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EU-LandwirtschaftAgrarsubventionen heizen Klimakrise an

Kühe im Stall
EU-Agrarsubventionen gehen zum Großteil in die Tierhaltung. So werden ungesunde, klima- und umweltschädliche Formen der landwirtschaftlichen Produktion und des Verbrauchs zementiert (Bild: Jett Pongsakon / Unsplash).

Die EU fördert klimaschädliche Landwirtschaft mit viel Tierhaltung. Das muss sich ändern: Hülsenfrüchte und Gemüse müssen auf den Speise- und Förderplan. Sie sind gesund für Mensch, Erde und Klima.

04.04.2024 – Die Agrarsubventionen der EU fließen zu über 80 Prozent in die Produktion von tierischen Lebensmitteln wie Fleisch, Milchprodukte und Eier. Das bestätigt eine niederländische Studie, die Subventionen für Landwirtschaft und Lebensmittel in der EU untersucht hat.

Analysiert wurden die aktuellsten verfügbaren Daten, sie stammen noch von 2013. Da Grundstrukturen der EU-Agrarförderung sowie die Förderhöhe sich kaum verändert haben, seien die Ergebnisse jedoch übertragbar, so die Autoren.

Landwirtschaft fördern

Die Gemeinsame Agrarpolitik der EU (GAP) macht rund ein Drittel des EU-Haushalts aus, in der derzeitigen Förderperiode entspricht dies rund 55 Milliarden Euro. Die GAP hat bereits seit Jahren strukturell Schlagseite. Drei Viertel der Zahlungen werden über sogenannte Flächenprämien verteilt, Landwirte erhalten also umso mehr Geld, je größer die Fläche ist, die sie bewirtschaften.

Das führt zu mehreren Problemen: Kleinere Betriebe werden gegenüber Großfarmen benachteiligt, Umweltschutz- und Biodiversitätsmaßnahmen werden nur ansatzweise gefördert und es gibt kaum Anreize, klimafreundlich zu wirtschaften.

Tierhaltung beansprucht wiederum mehr Fläche als der Anbau von Pflanzen allein. Die Subventionen für die Tierhaltung summieren sich: Etwa 38 Prozent gehen direkt an die haltenden Betriebe, mit 44 Prozent werden für die Tiere angebaute Futtermittel gefördert. Dabei decken tierische Produkte nur etwa ein Drittel des Kalorienbedarfs und etwa zwei Drittel des Proteinbedarfs in Europa.

Weniger Tiere, weniger Emissionen

Tierische Lebensmittel verursachen rund 84 Prozent der Treibhausgasemissionen der EU-Lebensmittelproduktion. Weltweit verursacht die Lebensmittelproduktion rund ein Drittel aller Emissionen, nimmt die Hälfte aller bewohnbaren Flächen in Anspruch und macht mehr als vier Fünftel des Wasserverbrauchs aus. Um die Pariser Klimaziele einzuhalten, muss die Tierhaltung deutlich reduziert werden, sind sich Forscher einig.

Im Durchschnitt nehmen Deutsche rund doppelt so viel Fleisch zu sich, wie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt. Eine flexitarische Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Hülsenfrüchten ist hingegen gesund und verursacht deutlich weniger Emissionen. Tierische Produkte werden im Vergleich mit Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten etc. künstlich verbilligt, obwohl letztere für Umwelt, Klima und auch Mensch gesünder wären.

Ernährung innerhalb der EU sichern

Europa subventioniert ihre Landwirtschaft, um im Bereich der Lebensmittelversorgung unabhängig vom Weltmarkt zu sein. In der Studie wird unter anderem bemängelt, dass rund 12 Prozent der Fördergelder in Exportgüter flossen und demnach nicht zur Ernährungssicherheit in der EU beitragen. Absurderweise hätte so China einen größeren Anteil der EU-Agrarsubventionen konsumiert als die Niederlande, und die USA mehr als Dänemark. Die EU subventioniert derzeit das Gegenteil von dem, was nachhaltig wäre: Ungesunde, klima- und umweltschädliche Formen der landwirtschaftlichen Produktion und des Verbrauchs. jb

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