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Offshore-WindkraftNeues Ausschreibungsdesign treibt Kosten

Windenergieanlagen im Meer und Segelboot
Licht und Schatten sieht die Branche für den Ausbau der Offshore-Windenergie in Deutschland. (Foto: (Foto: Lars Plougmann / Flickr / CC BY-SA 2.0)

Branchenorganisationen wie der BWE begrüßen die höheren Ausbauziele des novellierten Wind-auf-See-Gesetzes für die Offshore-Windenergie. Sorgen bereiten jedoch ein neues Ausschreibungsdesign, die kriselnde Lieferkette sowie der Fachkräftemangel.

13.07.2022 – „Mit den neuen Ausbauzielen für die Offshore-Windenergie von mindestens 30 Gigawatt (GW) bis 2030, mindestens 40 GW bis 2035 und mindestens 70 GW bis 2045 hat Deutschland endlich die Ambitionen, die die Industrie für den beschleunigten Ausbau braucht“. Dies loben die Branchenorganisationen Bundesverband WindEnergie e.V. (BWE), der Bundesverband der Windparkbetreiber Offshore (BWO), die Stiftung Offshore-Windenergie, VDMA Power Systems sowie die WAB.

Zentrale Schwäche: Das neue Ausschreibungsdesign

Auch die Bauaktivitäten liefen in diesem Jahr endlich wieder an. Zwar seien im ersten Halbjahr 2021 noch keine Offshore-Windenergieanlagen errichtet worden, aber es gab erste Bauaktivitäten in den Offshore-Windenergieprojekten Kaskasi und Arcadis Ost 1. Ein kontinuierlicher, jährlicher Zubau werde künftig entscheidend sein, um Deutschland im Wettbewerb mit anderen Märkten mit Anlagen und Equipment zu versorgen. Doch der gerade mit dem Windenergie-auf-See-Gesetz (WindSeeG) festgelegte Rahmen für den zukünftigen Offshore-Ausbau stelle die Branche vor Herausforderungen.

„Eine zentrale Schwäche des novellierten Wind-auf-See-Gesetzes ist das neue Ausschreibungsdesign, das den Preis für den Ausbau der Flächen in Nord- und Ostsee an die erste und maßgebliche Stelle stellt“, kommentieren die Branchenorganisationen. Durch den Ausbaustopp der letzten Jahre sei Deutschland im internationalen Vergleich ins Hintertreffen geraten. Umso wichtiger sei ein funktionierendes System, das im internationalen Wettbewerb um Ressourcen, Fachkräfte und Investoren Hindernisse aus dem Weg räumt.  

Projektierer müssen laut dem novellierten WindSeeG künftig – ähnlich wie bei den Versteigerungen der Mobilfunklizenzen – erst Geld auf den Tisch legen, um überhaupt ein Offshore-Windenergieprojekt zu bauen. Statt einem Zuschlag nach den niedrigsten Kosten erhält der Bieter den Zuschlag, der den höchsten Preis für die Nutzungsrechte der Fläche bezahlt. 

Höhere Industriestrompreise von bis zu 21 Euro /MWh befürchtet

Die Branchenverbände verweisen darauf, dass die Industriestrompreise laut NERA Economic Consulting durch die neu verankerte Gebotskomponente um bis zu 21 Euro/Megawattstunde (MWh) steigen könnten. „Auch der Kostendruck auf die ohnehin durch den fehlenden Ausbau geschwächte Wertschöpfungskette wird – abhängig von der Ausrichtung der Projektentwickler – zunehmen“, kritisieren sie. Grundlegende Fehler im Ausschreibungsdesign könnten sich Bundesregierung und Offshore-Windindustrie jedoch nicht leisten, wenn das erste Etappenziel für 2030 erreicht werden soll.

Die Gebotskomponente müsse daher schnellstmöglich gestrichen oder wie in den Niederlanden gedeckelt werden. Nachhaltigkeitskriterien, wie die Integration der offshore-produzierten Energie ins Stromnetz, praktikable und damit realisierbare Dekarbonisierungsbeiträge von geplanten Offshore-Windenergieprojekten, die wirtschaftliche Produktion von grünem Wasserstoff sowie die Stärkung der europäischen Industrie sollten im Vordergrund stehen. Sie sollten mit der Windenergiebranche konsultiert sowie möglichst europäisch standardisiert eingeführt werden, um unnötige Kosten zu vermeiden. „Die nun eingeführten Kriterien müssen in Zusammenarbeit mit der Branche pragmatisch und zielgerichtet angepasst werden, um ihre intendierte Wirkung zu entfalten. Hier sehen wir bei dem aktuellen WindSeeG dringenden Korrekturbedarf“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung.

Lob für Hochlauf Wasserstoffproduktion

Positiv bewerten die Branchenorganisationen den im neuen WindSeeG festgelegten Hochlauf der Wasserstoffproduktion durch Offshore-Wind durch sechs jährliche Ausschreibungen von 500 Megawatt (MW) installierter Leistung ab 2023. Die Branche erwartet jedoch, dass sie bei der Entwicklung des Ausschreibungsdesign diesmal frühzeitig und eng einbezogen wird.

Damit die mittel- und langfristigen Ziele realisiert werden können, müssten nun dringend weitere Maßnahmen ergriffen werden. „2030 ist quasi heute“, mahnen die Branchenorganisationen. Sie verweisen darauf, dass Offshore-Projekte lange Vorlaufzeiten haben. Der de facto Stillstand der letzten Jahre habe, ebenso wie die Corona-Pandemie, tiefe Spuren in der Lieferkette hinterlassen. Nun steige der Bedarf an Produktionskapazitäten im In- und Ausland deutlich an. Eine besondere industriepolitische Anstrengung mit fairem internationalem Wettbewerb sei notwendig. Die Produktionsstätten von Herstellern und Zulieferern müssten in Europa ausgebaut werden, und es müssten funktionstüchtige Lieferketten gewährleistet sein. Die Ertüchtigung von Werften und Häfen sowie des Spezialschiffbaus sei essenziell und müsse politisch unterstützt werden.

Gezieltes Anwerben von Fachpersonal notwendig

„Es braucht außerdem eine große und von der Bundesregierung unterstützte Ausbildungs- und Qualifizierungsoffensive“, fordert die Branche weiter. In den letzten drei Jahren seien in der deutschen Offshore-Windbranche über 3.000 Arbeitsplätze verloren gegangen. Die Branche habe folglich einen hohen Bedarf an gut ausgebildeten Fachkräften – viel gutes Personal sei als Folge des nicht erfolgten Zubaus ins Ausland abgewandert. Es gelte nun, diesen Bedarf durch das gezielte Anwerben von Fachpersonal zu decken.

Konkrete Ideen, wie Ausbildungscluster für Windenergie könnten helfen, den erforderlichen Bedarf an Fachkräften zu decken. „Das jetzt im WindSeeG beschlossene Ausbildungskriterium ist an sich ein interessanter Ansatz zur Beförderung von Ausbildung, in der Anwendung für die Auswahl des erfolgreichen Bieters jedoch wahrscheinlich sehr komplex“, schließen die Branchenorganisationen. hcn

Das aktuelle Factsheet zum Status des Windenergie-Ausbaus auf See für das erste Halbjahr 2022 finden Sie hier.

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