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Wirtschaftlich unrentabelRasanter Kohleausstieg in Spanien

Kohlekraftwerk in Andalusien.
Wie hier in Andalusien, werden mehrere Kohlekraftwerke in Spanien dicht gemacht. (Bild: Roy Luck, flickr.com, CC BY 2.0)

Die Hälfte aller verbliebenen Kohlekraftwerke Spaniens wurden gestern dicht gemacht. Andere folgen bald. Seit staatliche Förderungen wegfallen und der Emissionshandel angezogen hat, macht Kohlestrom wirtschaftlich keinen Sinn mehr.

01.07.2020 – Spanien vollzieht einen rasanten Wandel: Noch 2018 produzierten Kohlekraftwerke 15 Prozent des gesamten Stromkonsums in Spanien. Im Mai dieses Jahres waren es nur noch 1,4 Prozent. Für die Energiekonzerne rentiert sich der Betrieb der Kohlekraftwerke nicht mehr. Aufgrund Europäischer Umweltregularien müssten die Unternehmen künftig ihre Kraftwerke aufrüsten, um den Ausstoß schädlicher Gase zu vermindern.

Da die Kraftwerke jedoch wirtschaftlich nicht mehr konkurrenzfähig sind, sehen die Konzerne von einer Aufrüstung ab. Sieben der verbliebenen 15 Kohlekraftwerke wurden deswegen gestern dichtgemacht, wie die spanische Tageszeitung El Pais berichtet. Bei vier weiteren wird die Schließung vorbereitet. Umweltorganisationen gehen davon aus, dass die Kohleverstromung in Spanien bis 2025 Geschichte seien wird. Aus der Industrie ist sogar ein früherer Kohleausstieg zu vernehmen. In zwei bis drei Jahren könnte es soweit sein, wie El Pais Stimmen aus der Industrie zitiert.

Wie in Deutschland, sorgt der europäische Emissionshandel ETS auch in Spanien für steigende Preise bei der Kohleverstromung. Ein Preis von über 25 Euro pro Tonne CO2 machte die Kohle 2019 wesentlich teurer als Erneuerbare Energien und Gas. In der Corona-Krise ist der CO2-Preis zwar deutlich abgefallen, doch wettbewerbsfähiger wurde die Kohle dadurch nicht mehr. Die günstige Wetterlage und verminderte Industrieproduktion verstärkten den Trend der Erneuerbaren. Auch die Abkehr von Finanzinstituten aus dem Kohlegeschäft trägt zu deren Niedergang bei.

Staatliche Beihilfen werden eingeschränkt

Darüber hinaus gibt die Europäische Union vor, dass staatliche Beihilfen für die Kohle immer weiter eingeschränkt werden müssen. Bereits zum 01.01.2019 mussten Kohle-Bergwerke auf weitere Subventionen verzichten. Wer weiter Kohle abbauen wollte, musste sogar Beihilfen zurückzahlen. Von bis dato 26 Minen existiert inzwischen nur noch eine einzige. 2021 wird auch diese voraussichtlich dicht machen.

Ab 2025 dürfen EU-Länder auch keine Subventionen mehr für Kohlekraftwerke vergeben, die bislang über sogenannte Kapazitätsmechanismen unterstützt werden. Diese Mechanismen sollen sicherstellen, dass in Ausnahmesituationen genügend Energie zur Verfügung steht. Doch das erhält unrentable Kohlekraftwerke künstlich am Leben und behindert den Ausbau Erneuerbarer Energien und Speicherkapazitäten.

Der beschleunigte Kohleausstieg vollzieht sich in Spanien vor allem marktbedingt – und passt gleichzeitig zu den angestrebten Klimaschutzzielen der spanischen Regierung. Bis 2030 soll der Kohleausstieg vollzogen sein – der Markt wird wohl für ein früheres Ende sorgen. Spätestens 2050 will Spanien seinen Strom zu 100 Prozent aus Erneuerbaren Energien beziehen – bis 2040 sollen es 85 bis 95 Prozent sein und bis 2030 35 bis 42 Prozent

Ein klares Risiko, dass sich Spanien in Sahara-Wüste verwandeln wird

Konsequenter Klimaschutz ist für die Spanier erwartungsgemäß noch wichtiger als andere Länder in Europa. Der britische Ökonom Nicholas Stern warnte bereits: "Wenn die Temperatur über die Grenzen steigt, die wir im Pariser Abkommen festgelegt haben, dann gibt es ein klares Risiko, dass sich Spanien in Sahara-Wüste verwandeln wird." Vor allem die intensive spanische Landwirtschaft ist von Wassermangel bedroht.

Abzuwarten bleibt, wer von der Energiewende profitieren wird. Bislang sind es vor allem die großen Stromkonzerne, die mit dem Ausstieg aus dem Kohlegeschäft, die Energiewende mit riesigen Solar- und Windkraftprojekten vorantreiben. Die dezentrale Energiewende dagegen, getrieben von den Bürgern, wurde abgewürgt. Förderungen für kleinere Solaranlagen wurden auf Drängen der großen Konzerne wieder gekappt. Zwischenzeitlich mussten Besitzer kleinerer Solaranlagen sogar zusätzliche Steuern zahlen. mf


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