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Ende der EEG-FörderungSolarenergie in Deutschland droht Rolle rückwärts

Private Solaranlage auf einem Hausdach
Es sind vor allem die kleinen, dezentralen Solaranlagen, die ab 2021 kein Strom mehr einspeisen könnten. (Bild von Hans Braxmeier auf Pixabay)

Der Energiewende droht eine klaffende Solarstromlücke: Anfang 2021 fallen Tausende Photovoltaik-Anlagen aus der EEG-Förderung, ihre Zukunft ist ungewiss. Welche Optionen bleiben den Ökostrom-Pionieren für den Weiterbetrieb ihrer Anlagen?

13.07.2020 – Ab Januar 2021 erhalten die Betreiber von rund 18.100 Photovoltaik-Anlagen keine Einspeisevergütung mehr für ihren Solarstrom, bis Ende 2025 sind es dann schon 176.000. Betroffen sind davon zunächst all jene Energiewende-Pioniere, die sich bereits vor dem Jahr 2001 eine Solaranlage zugelegt haben. Die meisten betroffenen Anlagen sind also eher klein. Bisher fehlt im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) eine entsprechende Anschlussregelung, die den Weiterbetrieb sicherstellen würde.

Die Betreiber stehen damit vor der Frage, wie sie ihre PV-Anlage nach dem EEG-Förderende weiter wirtschaftlich betreiben sollen. Zwar haben sie nach aktueller Rechtslage auch weiterhin einen Anspruch auf die Netzanbindung ihrer Anlage, jedoch nicht mehr auf eine Vergütung. Ebenfalls darf der erzeugte Strom nicht einfach weiter eingespeist werden. Diese sogenannte „wilde Einspeisung“ wäre für viele Betreiber zwar tatsächlich eine verlockende Lösung, würde den Netzbetreibern aber enorme Probleme bescheren.

Welche Optionen haben die Betreiber älterer Solaranlagen?

1. Verkauf des Stroms an einen Direktvermarkter

Für die meisten Betreiber älterer Solaranlagen ist die klassische Direktvermarktung aufgrund des Aufwands und hoher Kosten nicht sonderlich lukrativ. Letztere übersteigen meist den Marktwert des eingespeisten Stroms, wie eine Analyse des Umweltbundesamt zeigt. Allein für die Anschaffung der entsprechenden Zähler- und Messtechnik entstehen nicht unerhebliche Kosten.

Die Unternehmen EnBW, EnviaM, Senec und Sonnen haben daher ein Konzept für eine kleine Direktvermarktung von Post-EEG-Anlagen vorgelegt, womit alle Betreiber ihren (überschüssigen) Strom am Markt verkaufen können. Bekannte Prozesse sollen verschlankt und Kosten gesenkt werden, sodass eine wirtschaftlich sinnvolle Weiternutzung der PV-Anlagen möglich wird. Zu Umsetzung brauche es nur geringe gesetzgeberische und prozessuale Anpassungen, so die Allianz.

2. Optimierung des Eigenverbrauchs mit einem Speicher:

Aktuell können die meisten Betreiber in sonnigen Stunden nur einen Bruchteil ihres erzeugten Stroms selbst nutzen, die Anlagen produzieren weit mehr als die Haushalte benötigen. Daher stellt die Installation eines Speichers für viele Betreiber eine sinnvolle Erweiterung für den Weiterbetrieb ihrer Anlage dar. Dieser kann überschüssigen Strom zwischenspeichern und deutlich höhere Eigenverbrauchsquoten ermöglichen. Das Problem hierbei: Die Stromspeicher müssen ausreichend groß sein, um im Zweifel den gesamten ungenutzten Strom aufnehmen zu können. Wirtschaftlich macht das oftmals keinen Sinn, da die Anschaffungskosten in Relation zum Wert der „alten“ PV-Anlage sehr hoch sind.

3. Optimierung des Eigenverbrauchs ohne Speicher

Der solare Eigenverbrauch kann von den Betreibern auch ohne die Anschaffung eines Speichers optimiert werden. So kann überschüssiger Solarstrom etwa zum Aufladen des Elektroautos oder für eine Brauchwasserwärmepumpe verwendet werden. In besonders sonnigen Stunden wird damit die Batterie des E-Autos aufgeladen oder Warmwasser erzeugt.

4. Die Bildung einer „Energy Community“

Hierbei handelt es sich um ein relativ neues Geschäftsmodell, das eine virtuelle Community im Sinne des Strom-Sharings darstellt. Der produzierte Solarstrom kann dadurch im Verbund gespeichert und von einzelnen Mitgliedern je nach Bedarf abgerufen werden. Dafür braucht es jedoch intelligente Speicherlösungen und/ oder Cloud-Dienste – ebenfalls eine nicht ganz billige Lösung. Ein prominentes Beispiel ist die „sonnenCommunity“, bei der die Mitglieder ihren überschüssigen Strom online miteinander teilen können. Das Unternehmen sonnen wirbt mit einer „Energierevolution“ – und stellt das Smart Meter sogar kostenlos.

Für viele Betreiber älterer Solaranlagen wird weder die Aufrüstung mit einem Speicher noch die Direktvermarktung in Betracht kommen. Damit läuft die Energiewende tatsächlich Gefahr, eine riesige Menge an dezentral erzeugtem Solarstrom zu verlieren. Laut dem Umweltbundesamt könnte bis Ende 2025 eine Erzeugungsleistung von fast zwei Gigawatt wegfallen.

Was planen die Betreiber älterer Solaranlagen?

Um die Antwort auf diese Frage besser einschätzen zu können, hatte das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE vor einem Jahr eine Umfrage bei den Besitzern älterer PV-Anlagen gestartet. Dadurch wollten die Wissenschaftler herausfinden, welche Optionen die Betreiber als besonders attraktiv bzw. uninteressant erachten. Einerseits sollten aus den Ergebnissen Handlungsempfehlungen für die Politik abgeleitet werden, andererseits Geschäftsmodelle für Unternehmen.

Veröffentlicht wurden die Ergebnisse der Umfrage in der Märzausgabe des Magazins „Energiewirtschaftliche Tagesfragen“. Tatsächlich liegt die Anschaffung eines privaten Stromspeichers bei den Befragten ziemlich hoch im Kurs. Diese Handlungsoption ist für die Befragten am attraktivsten, gefolgt von der Bildung einer Energy Community. Die Direktvermarktung landete nur im Mittelfeld, war jedoch vor allem für Landwirte relativ attraktiv. Die Verpachtung ihrer Solaranlage scheint für die meisten Betreiber eine sehr unattraktive Option zu sein.

Von den 1.371 Befragten waren 90 Prozent Privatpersonen und jeweils 5 Prozent Landwirte oder Vertreter von Unternehmen. Eine weitere große Überraschung: Mit 96 Prozent will eine überwiegende Mehrheit der Befragten ihre PV-Anlage weiter betreiben, für 95 Prozent ist ein Abbau gar nicht oder nur wenig attraktiv.

Dieses Ergebnis, das nicht so recht zu den Annahmen des Umweltbundesamts passt, könnte jedoch durch zwei Aspekte verzerrt worden sein: Zum einen haben an der Befragung vor allem die Personen teilgenommen, die ein intrinsisches Interesse an der Fragestellung bzw. am Fortbetrieb ihrer Anlage haben. Zum anderen gaben nur 8,5 Prozent der Befragten an, sich im Vorfeld der Umfrage schon sehr gut über mögliche Optionen informiert zu haben. Mehr als die Hälfte gab an, sich nur sehr wenig oder überhaupt nicht mit den Möglichkeiten des Weiterbetriebs befasst zu haben – obwohl neun von zehn Befragten vom EEG-Förderende betroffen sind. Nach einer gründlichen Recherche wären die unterschiedlichen Optionen für die Befragten vermutlich weniger attraktiv gewesen.

Welche rechtlichen Rahmenbedingungen müssen sich ändern?

Damit tatsächlich alle älteren Solaranlagen weiter am Stromnetz bleiben, muss die Bundesregierung im Zuge der EEG-Novelle die Rahmenbedingungen ändern. Das fordert der Solarenergie-Förderverein Deutschland in einer Petition. Auch wenn die Betreiber zwar rein theoretisch unterschiedliche Optionen haben, die einen Weiterbetrieb sicherstellen würden, sind dafür die Hürden meist zu hoch.

Deshalb fordern die zurzeit mehr als 124.000 Unterzeichner der Petition von Wirtschaftsminister Peter Altmaier einen rechtlichen Rahmen, durch den die Anlagenbetreiber den Solarstrom zum Großhandelspreis weiter in Netz einspeisen oder abgabenfrei selbst verbrauchen können. Eine dauerhafte Abnahme des Stroms muss gewährleistet werden, sodass die dezentrale Energiewende nicht abgewürgt wird. jk


Kommentare

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Ernst Günther Hagen 13.07.2020, 16:01:45

Ich beschäftige mich jetzt auch schon mit dem Thema, obwohl ich noch 14 Jahre Zeit habe. Ich hoffe, dass bis dahin, die Entwicklung der Wasserstofferzeugung und Speicherung vorangetrieben wurde. Ein autarkes Haus, dass im Sommer die Wasserstoffvorräte erzeugt und im Winter wieder verbrauchen kann wäre optimal. Es gibt ja schon einzelne Versuchshäuser die autark funktionieren. Leider in der Anschaffung noch etwas teuer. In die Richtung sollte die Regierung einmal denken aber es ist leider in Deutschland alles etwas schwerfällig. Wir wollen CO neutral werden, aber es soll nichts kosten. Gilt das Gleiche auch bei den Windkraftanlagen?


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