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PV auf dem HausdachSolare Dachziegel begehrt, aber selten

Einfamilienhaus mit solaren Dachziegeln gedeckt
Solare Dachziegel scheinen kein leichtes Produkt zu sein. Nur wenige Hersteller wagen sich in dieses Segment. (Foto: Autarq)

Die Dachoptik erhalten und das Photovoltaik-Kraftwerk nahezu unsichtbar machen – das ist seit den Anfängen der PV ein Kundenbedürfnis. Dennoch stellen bisher nur wenige Hersteller solare Dachziegel her. Ein Produkt-Überblick.

01.04.2022 – Es gibt Hausbesitzer, die eine Solaranlage auf dem Dach aus optischen Gründen ablehnen. Sie warten seit vielen Jahren auf ein Produkt, das aussieht wie ein Dachziegel und dennoch Strom erzeugt. Verschiedene Hersteller haben sich inzwischen an solch einer Lösung versucht. Wirklich marktreife Produkte gibt es nur vereinzelt. Selbst der gewiefte Elon Musk hat bis heute sein Versprechen eines solaren Dachziegels nicht eingelöst. Das Problem: die Solarzellen müssen auf die doch recht kleinformatigen Dachziegel integriert und diese wiederum untereinander verschaltet werden. Darüber hinaus ist die Verbindung der Solartechnik mit einem Tonziegel eine technische Herausforderung.

Marktreifes Produkt von Autarq

Ein Produkt hat in Deutschland inzwischen seine Praxistauglichkeit bewiesen: der Solardachziegel Autarq. Mittlerweile wurden die stromerzeugenden Dachziegel auf 300 Dächern bundesweit verbaut. Verwendet werden Tonziegel zwei anerkannter Hersteller, auch in deren Originalmaßen, so dass eine Kombination mit nicht stromerzeugenden Dachziegeln ohne weiteres möglich ist. Im Werk in Prenzlau werden die Komponenten miteinander verbunden. Verwendet werden monokristalline Solarzellen.

Eine Beispielrechnung des Herstellers ermittelt für eine Dachfläche von 40 Quadratmetern rund 500 Solardachziegel, die dann insgesamt eine Leistung von 5 Kilowatt erreichen und damit einen möglichen Ertrag von 4.000 Kilowattstunden im Jahr. Die ökonomische Bilanz kann sich durchaus sehen lassen. Zwar sind die Dachziegel für eine Fläche X teurer als herkömmliche Module, aber immerhin spart der Hausbesitzer die Dacheindeckung.

Der Dachdecker kann die Ziegel montieren, miteinander verbunden werden sie durch ein Stecksystem. Der elektrische Anschluss erfolgt unabhängig von der Montage. Die autarq-Ziegel sind parallel verschaltet und deshalb unempfindlich gegenüber Verschattungen. Dachfenster, Kamine, Lüftungsrohre oder Antennen haben deshalb wenig Einfluss auf Installation und effizienten Betrieb. Aufgrund der Parallelschaltung bleiben die Ziegel im Niedervoltbereich. Ein Wandler von Autarq setzt die Spannung der Gesamtanlage hoch, so dass das System mit allen Wechselrichtertypen kompatibel ist.

 

Dachziegelhersteller Nelskamp mit Energiedachlösungen

Aus der Riege der klassischen Dachziegelhersteller hat Nelskamp bereits vor einigen Jahren eine Lösung auf den Markt gebracht. Allerdings ist das Produkt G10PV größer als ein Dachziegel, lässt sich aber wie ein Dachziegel verlegen und kann deshalb auch in Kombination mit einer herkömmlichen Dacheindeckung gut verbaut werden. Neu hinzu kam inzwischen das Produkt Planum, eine etwas kleinere Variante.

Meyer Burger hat Solardachpfanne angekündigt

Der erfahrene Maschinenbauer für die Photovoltaikindustrie Meyer Burger ist in diesem Jahr nicht nur in die Modulproduktion eingestiegen. Er will ebenfalls noch in diesem Jahr einen Solardachziegel präsentieren. Design und Dimension orientieren sich an marktgängigen Maßen, so dass die stromerzeugenden Ziegel gut kombinierbar sind mit Komplementärziegeln. Derzeit werden die Produktunterlagen erstellt. Zum Jahresende sind erste Pilotprojekte in Planung.

In Schweden und Großbritannien hat der US-amerikanische Hersteller Solarmass mit seinem Produkt Ergosun einige Hausdächer realisiert. Er sucht derzeit nach Vertriebspartnern in Europa für seine matt-schwarzen und terracottafarbenen Solarziegel.

Farbige Module als Alternative

Wem es um die Optik geht, der könnte seine Suche auf farbige Solarmodule ausdehnen. Auch hier gab es nicht wenige Versuche diverser Hersteller, aber bisher keinen großen Rollout. Das Auftragen einer Farbschicht mindert die Erträge, die Produkte sind aber nicht preiswerter als herkömmliche Module – wer neben der Optik aufs Geld schaut, ist dann meist enttäuscht. Dennoch sind die verfügbaren Produkte sehenswert. Als Beispiel sei das Gebäudedach eines Verwaltungsgebäudes in Zürich genannt. Dort wurden ziegelrote Photovoltaikmodule der Vorserie MegaSlate Flair verbaut. Die Module wurden in der Pilotanlage als dachintegriertes System verbaut. Das heißt, die Photovoltaikanlage ersetzt die Dachhaut und übernimmt auch ihre Funktion. Eine extra Ziegeldacheindeckung unter den Modulen gibt es nicht.

Produkte, die vielleicht kommen

Ein vielversprechendes Produkt hatte vor einigen Jahren die niederländische Firma ZEP Solar vorgestellt. Allerdings wurde ZEP von Solarcity gekauft und Solarcity inzwischen von Tesla übernommen. Die Pilotprojekte der Niederländer sind geblieben, die Tesla-Solardachziegel lassen weiter auf sich warten. Petra Franke


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Kommentare

Diskutieren Sie über diesen Artikel

Sabine Csampai 02.04.2022, 12:37:13

Wohne im centro storico eines italienischen Städtchens mit Nonne/Mönch-Dachziegel und bräuchte Solaranlage. Ist wg z.Z. Denkmalschutz nicht erlaubt. Gibt es was entsprechendes?


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