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Ausgeförderte PV-AnlagenMit 20 Jahren ist lang noch nicht Schluss

Solarpionierin Irmgard Raupach vor ihrem Haus mit Solaranlage
Die PV-Anlage läuft auch nach 20 Jahren noch einwandfrei, ein Rückbau wäre Verschwendung. (Foto: privat)

Photovoltaikanlagen aus den Anfangsjahren erreichen ihr Förderende, erzeugen aber vielerorts weiter Strom. Die Solarpioniere der ersten Stunde stehen nun vor der Wahl zwischen Volleinspeisung mit geringer Vergütung oder Umrüstung zum Eigenverbrauch.

14.05.2021 – Für Erneuerbare Energien-Anlagen bis 100 Kilowatt Leistung sieht das EEG 2021 eine Übergangsfrist bis Ende 2027 vor. Bis dahin dürfen diese Anlagen ihren Strom weiter einspeisen. Aufgrund der Leistungsgrenze greift diese Regel vor allem für kleine PV-Anlagen auf privaten Hausdächern.

Die Vergütung für den Strom aus diesen Anlagen errechnet sich aus dem durchschnittlichen Börsenstrompreis des jeweiligen Jahres, von dem eine Vermarktungspauschale abgezogen wird. Ungefähr 3 Cent pro Kilowattstunde erhalten die Betreiber derzeit, wenn sie den Strom aus ihren Anlagen vollständig ins Netz einspeisen. Wer angesichts der aktuellen Energiepreise den Strom selbst nutzen will, muss einige Hürden überwinden. Denn für den Eigenverbrauch muss die Anlage die heute geltenden technischen Anforderungen erfüllen. Das bedeutet vor allem Umbauten im Zählerschrank.

Vier Solarpioniere aus den Anfangsjahren der Photovoltaik erzählen, welche Überlegungen bei ihrer Entscheidung eine Rolle spielen.

 

Klaus Kölmel aus Göttingen: „Wo ist gesellschaftlich vorn?“

1991 nahm Klaus Kölmel seine Photovoltaikanlage in Betrieb. Es war die erste legale netzgekoppelte Anlage in Göttingen. Rund 22.400 DM legte er für 37 AEG-Module mit insgesamt 1,4 Kilowatt Leistung auf den Tisch und speiste den Strom fortan ohne Vergütung ins Netz ein. Als das Einspeisegesetz in Kraft trat, erhielt er den damals recht hohen Vergütungssatz.

Jetzt ist damit Schluss. 20 Jahre sind um, die Anlage inzwischen 30 Jahre in Betrieb. Und sie läuft immer noch. „Im Moment speist sie einfach nur ein, wie bisher“, berichtet Kölmel, aber er hat sich bereits informiert. „Mich würde eine Umrüstung zur Eigenverbrauchsanlage rund 700 Euro kosten. Ich werde aber aufgrund der Ausrichtung der Anlage und meinem persönlichen Lastprofil höchstens ein Drittel selbst verbrauchen können.“

Wirklich amortisieren würde sich die Investition wohl nicht, zumal auch ein Speicher zeitgemäß wäre, aber darum ginge es Kölmel auch nicht. Er erzählt: „Mich hat immer interessiert: Wo ist gesellschaftlich vorn? Da wollte ich hin.“ Kölmel grämt sich nicht über die geringe Vergütung. Allerdings findet er den Preis auch etwas schäbig, wenn er daran denkt, wie teuer sein Strom ist, den er bezieht. Seine Entscheidung, wie es weitergehen soll, ist noch nicht gefallen.

 

Norbert Gerth: „Mein Zählerkasten ist voll“

Norbert Gerth nahm seine erste Photovoltaikanlage im Februar 2000 in Betrieb. In den Jahren danach kamen auf dem Zweifamilienhaus weitere PV-Anlagen hinzu. Die erste Anlage ging an die Grenze des damals erlaubten – 5,04 Kilowatt. Alle PV-Anlagen sind einzeln gemeldet, bekommen verschiedene Vergütungssätze – laufen jedoch über einen Zähler. Gerth erhielt im September 2020 ein Schreiben seines Netzbetreibers, dass die Vergütung für die erstgebaute Anlage 2021 endet. Alle Informationen zum Weiterbetrieb hat er sich selbst im Internet zusammengesucht.

Inzwischen weiß Gerth vom Netzbetreiber, dass er den Eigenverbrauch der alten Anlage nicht über den gleichen Zähler laufen lassen kann wie den Eigenverbrauch aus einer später installierten Anlage. „Und der Zähler ist ein Kostenpunkt, weil mein Zählerkasten voll ist“, sagt er. Deshalb denkt er nun an eine neue Anlage. Wenn er dafür auch einen neuen Zähler braucht, will er damit allerdings noch warten. Der Grund: „Nächstes Jahr fällt die nächste Anlage aus der Vergütung, wenn ich dafür dann auch einen neuen Zähler brauche und so weiter, brauche ich einen neuen Zählerkasten mit fünf zusätzlichen Zählern. Das summiert sich.“ Er würde dann eher beide Anlagen abbauen und auf der Fläche eine neue Anlage mit Eigenverbrauch errichten.

Gerth lebt in einem kleinen Dorf in Ostwestfalen-Lippe. Er hat inzwischen in seinem Verwandten- und Bekanntenkreis fast alle vom Bau einer Solaranlage überzeugt und selbst auch eine Wärmepumpe installiert.

 

Irmgard Raupach: „Im Wintergarten spürte ich die Energie der Sonne“

Irmgard Raupach erzählt von ihrem Weg zur eigenen Solaranlage: „Wir hatten einen Wintergarten an unserem Haus angebaut und spürten, wieviel Energie das Sonnenlicht mitbringt. Ich dachte, das kann man doch auch anders nutzen.“ Die Photovoltaikanlage mit knapp vier Kilowatt Leistung ging im Sommer 2001 ans Netz. Die Einspeisevergütung betrug 99 Pfennige, später 51 Cent pro Kilowattstunde. Nach 19 Jahren hatte sich die Anlage amortisiert. Ende 2021 ist für diese Anlage dann die EEG-Förderung zu Ende.

Die Solaranlage auf dem Einfamilienhaus, in dem die Familie mit vier Kindern gelebt hat, läuft völlig fehlerfrei. Noch ist Irmgard Raupach unschlüssig, wie es nach dem Vergütungsende weitergehen soll. Eine weitere Volleinspeisung für eine geringe Vergütung ist für sie nicht ausgeschlossen, weil die Anlage inzwischen abbezahlt ist. Aber als echte Solarpionierin liebäugelt sie eher mit dem Eigenverbrauch: „Ich würde gern den Strom selbst nutzen, wenn sich die Umbauten in Grenzen halten. Denn den Strom da zu verbrauchen, wo er erzeugt wurde, ist ja das sinnvollste, was man machen kann.“ Die 83-Jährige hofft, demnächst eine gute Beratung und eine einfache technische Lösung für den Eigenverbrauch zu finden.

 

Hans-Josef Fell : „Sonnenstrom soll nicht verloren gehen“

Hans-Josef Fell, Mitbegründer des EEG, bleibt am Ball. Seine Photovoltaikanlage hat ihr Förderende erreicht, das wenig später installierte Blockheizkraftwerk wird 2024 aus der Vergütung fallen. Mit beiden Anlagen zusammen hat Fell schon immer rein rechnerisch seinen Strom- und Wärmebedarf übers Jahr gedeckt. Fell erklärt: „Für mich war klar – ich will ein Zeichen setzen und zeigen, dass eine Eigenversorgung eines Einfamilienhauses mit Strom, Wärme und zwei Elektroautos ganzjährig zu jeder Jahresstunde auch praktisch möglich ist.“

Zu der noch gut laufenden 1,8-Kilowatt-Anlage aus den 90er Jahren kam letzten Sommer eine neue Solaranlage mit 2,4 Kilowatt Leistung und ein Batteriespeicher mit 20 Kilowattstunden Kapazität. Auch im Winter rechnet Fell nicht mit Stromknappheit. Die Erfahrung zeigt, dass das BHKW immer genügend Strom und Wärme produziert hat.

Beide PV-Anlagen versorgen Verbraucher im Haus und laden den Speicher. Noch werden letzte Details mit dem Netzbetreiber geklärt, doch seit Monaten schon bezieht Hans-Josef Fell keinen Strom mehr aus dem Netz. Der Überschussstrom wird eingespeist, um jedoch den bürokratischen Aufwand kleinzuhalten, verzichtet Fell auf die Einspeisevergütung. Sein Motiv: „Mir ist wichtiger, dass der Strom zum Abschalten der AKW und Kohlekraftwerke zur Verfügung steht. Denn ich habe ja schon einen großen ökonomischen Vorteil. Ich zahle nie mehr eine Strom- oder Tankrechnung. Nur das Pflanzenöl zum Heizen muss ich bezahlen, aber dank dem Batteriespeicher werde ich weniger benötigen.“ Petra Franke


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