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Solarstrom speichern

Nachfrage für PV und Batteriespeicher steigt

Solaren Strom vom eigenen Dach direkt zu speichern und selbst zu nutzen wird immer beliebter. (Foto: Nicole Allé)

Es gibt wieder bessere Aussichten für die PV-Branche in Deutschland. Die Nachfrage steigt, immer mehr Betriebe entdecken Solarstrom als Kostenbremse für ihre Stromrechnung. Davon profitieren auch Batteriespeicher, die immer wirtschaftlicher werden.

28.06.2018 – Für Deutschland rechnet der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW Solar) in diesem Jahr mit einem PV-Zubau von rund 2,5 Gigawatt, im Vorjahr waren es nur 1,75 Gigawatt. Das würde einem Marktwachstum von etwa 50 Prozent entsprechen. Auch International ist Solarstrom auf dem Vormarsch: Der ursprünglich für 2020 erwartete Schritt über die 100-Gigawatt-Marke wird nach der aktuellen BSW-Prognose bereits 2018 erreicht. Aber nicht nur private Haushalte, vor allem im Gewerbe nimmt die Nachfrage von Solarstrom spürbar zu. Allein im ersten Quartal dieses Jahres stieg der Zubau gewerblicher PV-Anlagen gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 218,9 um 50 Prozent auf 328,3 Megawatt.

In einem aktuellen Faktenpapier skizzieren die Autoren des BSW Solar sowie der Unternehmensvertretung DIHK die Chancen und Risiken für Geschäftsmodelle und den aktuellen Rechtsrahmen, in dem sich Gewerbebetriebe und Mehrfamilienhäuser selbst mit Solarstrom versorgen können. Denn: „Gerade der Mittelstand kann mit der eigenen Photovoltaikanlage die Energiekosten senken und zugleich einen wichtigen Beitrag für die Energiewende leisten“, betont Sebastian Bolay, der unter anderem das Referat Strommarkt beim DIHK leitet. Das sei für die Akzeptanz der Energiewende in der Wirtschaft von nicht zu unterschätzender Bedeutung.

Immerhin sei die Solarstromerzeugung im vergangenen Jahrzehnt um mehr als 75 Prozent günstiger geworden, weiß Carsten Körnig. Er ist Hauptgeschäftsführer des BSW Solar. Dadurch könne selbst erzeugter Solarstrom für den industriellen Mittelstand preiswerter sein als Strom vom Versorger. Zudem sei die Lieferung von Solarstrom im Mehrfamilienhaus eine Möglichkeit, um die Immobilie für Mieter attraktiver zu machen.

Preisrutsch bei Speichern in den vergangenen fünf Jahren

Immer häufiger wird die Kombination von PV und Batteriespeicher gewünscht. Auch weil die Strompuffer immer billiger werden: Im Vergleich zu 2013 hat sich der Systempreis fünf Jahre später halbiert, so Körnig. Bei Systemen bis zehn Kilowattstunden Kapazität lag der Preisrutsch bei 43,8 Prozent. Größere Systeme bis 30 Kilowattstunden sind preislich um 57,3 Prozent gefallen. Ob der Preisrutsch auch so weitergeht, bezweifeln aber mehrere Marktteilnehmer. Zumindest bis 2020 werden die Preise höchstens moderat fallen, weil die Konkurrenz und damit die Nachfrage für die Batteriezellen sich gerade aus der Automobilindustrie stark erhöht hat. Batteriezellen seien im vergangenen Jahr um zehn Prozent teuer geworden, berichtet auch BMZ-Chef Sven Bauer.

Grund für die steigende Nachfrage nach Heimspeichern seien vor allem durch die sinkenden Systempreise und damit die deutlich verbessert Wirtschaftlichkeit, bestätigen auch die Berater und Marktforscher von Macrom aus Bergisch Gladbach. „Der wieder gestiegene private PV-Zubau wirkt sich positiv aus, da mittlerweile mehr als die Hälfte der Anlagen direkt mit Solarstromspeichern kombiniert wird“, resümiert Macrom-Chef  Michael Jansen.

Die kürzlich verfasste Studie von Macrom „Der deutsche Markt für PV-Batteriespeicher-Systeme mit privater Nutzung 2018“ vom März 2018 nennt Zahlen. Demnach übertrifft das Marktwachstum mit einem Gesamtmarktvolumen im Jahr 2017 von 41.100 Stück abgesetzten Batteriespeichersystemen die Erwartungen des Handels, der Installateure und der Hersteller.

55.000 Heimspeicher in 2018 erwartet

Und die Nachfrage wird weiter steigen: In diesem Jahr rechnet Macrom sogar mit 55.000 abgesetzten Heimspeichern. Neben dem starken Wachstum sei der Markt auf der Anbieterebene von einem intensiven Strukturwandel geprägt, der sich in den letzten beiden Jahren vollzogen habe, berichtet Jansen. „So haben Player wie LG Chem oder Varta Storage sehr schnell Marktanteile gewonnen.“ Die fünf Hersteller LG Chem, Sonnen und Senec sowie E3/DC und Varta Storage vereinen hierzulande 65 Prozent des gesamten Absatzes von Heimspeichersystemen auf sich. Bei Batteriewechselrichtern sei SMA der Platzhirsch, der zudem ein eigenes Komplettsystem anbietet, so Jansen.

Das Wachstum des deutschen Marktes werde sich allerdings abflachen. Das liege zum einen daran, dass das jährliche Marktvolumen bereits einen hohen Wert erreicht habe, führt Jansen an. Somit werde das jährliche Wachstum der Absatzmenge in den nächsten Jahren auf weniger als 30 Prozent sinken. Interessant wird es, wenn die ersten Photovoltaikanlagen aus der Förderung herausfallen, spricht ab dem Jahr 2021. „Für 2022 rechnen wir damit, dass die Anzahl der abgesetzten Heimspeicher in einem Bereich von 100.000 Systemen liegen wird“, so Marktbeobachter Jansen. Die Preisspanne bei Heimspeichern auf dem Markt sei relativ groß. „Der Preis hängt vor allem von der unterschiedlich großen Batteriekapazität und dem Funktionsumfang der Systeme ab.“ Konkret in Zahlen: In der zweiten Jahreshälfte 2017 lag der Herstellerabgabepreis der Systeme im Schnitt bei unter 800 Euro pro Kilowatt nutzbare Batteriekapazität. Darin seien Wechselrichter und Installationskosten allerdings noch nicht enthalten. Die zukünftige Entwicklung der Preise ist stark von den Preisen für Batteriezellen abhängig.

Staatliche Förderung spielt keine Rolle mehr

Von einer KfW-Förderung nehmen indes immer mehr private Haushalte Abstand. Sie spielte im vergangenen Jahr kaum eine Rolle mehr. Das untermauert auch die Macrom-Studie: Die Quote der geförderten Speichersysteme lag 2017 bereits bei weniger als ein Fünftel. Demnach sei die KfW-Förderung für Kunden unattraktiv, da die Leistung der Photovoltaiksystem bei geförderten Systemen gedrosselt wird. Die Anlage darf dann nur mit 50 Prozent der Leistung ins Netz einspeisen.

Ein ebenfalls wachsender Markt entsteht für Batteriesysteme im gewerblichen Bereich, immer mehr Unternehmen auf der Intersolar und EES Europe (neuerdings heißt die Fachmesse The Smarter E) zeigten in München dazu Lösungen. Bisher war vor allem Eigenverbrauch ein Motivationsfaktor für die Investition in Strompuffer. Die Gewebekunden rechen nun mit dem spitzen Bleistift. Für viele Unternehmen ist die Investition noch zu hoch, um eine attraktive Amortisationszeit zu erzielen. Hier kommt es besonders darauf an, dass die Strompuffer vielseitig eingesetzt werden und über mehrere Erlöskanäle verfügen. Niels Hendrik Petersen

 


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