Verkehrsministeriums prognostiziert. Doch während etwa Maschinen und andere langlebige Konsumgüter ein kräftiges Plus von 5,9 Prozent aufweisen, bricht das Transportaufkommen von Kohle, Rohöl und Erdgas stark ein.

Ein Minus von 9,5 Prozent weist der Transport der fossilen Energien im Jahr 2018 gegenüber 2017 auf. In diesem Jahr rechnet Intraplan Consult mit einem weiteren Rückgang von 5,2 Prozent. Während der Transport von Erdgas stagniert, ist der Rückgang vor allem auf die sinkende Nachfrage nach Kohle und Rohöl zurückzuführen. Die Rohöleinfuhr etwa, deren Transport über Pipelines und den Seeverkehr abgewickelt wird, sank um sechs Prozent, da die Raffinerieproduktion inzwischen verstärkt Recyclingprodukte verwendet.

Es braucht immer weniger Steinkohle

Das abnehmende Transportaufkommen von Kohle ist derweil auf mehrere Gründe zurückzuführen. Dabei geht es vor allem um Steinkohle, deren Primärenergieverbrauch 2018 um 11,2 Prozent sank. Ein milder Winter sowie gestiegene Energieeffizienz auf allen Sektoren ließen die Nachfrage nach fossiler Energie sinken. Dazu kommt der Ausbau Erneuerbarer Energien, der trotz Ausbaudeckel bei der Photovoltaik und einem mangelhaften Ausschreibungssystem für die Windkraft, inzwischen fast 50 Prozent der deutschen Stromerzeugung ausmacht. Auch rentiert sich die Verstromung von Steinkohle durch inzwischen fehlende Subventionen immer weniger.

Im ersten Halbjahr 2018 gingen die Kohletransporte sogar um 16 Prozent zurück, insgesamt pendelte sich der Rückgang 2018 auf etwa acht Prozent ein. Dazu trugen auch die geringen Pegel der Flüsse bei, die den Transport auf Binnenschiffen beeinträchtigten. Für 2019 indes wird für die Binnenschifffahrt kein Transportrückgang mehr erwartet, auch weil sich die ausländischen Importe von Steinkohle durch den Wegfall der letzten beiden Bergwerke Deutschlands in Ibbenbüren und Bottrop erhöhen.

Weniger Kohletransporte bedeuten immense Möglichkeiten für den Warenverkehr

Der prognostizierte Rückgang beim Steinkohletransport wird daher in Zukunft vor allem den Schienenverkehr betreffen, da Kohle ausschließlich mit Schiffen oder Zügen bewegt wird. Für Julia Verlinden, energiepolitische Sprecherin der Grünen, besteht hier die Chance für eine grundlegende Umstrukturierung des Güterverkehrs. „Wenn Deutschland aus der Kohle aussteigt, hat dies auch positive Auswirkungen auf den Schienengüterverkehr. Es werden Kapazitäten frei für den klimafreundlichen Güterverkehr auf der Schiene, also für Güter, die derzeit noch mit LKWs Emissionen und Staus auf den Straßen produzieren“, so Verlinden.

Und unter Einbezug aller fossilen Rohstoffe, die über die Schiene bewegt werden, ergibt sich ein Volumen von 34 Millionen Tonnen, das macht ca. 8,3 Prozent aller Gütertransporte per Zug aus. In einem klimaneutralen Deutschland würden entsprechend immense Kapazitäten auf der Schiene frei werden, für Güter aller Art. Verlinden und andere fordern daher eine stärkere Investitionslenkung Weg von der Straße und hin zur Schiene. mf