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USA wird solar – trotz TrumpEnergiewende vor Ort kommt weiter voran

Montage von PV-Modulen auf dem Dach eines Solarhauses beim studentischen Solar-Decathlon-Wettbewerb 2015 in Orange County Great Park, Irvine, California.
Trotz Trumps Anti-Energiewende-Politik: der lokale Solarmarkt in den USA boomt. Montage von PV-Modulen auf dem Dach eines Solarhauses beim studentischen Solar-Decathlon-Wettbewerb 2015 in Orange County Great Park, Irvine, California. (Foto: Thomas Kelsey / U.S. Department of Energy Solar Decathlon / Flickr / CC BY-ND 2.0)

Trotz Trump brummt der Photovoltaikmarkt in den USA. Kommunale Aggregatoren treiben vor allem in Kalifornien die dezentrale Energiewende voran, immer mehr Bundesstaaten setzen sich ambitionierte Ausbauziele für Erneuerbare und die „Pipeline“ für Solarprojekte erreicht einen neuen Rekordstand.

08.01.2019 – Immer mehr US-Bundesstaaten setzen auf einen ambitionierten Ausbau von Photovoltaik und anderen Erneuerbaren Energien. Fünf neu gewählte Gouverneure haben sich zu 100-Prozent-Zielen für Erneuerbare verpflichtet, weitere gehen in diese Richtung. So will Jared Polis, der neue Gouverneur von Colorado, die Energieversorgung des Bundesstaates bis 2040 auf 100 Prozent Erneuerbare Energien umstellen. Das Ziel des neuen Gouverneurs von Connecticut, Ned Lamont ist es, bis 2030 mindestens 50 Prozent Strom aus regenerativen Energien und bis zum Jahr 2050 sogar 100 Prozent erneuerbaren Strom zu erzeugen. Gouverneur J.B. Pritzker kündigte an, Illinois „zu 100 Prozent sauberen, Erneuerbaren Energien zu verhelfen". Nevadas neuer Gouverneur Steve Sisolak sagt: „Ich möchte uns auf den Weg zu 100 Prozent Erneuerbaren bringen“ und „Community Solar ermöglichen“ und er betont, dass „saubere Energie Arbeitsplätze schafft“. Die neue Gouverneurin von Maine, Janet Mills, kündigte an, die Energieversorgung des Ostküstenstaates bis 2050 „fast vollständig“ auf Erneuerbare Energien umzustellen.

Gemeinschaftssolaranlagen ermöglichen − Speichernutzung ausbauen

Oregons wiedergewählte Gouverneurin Kate Brown befürwortet „100 Prozent saubere Energie bis 2050“. Die Gouverneurin von New Mexico, Michelle Lujan Grisham, verspricht, die verpflichtenden Ausbauziele für Erneuerbare für Energieversorger (Renewable Portfolio Standards) zu erhöhen, die Übertragungsinfrastruktur für regenerative Energien zu entwickeln, Gemeinschaftssolaranlagen zu ermöglichen und die Nutzung von Speichern auszuweiten. Die neu gewählten Gouverneure Tim Walz aus Minnesota, Gretchen Whitmer aus Michigan und Gavin Newsom aus Kalifornien verfolgen ähnliche Ziele. Bislang hat sich Hawaii das Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2045 100 Prozent Strom aus Erneuerbaren Energien zu erzeugen, Kalifornien will im selben Jahr 100 Prozent CO2-freien Strom produzieren.

Community Choice Aggregators als neue Kraft

Vor allen in dem Westküstenstaat treiben kommunale Aggregatoren, sogenannte Community Choice Aggregators (CCAs), die Energiewende voran. Hierbei beschaffen Kommunen von regionalen Anlagenbetreibern im Pool Strom für die örtlichen Haushalte, Unternehmen und eigenen Einrichtungen oder investieren selbst in dezentrale erneuerbare Anlagen. Die bestehenden Energieversorger, die sich meist im Besitz von Investoren befinden, fungieren weiterhin als Stromlieferanten und Netzbetreiber, wickeln die Rechnungen ab und erbringen weitere Kundendienstleistungen.

„Dieses neue Modell ermöglicht es den Kommunen, ihre eigenen Entscheidungen über ihre Energieinvestitionen zu treffen und die Energiewende aktiv voranzutreiben“, sagt Beth Vaughan, Geschäftsführerin der California Community Choice Association (CalCCA). Insgesamt 19 CCAs mit acht Millionen Stromkunden gibt es bisher in Kalifornien. 1,3 Gigawatt (GW) neue Photovoltaikanlagen, 740 Megawatt (MW) neue Windkraftanlagen, 12 MW neue Biogasanlagen und 350 Megawattstunden (MWh) neue Speicher konnten bisher auf diese Weise laut Angaben von Vaughan errichtet werden, eine Verdoppelung innerhalb eines Jahres. Jüngst schlossen beispielsweise die Monterey Bay Community Power und Silicon Valley Clean Energy langjährige Lieferverträge über Solarstrom aus Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von insgesamt 278 MW ab, die mit Batteriespeichern mit einer Kapazität von 340 MWh gekoppelt sind.

Neue kommunale Joint Powers Authority in San Diego

Das größte CCA entsteht derzeit im 1,4 Millionen Einwohner zählenden San Diego in Südkalifornien. „Ich möchte damit San Diego und die Region in eine sauberere Energiezukunft führen“, sagt Bürgermeister Kevin L. Faulconer (Republikaner). Die Kommune hat sich in einem Klimaschutzplan selbst dazu verpflichtet bis zum Jahr 2035 auf eine 100-Prozent erneuerbare Stromversorgung umzusteigen. Dies geht noch über das offizielle Ziel des Westküstenstaates hinaus.

Um das CCA umzusetzen möchte San Diego nun eine eigene kommunale Joint Powers Authority (JPA) aufbauen. Bürgermeister Faulconer unterstrich, dass es auch darum gehe, durch das zusätzliche Angebot die Kosten für die Energieversorgung zu senken. Laut Angaben seines Büros sollen durch das CCA die Strombezugskosten für die beteiligten Verbraucher und Unternehmen um rund fünf Prozent gegenüber den Lieferverträgen mit herkömmlichen Versorgern gesenkt werden. CCAs sind momentan in den USA in sieben Bundesstaaten gesetzlich etabliert worden, neben Kalifornien in Illinois, Ohio, Massachusetts, New Jersey, New York und Rhode Island.

Wachstum bringt neue Herausforderungen mit sich

In fast allen Regionen des Landes boomen die geplanten Solarprojekte. Laut aktuellen Installationsdaten von S&P Global Market Intelligence stieg die Projektpipeline für die kommenden zwei Jahre innerhalb der vergangenen sechs Monate um mehr als 50 Prozent auf 23 Gigawatt. Ein wichtiger Treiber ist die schrittweise Reduzierung der Steueranreize des Investment Tax Credit (ITC) von derzeit 30 Prozent auf 26 Prozent im Jahr 2020, 22 Prozent im Jahr 2021 und auf zehn Prozent in den Jahren danach. Die Unternehmensberatung IHS Markit prognostiziert für die USA in diesem Jahr ein Rekordwachstum des Photovoltaikmarktes um 28 Prozent verglichen zu 2018.

Gleichzeitig entstehen neue Herausforderungen für die weitere Umsetzung der Energiewende. Der Fokus liegt zunehmend auf der Systemstabilität und der Aufnahmefähigkeit der Netze sowie einem steigenden Bedarf nach regelbarer Energie sowie Energiespeichern. Zudem steigen die Finanzierungsrisiken, da immer mehr Projekte mit sinkenden Börsenstrompreisen konfrontiert sind, wenn Stromabnahmeverträge (Power Purchase Agreements/ PPAs) auslaufen.

Diskutiert wird, künftig PPAs eher wie Kapazitätszahlungen für gesicherte Leistung zu strukturieren und verstärkt Photovoltaik mit Speichern zu kombinieren, um bedarfsgerecht Stromspitzen abdecken zu können. Ähnlich wie in anderen Ländern mit einem steigenden Erneuerbaren-Anteil wird auch in den USA eine Reform des Strommarktdesigns gefordert, damit sich entsprechende neue Produkte und Dienstleistungen, beispielsweise zur Lastverschiebung, etablieren können. Hans-Christoph Neidlein


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