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Agri-Photovoltaik – neuer LeitfadenAuf Ackerflächen Ökostrom und Gemüse ernten

Agri-Photovoltaik-Anlage über einem Acker
Oben Strom, unten Ackerpflanzen: Agri-PV – kongeniale Kombination von sauberer Energie und ökologischer Landwirtschaft. (Foto: © Fraunhofer ISE)

Unten Kulturpflanzen, oben Solarstrom – mit dem System der Agri-Photovoltaik können Ackerflächen effizient und dabei ökologisch genutzt werden. Mit einem neuen Leitfaden bekommen Akteure jetzt Unterstützung zur Anwendung der kongenialen Technologie.

24.02.2021 – Am Boden wachsen die Kulturpflanzen, darüber erzeugen Solarmodule erneuerbaren Strom: Das System der Agri-Photovoltaik ist so einfach wie genial und könnte künftig auch Konflikte um den Gebrauch von landwirtschaftlichen Böden im Zuge der Energiewende entschärfen.

Die Testphasen für das System sind bereits gelaufen und die Technologie hat sich bewährt – in verschiedenen Ländern weltweit. Die Bedingungen sind immer etwas anders und wurden jeweils optimal angepasst. Doch populär ist die Technologie noch nicht.

Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) hat daher nun einen Leitfaden herausgegeben. Das Forschungsinstitut hatte die Technologie in Deutschland erstmals umfassend erprobt. Die Forscher geben in ihrem Leitfaden aktuelle Informationen über die Technologie, ihr Potenzial sowie den aktuellen Entwicklungsstand. Ziel ist es, Landwirten, Kommunen und Unternehmen praktische Hinweise zur Nutzung der Agri-PV an die Hand zu geben. Auch Vorschläge für eine Anpassung des rechtlichen Rahmens sind in dem Werk enthalten. Die Publikation ist kostenfrei und steht online auf Deutsch und Englisch zum Download bereit.

Multitalent Agri-PV

Die Agri-Photovoltaik bringt Solarstromerzeugung und Landwirtschaft unter einen Hut. Eine Fläche kann so gleichzeitig der landwirtschaftlichen Nahrungs- und Futtermittelproduktion als auch der Solarstromerzeugung dienen. „Das reduziert die Konkurrenz um landwirtschaftliche Flächen und trägt zu einer effizienteren Landnutzung bei“, sagt Max Trommsdorff, Gruppenleiter Agri-Photovoltaik am Fraunhofer ISE. Und die aufgeständerten Solarmodule können noch mehr: Sie bieten Schutz vor Hagel-, Frost- und Dürreschäden und machen Schutzfolien und andere Materialien überflüssig. Auch könnte eine Reduktion der Windlasten und der Sonneneinstrahlung zu einem geringeren Wasserverbrauch in der Landwirtschaft beitragen. Das ist angesichts der veränderten und extremen Wetterbedingungen durch den Klimawandel ein nicht zu unterschätzender Vorteil.

Bei manchen Ackerfrüchten können die aufgeständerten Solarmodule sogar zu einem Anstieg der landwirtschaftlichen Erträge führen, haben Forschungsprojekte wie APV-RESOLA gezeigt. Darüber hinaus schaffe die Solarstromerzeugung stabile zusätzliche Einkommensquellen für Landwirtschaftsbetriebe und erhöht damit die Resilienz vieler Höfe gegenüber Ernteausfällen.

Flächenproblem gelöst

Das Potenzial der Technologie ist hoch: Nur rund vier Prozent der deutschen Ackerflächen würden laut Fraunhofer ISE ausreichen, um mit ihr bilanziell den gesamten aktuellen Strombedarf in Deutschland zu decken. Dafür wären rund 500 Gigawatt installierte Leistung nötig. Auch die Kosten könnten sich inzwischen sehen lassen, so die Forscher. Mit Stromgestehungskosten zwischen 7 und 12 Cent pro Kilowattstunde ist die Agri-PV sogar schon kostengünstig. Erfolgreiche Projekte in den USA, Frankreich oder Chile machen das deutlich.

Poltische Hürden beseitigen

Doch es gibt auch Hürden für die Nutzung von Agri-PV in Deutschland. So erhalten Agri-PV-Anlagen erhalten aktuell in den meisten Fällen keine kostendeckende Einspeisevergütung durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) und die landwirtschaftliche Nutzung fällt aus der EU-Agrarförderung. Auch wird die flächenneutrale Agri-PV im Baugesetzbuch nicht privilegiert. All dies hemmt die Nutzung der Technologie.

Um die Hemmnisse zu beseitigen, schlagen die Forscher Änderungen vor, die die Agri-PV besser in den ordnungspolitischen Rahmen einbetten sollen. Auch die frühzeitige Beteiligung der Bürger vor Ort wird als entscheidendes Erfolgskriterium genannt. „Mit den vorgeschlagenen Maßnahmen könnte das enorme Potenzial der Agri-PV erfolgversprechend erschlossen werden“, bekräftigt Trommsdorff . „Für das Klima und die Landwirtschaft wäre das eine gute Nachricht.“  na


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Kommentare

Diskutieren Sie über diesen Artikel

Martin Kornmann 24.02.2021, 13:17:07

Ja, das hat etwas Einfaches und sehr gut verständliches. Es verbindet große Innovationen in Bezug auf die Zukunft. Nur allein davon zu Wissen macht mich sehr froh. Es kommen Bilder hoch, Zukunftspläne, was noch alles möglich wäre.

Das Bild, dass es doch noch möglich sein könnte, dass unsere Kinder und Kindeskindern noch eine Welt vorfinden können in der es sich lohnt zu Leben.

Danke für diese Informationen, diese Aussichten.

Adalbert Mauch 24.02.2021, 15:32:39

Eine sehr gute Idee. Es gibt viele Gemüse- und Kulturpflanzen, die im Halbschatten besser gedeihen. Als spontanes Beispiel kann der Mangold angefühert werden.

Thomas Schmitz 24.02.2021, 23:23:09

Interessanter Ansatz sind auch biracial Ost-/Westanlagen mit beidseitig angeordneten, senkrechten Solaranlagen. Zwischen den Reihen ist ausreichend Platz, damit der Landwirt arbeiten oder Tiere grasen können.

Gustav W. Dr. Sauer 25.02.2021, 10:52:58

Es ist zwar nicht schön, aber der absehbar einzig belastbare Beitrag zur Energiewende, mit zusätzlicher Nutzung drunter. Nur: Jeder Vorteil hat auch einen Nachteil. Es werden immense Speicherkapazitäten erforderlich. Landwind wird sich am Bürgerprotest aufhängen, Offshorewind sollte ausgebaut werden. Der Rest sind Gaskraftwerke.

Fabian Karthaus 25.02.2021, 13:15:26

Ich habe selbst eine solche APV Anlage gebaut,

Bis heute haben wir keine Übereinkunft mit dem Bauamt gefunden, denn

 

Genehmigt wurde uns ein Glasgewächshaus in gleicher Größe und Bauform, mit allen Gutachten etc.

Die Glasplatten im Dach wurden durch uns gegen bifaciale Spezialmodule ersetzt...

Dann wurde uns die Baugenehmigung entzogen, ohne Recht auf Nachbesserung...

 

Die Aussagen vom Bauamt und der Landwirtschaftskammer waren:

Glas wäre okay aber Glas mit PV Zellen drin - Auf gar keinen Fall...

 

Wir kämpfen nun schon seit 36monaten über die Daseinsberechtigung...

Währenddessen gedeihen darunter 2500 Himbeeren und mehr als 800 Heidelbeer Pflanzen und tragen hervorragend Früchte.

 

Die Privilegierung steht aus meiner Sicht völlig außer Frage...

Die dienende Funktion sind:

Verdunstungsschutz im Sommer

Kälteschutz vor Strahlungskälte (Spätfrost)

Hagelschutz

Starkregenschutz etc.

 

Wer mehr darüber wissen möchte kann sich gern mit mir in Verbindung setzen.

OTTO 01.03.2021, 08:59:39

+23 Gut

DANKE FÜR DEINEN AUSFÜHRLICHEN EHRLICHEN BERICHT

TUT GUT ZU LESEN

WÜRDE GERN MEHR ÜBER DEINE ART ZU GÄRTNERN ERFAHREN

OTTO PETER,LUGNEZ

Thorsten Recktenwald 25.02.2021, 14:11:43

Einen bereits praxiserprobten Ansatz im Bereich Agri-PV zeigt die Next2Sun GmbH. Sie ist Gewinnerin des deutschen Solarpreises und hat bereits MegaWatt-Projekete im Bereich Agri-PV umgesetzt.

 

www.next2sun.de

Jürgen Parschau 25.03.2021, 10:28:35

Ehrlich gesagt finde ich Photovoltaik auf der Fläche gewöhnungsbedürftig. Aber an Windkraft haben wir uns auch gewöhnt. Ich war bislang gegen Solarstrom auf der Fläche, weil meistens die Flächen nicht mehr für Futter oder Nahrung zur Verfügung standen. Schön zu sehen, dass es auch anders geht! Vor allem vielen Dank für den Hinweis auf Next2Sun!


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