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Grüne TransformationKraftwerksstrategie darf Energiewende nicht gefährden

Solarpark und Windenergie-Anlagen, dazwischen Wald
Bei der neuen Kraftwerksstrategie auf günstige Erneuerbare setzen. (Foto: naturstrom AG)

Im Rahmen der neuen Kraftwerksstrategie sollen Langzeitspeicher sowie umrüstbare Wasserstoffkraftwerke gefördert werden. Branchenkenner fordern eine Flexibilitätsstrategie, bei der das Rückgrat des Energiesystems ein Erneuerbares Back-up wäre.

26.02.2024 – Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) hat neue Details zur geplanten Kraftwerksstrategie bekannt gegeben. Neben einer technologieoffenen Ausschreibung für Langzeitspeicher sollen umrüstbare Wasserstoff-Kraftwerke eine Betriebskostenförderung sowie eine Investitionskostenprämie erhalten. Aus Sicht des BEE muss eine weitere Konkretisierung der Strategie aus Kosteneffizienz-, Resilienz-, Klima- und Versorgungssicherheitsgründen grundsätzlich auf Erneuerbare Energien ausgerichtet werden.

Die bisherigen Überlegungen müssten jetzt unter Einbeziehung der Überlegungen zum zukünftigen Strommarkt zu einer Flexiblitätsstrategie weiterentwickelt werden, kommentierte BEE-Präsidentin Simone Peter die Ergebnisse. „Das Rückgrat des Energiesystems der Zukunft sollte ein Erneuerbares Back-up sein. Bioenergie, Wasserkraft und Geothermie sowie Speicher und dezentrale PtX-Lösungen sind günstiger als irgendwann Wasserstoff-ready-Kraftwerke.“

Besser als die geplanten Zuschüsse für Wasserstoffkraftwerke wäre daher eine Verbesserung der Rahmenbedingungen im EEG für steuerbare Erneuerbare-Energien-Anlagen, sowie Anreize für Speicher und dezentral errichtete Elektrolyseure. Erste Ansätze wären in der Speicherstrategie vorhanden – diese sollten jetzt untermauert und erweitert werden.

Zuverlässig sind nur die Erneuerbaren

Dezentrale Erneuerbare, Speicher und heimischer grüner Wasserstoff wären zudem resilienter, weil sie nicht abhängig von Erdgas oder (Wasserstoff-)Importen sind – und sie passen perfekt zu den dezentralen Erzeugern Wind- und Solarenergie. Außerdem schützen sie das Klima sofort, während alle Wasserstoff-ready-Kraftwerke bis 2040 mit fossilem Erdgas betrieben werden können. „Ob das technisch im großen Maßstab gelingt, ob es genügend Wasserstoff geben wird und ob er klimafreundlich und grün oder klimaschädlich und blau sein wird, ist in höchstem Maße ungewiss. Auch hier machen heimische Lösungen das bessere Angebot“, sagt Simone Peter.

Kraftwerksstrategie darf Energiewende nicht gefährden

Außerdem sei dies der betriebs- und volkswirtschaftlich günstigste Weg, der die Versorgung dauerhaft verlässlich und bezahlbar sichere – und auch einen Beitrag für die Wärmewende liefere. „Über die bisher vorgelegten Eckpunkte der Kraftwerksstrategie hinaus ist die Rolle der systemsetzenden Erneuerbaren viel stärker anzuerkennen. Dafür sind Flächen und Genehmigungen für Erneuerbare noch schneller bereitzustellen und die Flexibilisierung zu fördern, statt nur auf teure Gaskraftwerke zu setzen“, so Peter.

Auf dem Neujahrsempfang von Arge Netz, BWE und LEE SH am vergangenen Freitag in Kiel forderte die BEE-Chefin denn auch, dass die Bundesregierung in ihrer Kraftwerksstrategie das Potenzial der dezentralen Erneuerbaren stärker berücksichtigen müsse.

Ausschreibung von Langzeitspeichern positiv

Erfreulich sei, so Peter, dass die Bundesregierung an anderer Stelle erste Schritte in Richtung dezentraler erneuerbarer Lösungen macht. Statt neuer Hybridkraftwerke sollen in der Kraftwerksstrategie nun Langzeitspeicher ausgeschrieben werden. „Diesen Weg gilt es weiter zu verfolgen und sowohl die vor-Ort-Strom- als auch Gasspeicher, von Biogas bis grünen Wasserstoff, anzureizen“, so Peter. „Auch hier ist die Dezentralität der Schlüssel für Systemdienlichkeit, Bezahlbarkeit – und damit zum Erfolg.“ Das müsse im weiteren Verfahren festgelegt werden, fordert der BEE.

Energiewende-Vorreiter Schleswig-Holstein

Geschäftsführer BWE SH und LEE SH Marcus Hrach forderte beim Kieler Neujahrsempfang, die Erzeugung von grünem Wasserstoff wirtschaftlicher zu gestalten. Er sei ein entscheidender Faktor für ein klimaneutrales Industrieland Schleswig-Holstein.

Schleswig-Holstein hat sich das hohe Ziel gesetzt, erstes klimaneutrales Industrieland zu werden. Den eingebrochenen Ausbau der Windenergie habe das Land wieder auf Pfad gebracht. „Mit dem Hochlauf der Genehmigungsbeschleunigung sind wir auf einem guten, aber noch langen Weg“, meint der Aufsichtsratsvorsitzende Arge Netz Hans-Detlef Feddersen, „Es müssen jedoch noch mehr Prozessschritte standardisiert und digitalisiert werden.“ Ein Schlüssel könne auch die vom Bund vorgegebene Gemeindeöffnungsklausel sein. „Die Gemeindeöffnungsklausel ist ein Booster zur Regionalplanung für den Ausbau der Erneuerbaren, wenn alle Akteure ihn als solchen verstehen und gemeinsam und partnerschaftlich an einem Strang ziehen.“

Grünen Wasserstoff vor Ort produzieren – Wettbewerbsvorteile nutzen

„Der LEE SH erwartet, dass die Landesregierung die vom Bund eröffneten Chancen zur Beschleunigung des Ausbaus der Erneuerbaren nutzt“, so Hrach. Für die angestrebte Ansiedlung und Industrialisierung benötige Schleswig-Holstein neben erneuerbarem Strom jetzt grünen Wasserstoff. Dieser sollte nach Auffassung des LEE SH vorrangig aus in Schleswig-Holstein erzeugtem erneuerbarem Strom produziert werden. „Die Erneuerbaren-Branche setzt auf Wertschöpfung in Schleswig-Holstein“, betonte Hrach. Das Land strebe eine Transformation in allen Bereichen und damit einen Wettbewerbsvorteil in Sachen Energiewende an – von dem alle Beteiligten, auch die Bürger, profitieren. na

 

 

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