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US-EnergiewendeIn den USA verdrängen Solaranlagen Kohlekraftwerke

Gilt als Vorzeigeprojekt: Der Solarpark Kayenta Solarpark des Navajo-Stammes im Norden Arizonas. (Foto: NTUA / SRP)

Die Preise für Solarstrom purzeln: Arizonas größter Stromverbraucher hat einen Solarstrom-Liefervertrag zum Preis von 2,49 US-Cent pro Kilowattstunde geschlossen. Der Solarpark ist Teil der Stilllegung eines der größten Kohlekraftwerke des Landes.

18.06.2018 – Der derzeit angesagteste Trend im US-Bundesstaat Arizona? Kohlekraftwerke durch Solaranlagen ersetzen, titelte das Fachmagazin pv magazine. Schuld ist unter anderem ein gewaltiges Wasserprojekt, das Central Arizona Project (CAP). Es geht zurück auf das Jahr 1968 und ist eines der längsten und teuersten Wasserumleitungen in der Geschichte der USA. Seit 1994 werden mit dem über 500 Kilometer langen Kanal die beiden größten Städte Arizonas Phoenix und Tucson im Süden mit Wasser versorgt. CAP ist der größte Stromverbraucher weit und breit und somit von Kraftwerksschließungen direkt betroffen.

Genau das geschieht derzeit in den USA zuhauf, trotz Trumps kohle- und atomfreundlicher Politik. Mittlerweile sind von 580 Kohlekraftwerken im Jahr 2010 noch 350 am Netz, recherchierte kürzlich die New York Times. Der Anteil der Kohle am Strommix sank von 45 auf 30 Prozent. Dem rasant zunehmenden, harten Wettbewerb mit billigem Fracking-Gas und immer günstiger werdendem Solar- und Windstrom sind die Kohlekraftwerke nicht gewachsen, obwohl ein Großteil seit Jahren abgeschrieben ist. 40 Kraftwerksbetreiber haben angekündigt, bis 2025 ihre Kohlemeiler zu schließen oder Kapazitäten zu reduzieren. Weitere werden sicher folgen.

Doppelt so teuer

Eine der Anlagen ist die Navajo Generating Station ganz im Norden Arizonas an der Grenze zum Bundesstaat Utah. Das größte Kohlekraftwerk westlich des Mississippi wurde im Zuge der CAP-Planungen in den 1970er Jahren gebaut und liefert noch immer den Strom für die gewaltigen Pumpen. Ende kommenden Jahres ist Schluss damit, so sieht es eine Vereinbarung des Betreibers mit dem Stamm der Navajo und der US-Umweltorganisation Sierra Club vor. Denn das Kraftwerk mit einer Leistung von 2.250 Megawatt ist eine gewaltige Umweltbelastung. Für die Navajo und den Stamm der Hopi ist die Schließung eine gewaltige Herausforderung, viele arbeiten in dem Kraftwerk und die Gemeinde lebt unter anderem von den Steuereinnahmen.

Ein Schritt den Kohlemeiler zu ersetzen ist deshalb der Bau von Solaranlagen, die den Anwohnern Einnahmen und den CAP-Pumpen den Strom liefern sollen. Anfang Juni vereinbarten die zuständigen Behörden des Wasserprojekts einen 20-jährigen Liefervertrag für die in Planung befindlichen 30-Megawatt-Solaranlage AZ Solar 1. Der Preis: unschlagbare 2,49 US-Cent pro Kilowattstunde, die Hälfte des Strompreises der Navajo Generating Station, die Energie für 5 Cent pro Kilowattstunde liefert. Die Solaranlage wird laut Vertrag mit voraussichtlich 85.300 Megawattstunden Strom pro Jahr die Pumpen antreiben.

Vorzeigeprojekt mit Wirkung

Ein anderes Solarprojekt läuft bereits. Der 2017 in Betrieb gegangene Solarpark Kayenta mit einer Leistung von 27,5 Megawatt galt als erster Versuch und Vorzeigeprojekt der Navajo mit dem Versorger Salt River Project. Der Erfolg gibt dem Umbau der Energieversorgung Recht: Anfang des Jahres wurden die Verträge für den Solarpark Kayenta II unterzeichnet, der ab Frühjahr 2019 mit einer Leistung von 27,3 Megawatt sauberen Strom produzieren soll. Zudem unterzeichnete der Stamm mit dem Versorger eine Absichtserklärung für weitere Erneuerbare-Energien-Projekte im Umfang von mindestens 500 Megawatt innerhalb der nächsten zehn Jahre.

Schon jetzt haben sich die Solarparks auch in anderer Hinsicht gelohnt: Durch Förderprogramme wurden Arbeiter umgeschult und die Wertschöpfung der Anlagen vor Ort erhalten. Steuereinnahmen der Anlagen spülen Geld in die Gemeindekasse und die Navajo kommen ihrem Ziel schrittweise näher: Eine erneuerbare Selbstversorgung aufzubauen und durch den Verkauf von erneuerbarem Strom das Überleben des Stammes zu sichern. cw


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Kommentare

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Rudolf Koenig 21.06.2018, 07:37:13

+188 Gut Antworten

... aber nur am Tag ... dIe Casinos der Indianerstämme haben abends und nachts Hochkonjunktur.

Freundliche Grüße

Rudolf Koenig


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