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Teststrecke bei Köln

Erster Solar-Radweg Deutschlands eröffnet

Eröffnung des Solar-Radwegs
Donald Müller-Judex (Geschäftsführer von Solmove), Bundesumweltministerin Svenja Schulze und Volker Erner (Bürgermeister von Erfstadt) trotzen dem schlechten Wetter bei der Eröffnung der Teststrecke. (Foto: © Juergen Schwarz/photothek)

In Erfstadt bei Köln wurde ein mit robusten Solar-Kacheln belegter Fahrradweg eingeweiht. Die 90 Meter lange Teststrecke soll Strom produzieren und im Winter vor Glätte schützen. Zukünftig könnte der Belag auch auf Autobahnen zum Einsatz kommen.

15.11.2018 – Erstmals können Fahrradfahrer in Deutschland nun auf einem Radweg fahren, der dank spezieller Photovoltaik-Module Strom erzeugt. Am Montag wurde die etwa 90 Meter lange Teststrecke in Erfstadt bei Köln feierlich von Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) eingeweiht. Die rund 200 Quadratmeter große Solarfläche soll zukünftig etwa 16.000 Kilowattstunden Strom pro Jahr produzieren – ausreichend für die Versorgung von vier Haushalten.

Der Trend zum Radfahren ist ungebrochen Der Solar-Radweg könne jedoch nicht einfach nur Strom erzeugen, sondern im Winter auch Eis abtauen, um ein sicheres Radfahren zu ermöglichen, so Schulze bei der Eröffnung. „Mit solchen Angeboten wollen wir erreichen, dass das Rad zunehmend eine attraktive und gesunde Alternative zum Auto wird.“ Der erzeugte Strom wird außerdem für die Beleuchtung des Radwegs und das Betreiben der Monitoring-Station genutzt.

Potsdamer Startup entwickelte den Solar-Radweg

Realisiert wurde das Projekt vom Potsdamer Startup Solmove, das im Jahr 2014 von Donald Müller-Judex gegründet wurde. Das junge Unternehmen hat sich auf die Entwicklung von Photovoltaik-Modulen spezialisiert, die wie ein Teppich horizontal auf dem üblichen Straßenbelag installiert werden. Sie sind nicht nur rutsch- und bruchfest, sondern besitzen auch eine spezielle Oberfläche, die das schräg einfallende Sonnenlicht optimal für die Stromerzeugung nutzt.

Die Idee für sein Unternehmen sei dem Gründer eigentlich aus der Not heraus gekommen, berichtete Müller-Judex im Februar. Im Jahr 2009 war er auf der Suche nach einem freien Dach im Allgäu, um es für die Installation einer PV-Anlage anzumieten. Allerdings waren bereits alle Dächer bebaut, sodass er keine Gelegenheit für die Nutzung von Sonnenenergie fand. Nur die Straßen, auf denen er bei seiner Suche unterwegs war, lagen „ungenutzt“ in der Sonne. Genau zu diesem Zeitpunkt kam dem Erfinder dann auch die Idee, dass man ja das große ungenutzte Flächenpotenzial von Straßen erschließen könnte.

Nach einigen Jahren Entwicklungsarbeit hat Solmove nun in Erfstadt sein erstes Projekt realisiert. Die rund 90 Meter lange und 2,5 Meter breite Solarwegteststrecke besteht aus einzelnen Platten, die mit einem speziellen Klicksystem ineinandergesteckt und geklebt wurden. Die Oberfläche aus bruchsicherem Glas ist zudem rutschfest und absorbiert Geräusche.

Solar-Radweg taut im Winter Schnee und Eis

Im Winter können die Solar-Kacheln zudem erwärmt werden, um Schnee und Eis abzutauen. Dadurch lassen sich die Kosten des Winterdienstes einsparen. Nach etwa 25 Jahren muss der Belag dann abgetragen werden. Das dabei entstehende Granulat sei jedoch zum großen Teil recyclebar, so Solmove.

Noch ist die Umsetzung einer solchen Solarstraße allerdings ziemlich kostenintensiv. Schließlich musste das Potsdamer Startup in den letzten Jahren auch noch hohe Entwicklungskosten stemmen. Zukünftig sollen die Preise für ähnliche Projekte aber deutlich sinken, vor allem wenn weitere Synergieeffekte genutzt werden. So könnten Sensoren wichtige Informationen für die Verkehrsplanung übermitteln und sogar irgendwann induktive Ladevorgänge ermöglichen. Doch bis dahin ist es noch ein langer Weg, dem nun in erster Linie ein erfolgreicher Test in Erfstadt vorausgehen muss.

„SolaRoad“ in den Niederlanden

In den Niederlanden hat sich der weltweit erste Solar-Radweg inzwischen schon bewährt. Nach den ersten Monaten wurde beim Projekt „SolaRoad“ deutlich, dass die produzierten Strommengen sogar die Erwartungen übertrafen. Aufs Jahr gerechnet ging man damit sogar von einer höheren Erzeugung als die im Labor berechneten 70 Kilowattstunden pro Quadratmeter aus. jk


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Kommentare

Diskutieren Sie über diesen Artikel

Florian 15.11.2018, 14:07:12

Wie fährt es sich mit dem Rennrad bei Tempo 30 oder 40 auf dem Solarradweg mit seiner sehr unebenen Oberfläche und wie ist de Fahrkomfort generell mit den ganzen Unebenheiten und Fugen zwischen den einzelnen Kacheln? Die Idee ist ganz nett aber solange noch gut zwei Drittel wenn nicht noch mehr Dachflächen für Photovoltaik ungenutzt sind eine Spielerei. Da sind andere seltsam erscheinende Ideen wie Photovoltaik Module zwischen den Gleisen auf Bahnschwellen zu befestigen fast oder die Agro Photovoltaik mit Solarpanels über den Äckern fast noch sinnvoller anzusehen als die Solarstraßen. Zuletzt ist das Abtauen von Schnee und Eis im Winter Energie ökonomisch Unsinn sofern keine Energie Überschüsse wie in Norwegen zur Verfügung stehen. Ich bin also skeptisch. Hier feiert eine Ministerin ein nettes aber zweifelhaftes Kleinprojekt und gleichzeitig wird die Photovoltaik bei den größeren Dachanlagen und beim sinnvollen Mieterstrom von der Bundespolitik versucht auszubremsen, typisch deutsche Politik der Gegenwart? Hü und Hott?

Andreas Fischer 30.11.2018, 10:46:32

Hm, dachte auch zunächst, dass das eine gute Idee sei, aber ich geben dem Vorredner recht. Solange wir die "einfachen" und offensichtlich günstigeren Möglichkeiten PV-Anlagen zu installieren nicht nutzen, brauchen wir uns über solche kostspieligen Projekte keine Gedanken machen. Wie wärs denn mal, wenn wir die gigantischen Flächen der ausgebeuteten Tagebaue (zumindest teilweise) mit PV-Anlagen bestücken? Oder die Dächer von Stadien, Bahnhöfen, Schwimmbädern etc.? So ganz verstehe ich die Denkweisen nicht...

Andreas 30.11.2018, 18:48:50

Wie wäre es, Radwege mit Solaranlagen zu überdachen?

Man kann bei Regen im Trockenen radeln, oder auch im Schatten, wenn die Sonne im Zenit steht. Das ist schon mal ein gutes Argument, um auch bei nicht so tollem Wetter das Auto stehen zu lassen. Energieintensives Abtauen wäre dann außer nach einem Schneesturm überflüssig. Günstiger wäre dies wahrscheinlich auch noch und es könnten weniger Grünflächen mit Solarparks zugebaut werden wie es doch immer mal wieder zu sehen ist.


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