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Banken-ReportWeiterhin umfangreiche Finanzierung fossiler Brennstoffe

DIe Spitze eines weißen Hochhauses mit rundem Dach
Westendstraße 1 in Frankfurt am Main: Hauptsitz der DZ Bank (Bild: Masood Aslami, pexels, Public Domain)

Deutsche Bank und die genossenschaftliche DZ Bank finanzieren weiterhin die Expansion von Gas, Öl und Kohle. Damit befinden sie sich in bester Gesellschaft internationaler Banken.

14.05.2024 – Ein Auf und Ab bei der Deutschen Bank, aber kein Ausstiegspfad erkennbar und ein Negativtrend bei der genossenschaftlichen DZ Bank. Auch deutsche Banken fallen bei der umfassenden Analyse der 60 größten internationalen Banken und ihrer fossilen Finanzierungen negativ auf, so die US-Organisation Rainforest Action Network (RAN), die Umwelt- und Menschenrechtsorganisation urgewald und sechs weitere internationale Partner, die am gestrigen Montag den jährlichen Bericht „Banking on Climate Chaos“ veröffentlichten.

Es geht um Kredite, die Banken im letzten Jahr an Unternehmen vergaben, die im Kohle- Öl- und Gasgeschäft tätig sind. Sowie um Wertpapiergeschäfte mit ebendiesen Firmen. Laut Analyse vergab die Deutsche Bank im Jahr 2023 rund 9,2 Mrd. über Kredite und 4,1 Milliarden über Wertpapiergeschäfte – sogenanntes Underwriting – an Unternehmen wie Venture Global, dem laut urgewalds Global Oil and Gas Exit List aktuell größten LNG-Expansionisten. Mit dem Underwriting übernimmt die Bank Sicherheiten für Wertpapiere der Firmen.

Im Mehrjahresvergleich ist kein klarer Trend erkennen, wie die NGOs aufzeigen: Im Jahr 2021 versorgte die Deutsche Bank fossile Unternehmen mit rund 13 Mrd. US-Dollar, im Jahr 2022 sank dieser Wert auf 10 Mrd. US-Dollar, um im Jahr 2023 wieder deutlich anzusteigen auf 13,4 Mrd. US-Dollar – das gleiche Niveau wie bereits im Jahr 2020. Hervor stach im letzten Jahr unter anderem ein Kredit über 99 Mio. US-Dollar an das peruanische Ölunternehmen Petroperu. Petroperu strebt die Erschließung neuer Ölfelder im Amazonas an, wogegen sich die dort lebenden indigenen Wampis und Achuar wehren.

Die größte Summe stellte die Deutsche Bank im Jahr 2023 mit knapp 1,3 Mrd. US-Dollar dem Unternehmen Enbridge zur Verfügung. Enbridge plant unter anderem ein LNG-Projekt in Kanada und den Bau einer Pipeline, die Ölsande aus Alberta in die USA transportieren soll. Im Bereich Flüssigerdgas (LNG) belegt die Deutsche Bank mit 2,7 Mrd. US-Dollar Platz 16 der größten Geldgeber weltweit im Jahr 2023.

„Negativtrend“ bei der DZ Bank

In dieser Liga spielt die DZ Bank nicht mit, dem Zentralinstitut der deutschen Genossenschaftsbanken. Heraus sticht jedoch der Trend. Seit 2020 vergab die Bank kontinuierlich mehr an Krediten und für Wertpapiergeschäfte an Unternehmen die im Kohle-, Öl- und Gasgeschäft tätig sind: 1 Mrd. US-Dollar (2020), 1,2 Mrd. USD (2021), 1,9 Mrd. USD (2022) und 2,5 Mrd. USD (2023). Insbesondere in die Expansion von Gaskraftwerken und LNG-Projekte floss im letzten Jahr vermehrt Geld.

Regine Richter, Finanz- und Energie-Campaignerin bei urgewald, konstatiert: „Deutsche Bank und DZ Bank weisen insgesamt eine schwache Bilanz auf. Während die Deutsche Bank trotz lautstarker Klima-Rhetorik keinen klaren Ausstiegstrend aus Fossilen erkennen lässt, hat die DZ Bank ihr fossiles Engagement sogar deutlich ausgeweitet. Mit solchen Geschäften, etwa im Flüssigerdgas-Sektor, verschärfen Deutsche Bank und DZ Bank die Klimakrise.“

Über die Jahre gesehen ist die DZ Bank noch ein kleines Licht. Seit 2016 untersuchen die RAN, urgewald und Co. den Finanzsektor auf ihre fossilen Investitionen hin. Mit insgesamt 12,36 Mrd. US-Dollar findet sich die Bank auf Platz 57 der 60 untersuchten internationalen Banken wieder. Bei der Deutschen Bank dagegen sind es schon 132,44 Mrd. Platz 22 der wichtigsten Banken für Kohle-, Öl- und Gasunternehmen.

Drei US-Banken in Front

Seit Jahren weltweit führend ist die US Bank JPMorgan Chase, mit Investitionen von 430,93 Mrd. US-Dollar seit 2016 und 40,8 Mrd. allein im letzten Jahr. Mit der Citigroup und der Bank of America folgen zwei weitere US Banken in der Rangliste. Seit 2016 haben all die Banken 6,9 Billionen US-Dollar in die fossile Industrie investiert. Allein im letzten Jahr waren es 700 Mrd. US-Dollar für Unternehmen mit fossilen Brennstoffen im Portfolio. Knapp die Hälfte davon für Unternehmen die ihr Kohle- Öl- und Gasgeschäft weiter ausbauen.

Zwar sanken Kredite und Wertpapiergeschäfte für die Expansion fossiler Brennstoffe, insbesondere die Kohle- und Gasverstromung wird weniger unterstützt, doch für die Einhaltung der Pariser Klimaziele geht es nach Ansicht von Expert:innen und NGOs nicht schnell genug. Zudem stiegen im letzten Jahr gegenüber 2022 die Finanzierungsmittel für Flüssigerdgas (LNG) und dem Bergbau für thermische Kohle.

April Merleaux , Research and Policy Manager beim Rainforest Action Network, sagt: „Die größte Sorge der Wallstreet ist ihr Profit, unsere Hauptsorge gilt dem Klima und den Menschenrechten. Während die Banken, die vom Klimachaos profitieren, jedes Jahr neue Greenwashing-Märchen erfinden, zeigen unsere Daten, wie viel Geld sie tatsächlich in fossile Brennstoffe stecken.“ Merleaux zeigt sich schockiert, dass in einem Jahr mit Rekordklimaauswirkungen die Finanzierung für einzelne fossile Sektoren sogar zugenommen habe. mg


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