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Post-EEG90 Windräder produzieren nach Vergütungsende weiter Strom

Zwei Windräder aus den Anfangsjahren des EEG auf einer Wiese bei Mainz.
Windkraftanlagen aus den Anfangsjahren des EEG sind technisch meist in Ordnung, der Strom aus diesen Anlagen wird gebraucht.   (Foto: Adl252 / Wikimedia Commons / CC BY SA 4.0)

Die Wirtschaft ist schneller als die Politik. Die gesetzliche Regelung für den Weiterbetrieb alter EEG-Anlagen wird gerade diskutiert. Ein Öko-Energieversorger macht Nägel mit Köpfen und schließt Strom-Abnahme-Verträge, um Rückbauten zu vermeiden.

02.09.2020 – Im nächsten Jahr läuft für die ersten Wind- und Solaranlagen die EEG-Förderung aus. Der Referentenentwurf der EEG-Novelle sieht eine Übergangsregelung für kleine Anlagen vor, die jedoch kaum auf alte Windkraftanlagen Anwendung finden kann.  Weil viele dieser Anlagen noch betriebstüchtig sind, wäre ein Rückbau volkswirtschaftlicher Unsinn. Zusätzlich fehlt der erneuerbare Strom aus diesen Anlagen für die Erreichung der Klimaziele, denn der notwendige Zubau von neuen Anlagen hinkt hinterher. Der Weg in die Direktvermarktung ist im Detail mitunter schwierig, weil die Anforderungen an die Direktvermarktung für alte Anlagen nicht ohne weiteres zu erfüllen sind.

Der Öko-Energieversorger NATURSTROM hat jetzt 60 Megawatt Windkraftleistung aus sogenannten Altanlagen unter Vertrag genommen. „Mit dem Auslaufen der EEG-Vergütung für rund 5.000 Windenergieanlagen beginnt zum Jahreswechsel eine neue Epoche für die Energiewende. Es entsteht ein neues Marktsegment für förderfreien Ökostrom, der gezielt zur Belieferung von Haushalts- und Gewerbekunden eingesetzt werden kann. Wir sind gut gerüstet, die Chancen dieses Umbruchs zu nutzen“, erklärt NATURSTROM-Vorstand Oliver Hummel.

Windstrom von 49 Enercon-Anlagen mit einer Leistung von 35 Megawatt sollen demnächst über den Direktvermarkter Quadra Energy bezogen werden. Für die Anlagenbetreiber bedeutet das eine Perspektive für den wirtschaftlichen Weiterbetrieb.

Weitere 44 Anlagen mit einer Leistung von 23,5 Megawatt hat NATURSTROM direkt unter Vertrag genommen – darunter auch zwei Anlagen von Peter Ahmels, der als langjähriger Leiter der Abteilung Energie und Klimaschutz der Deutschen Umwelthilfe um die Knappheit der Ressourcen weiß: „Ich freue mich, dass die Anlagen auch nach 2020 weiterlaufen, denn wir brauchen dringend sehr viel mehr Ökostrom und dazu können die alten, aber noch einsatzbereiten Anlagen günstig beitragen.“

Um den Schritt zum ungeförderten Weiterbetrieb noch vielen weiteren Betreibern zu ermöglichen, hat sich das Unternehmen frühzeitig positioniert und ist auch für den Kauf von EEG-Altanlagen offen.

Anschlussregelung wird dringend gebraucht

Derzeit ist unklar, wie viele der rund 5.000 Windräder, die 2021 aus dem EEG fallen, bis zum Jahresende einen Vermarktungsvertrag abschließen können. Entscheidend ist dafür die Entwicklung der Börsenstrompreise, die Energieeinkäufern als Vergleichsgröße dienen. Da die Preise durch Corona bedingt zwischenzeitlich eingebrochen waren und seitdem auf relativ niedrigem Niveau schwanken, kann ein wirtschaftlicher Weiterbetrieb für viele Windenergieanlagen, insbesondere abseits der guten Küstenstandorte, nicht als Selbstläufer gelten.

NATURSTROM hat daher im Juni einen detaillierten Vorschlag für eine eng befristete Auffanglösung unterbreitet, um im Fall dauerhaft zu niedriger Börsenstrompreise das Gros der Altanlagen vor der Abschaltung zu bewahren. „Es wäre fahrlässig, keine Vorkehrungen für den Fall zu treffen, dass ein Großteil der Altanlagen in einem durch Corona verzerrten Markt nicht unterkommt“, so Hummel. „Die Bundesregierung sollte bei den Altanlagen nicht alles auf eine Karte setzen, auch wenn wir und andere aktuell PPAs zum Weiterbetrieb abschließen.“ tl /pf


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Kommentare

Diskutieren Sie über diesen Artikel

Raimund Kamm 06.09.2020, 11:40:34

Unternehmerisch handeln!

 

Gut dass Naturstrom dies macht. Die Branche sollte auch hier nicht auf den Staat warten, sondern unternehmerische Lösungen suchen. Dieser Strom kann ja als ÖKOSTROM vermarktet werden.

 

Umweltschützer und Ökoenergiebranche sollten noch viel stärker fordern, dass Energie nicht subventioniert werden soll. Dass vielmehr alle Energiearten auch für ihre Folgekosten aufkommen müssen. Ein erster ganz wichtiger Schritt hierfür ist eine angemessene Bepreisung von CO2.

 

Die Ökoenergiebranche muss nicht um Förderung betteln sondern sollte faire Entgelte durch Einpreisung der Folgekosten fordern.

 

Raimund Kamm


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