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AusschreibungenDeutsche Windkraft kommt nicht aus der Krise

Eisige Zeiten für die deutsche Windbranche.
Eisige Zeiten für die deutsche Windbranche. (Foto: pixabay, CC0 1.0)

Die schlechte Lage verschärft sich: Statt der geplanten 700 Megawatt neuer Windräder werden in der aktuellen Ausschreibung nur 476 gebaut. Es gibt kaum neue Windkraftprojekte. Windbranche und Bundesnetzagentur fordern von der Politik Konsequenzen.

19.02.2019 – „Die erneute deutliche Unterzeichnung von 30 Prozent verfolgen wir mit Sorge“, sagte Ende vergangene Woche Jochen Homann. Als Präsident der Bundesnetzagentur ist er für die Genehmigung neuer Windräder zuständig und beobachtet seit Einführung des neuen Fördersystems dessen Schwierigkeiten. Dreimal im Jahr gibt es für gewöhnlich Ausschreibungsrunden, an denen Projektierer mit ihren Plänen für neue Windparks teilnehmen können. Erhalten sie den Zuschlag, gibt es eine Förderung. Das Problem ist nur: Es gibt nicht genügend Projekte.

In der aktuellen Ausschreibungsrunde für Windräder an Land wollte die Bundesnetzagentur 700 Megawatt bauen lassen. Eingereicht wurden dagegen nur 72 Gebote mit einem Volumen von 499 Megawatt. Fünf Projekte wurden wegen Formfehler ausgeschlossen, der Rest erhielt einen Zuschlag: 67 Gebote mit einem Volumen von 476 Megawatt, elf davon gingen an Bürgerenergiegesellschaften. Die Förderung beträgt im Durchschnitt 6,11 Cent pro Kilowattstunde.

Politische Schlangenlinien verunsichern Windbranche

Für Energiewende und Kohleausstieg müssten eigentlich mehr statt weniger Windräder gebaut werden. Stattdessen ändert die Bundesregierung das Ausschreibungssystem nach Lust und Laune. Manche würden sagen: Verschlimmbessern trifft es besser. Die Folgen: Die Branche ist verunsichert, der Windenergie-Ausbau brach 2018 um 55 Prozent ein. Besserung kaum in Sicht.

Im aktuellen Fall sind auf den ersten Blick genügend Windprojekte vorhanden: 1.840 Megawatt waren theoretisch berechtigt an der Ausschreibung teilzunehmen. Praktisch stecken jedoch viele davon in verlängerten Genehmigungsverfahren und Umgenehmigungen. Nach Informationen des Bundesverbands Windenergie (BWE) befinden sich zudem aktuell 750 Megawatt in Klageverfahren.

Hinzu kommt, dass für die Ausschreibungen im Februar, Mai und August neue Regelungen greifen: Die Projekte müssen innerhalb von 24 Monaten gebaut werden. Die kurze Frist verunsichert die Windbranche. Denn zunehmend werden Windparks noch bei Baubeginn beklagt und das bedeutet: Der Zeitplan kann kaum gehalten werden. Offenbar scheuen viele Projektierer das hohe Risiko.

Zwei Jahre bis zur Genehmigung

„Gemeinsam mit der Branche und den zuständigen Behörden muss an Lösungsansätzen hinsichtlich der Genehmigungssituation gearbeitet werden“, fordert entsprechend Bundesnetzagentur-Präsident Homann. Genehmigungsverfahren für neue Windparks würden mit bis zu 800 Tagen viel zu lange dauern, klagt der BWE. Doch ist eine Genehmigung nach zwei Jahren endlich erteilt, sehen die Förderbedingungen dank der häufigen politischen Änderungen oft anders aus. Umplanungen und Umgenehmigungen sind die Folge.

Das derzeitige Ausschreibungssystem sorge nicht für einen geordneten und planmäßigen Ausbau der Windenergie, analysiert der Branchenverband. „Der Ausbau der Windenergie an Land hat sich vom Fehlstart der Ausschreibungen in 2017 noch nicht erholt“, sagt BWE-Präsident Hermann Albers. Die Genehmigungspraxis müsse geändert werden und die Ausweisung neuer Flächen für Windräder endlich vorankommen. cw


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