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Forschungsprojekt MELANISolarstromspeicher auch in Mehrfamilienhäusern nutzen

Photovoltaik-Anlagen auf den Dächern von Mehrfamilienhäusern
Das neu gestartete Forschungsprojekt MELANI untersucht, wie sich mehrere Wohnparteien eines Mehrfamilienhauses eine Photovoltaikanlage und einen Stromspeicher teilen können. (Foto: Pixabay / Free License)

Während in Eigenheimen mit Photovoltaik-Anlage die Nutzung von Stromspeichern steigt, will ein Forschungsprojekt die Speicherung von solarem Strom auch für Mehrfamilienhäuser attraktiv machen. So könnten alle Bewohner an der solaren Ernte teilhaben.

29.01.2021 – Viele Eigenheimbesitzer, die eine eigene Photovoltaik-Anlage auf ihrem Hausdach betreiben, nutzen auch eigene Stromspeicher. Das neu gestartete Forschungsprojekt MELANI untersucht nun, wie sich mehrere Wohnparteien eines Mehrfamilienhauses eine Photovoltaikanlage und einen Stromspeicher teilen können. Die Messtechnik, ein dezentrales Energiemanagement für die teilnehmenden Wohnungsnutzer und Abrechnungsprozesse stehen dabei im Fokus. Rund 19 Millionen Mietwohnungen gibt es immerhin in Deutschland.

„Mit einer Photovoltaikanlage oder einem BHKW wird die Immobilie zum Kraftwerk“, sagt Tim Meyer, Vorstand bei der NATURSTROM AG, die das Projekt koordiniert. „Die günstige Stromerzeugung im Gebäude lohnt sich für alle – für die Bewohner, den Vermieter und den Klimaschutz.“ Dieser Nutzen ließe sich durch einen mit einem Energiemanagement-System kombinierten Stromspeicher, auf den alle Wohnparteien zugreifen können, noch deutlich erhöhen.

Eine knifflige Aufgabe

Allerdings stehen dem Einsatz von Speichern in Mehrfamilienhäusern bislang mehrere Hürden entgegen. Um die aus dem Weg zu räumen, haben sich NATURSTROM, die SMA Solar Technology AG, die Physikalisch-Technischen Bundesanstalt und das elenia Institut für Hochspannungstechnik und Energiesysteme der TU Braunschweig zusammengetan. Ihr auf drei Jahre angelegtes Projekt MELANI wird vom Bundeswirtschaftsministerium mit 2,3 Millionen Euro gefördert. Seitens der Wohnungswirtschaft unterstützen die Verbände GdW und VDIV sowie die Berliner Gewobag das Forschungsvorhaben.

Zu knacken ist eine harte Nuss, denn beim Zugriff mehrerer Wohnparteien auf ein und denselben Stromspeicher muss stets exakt bestimmt und abgerechnet werden können, welche Strommengen durch welche Wohnpartei aus der häuslichen Stromerzeugungsanlage, dem Speicher oder aus dem öffentlichen Netz bezogen wurden.

Diese Daten müssen eichrechtskonform erhoben werden und den relevanten Marktpartnern im Strommarkt zur Verfügung stehen: dem lokalen Stromnetzbetreiber, dem Stromanbieter, der den lokal erzeugten Strom, den gespeicherten Strom sowie Reststrommengen aus dem öffentlichen Netz für die Wohnparteien zur Verfügung stellt – und womöglich auch weiteren Stromanbietern – denn schließlich müssen die Wohnparteien ihren Energieversorger nach wie vor frei wählen dürfen. „Die nötige Messtechnik zu entwickeln, eichrechtskonform auszugestalten und die Messwerte rechtssicher abzurechnen ist Kern des Projektes MELANI“, resümiert Hauke Witte, der bei NATURSTROM für die Projektleitung zuständig ist. 

Modernisierungsschub für die Gebäudetechnik

Nicht zuletzt muss aus dem technisch Machbaren auch ein Geschäftsmodell folgen. Das Ziel: günstiger, sauberer Strom für die Wohnparteien und ein einträglicher Betrieb der Erzeugungsanlage und des Speichers für deren Investor. Dies kann der Immobilieneigentümer sein, es ist aber auch die Aufgabenteilung mit einem energiewirtschaftlichen Dienstleister denkbar. „Mit der Optimierung der lokalen Ökostromerzeugung, ihrer Speicherung, der Nutzung durch die Wohnparteien oder auch im Schaffen von Lademöglichkeiten für E-Fahrzeuge hält die Digitalisierung der Energiewende im Mehrparteienhaus Einzug“, so Meyer.

MELANI wird darüber hinaus auch einen netzdienlichen Effekt haben: Gerade in hochverdichteten urbanen Räumen werden ohne dezentrale Erzeugungsanlagen und Stromspeicher durch die zunehmende Elektrifizierung vieler Alltagsanwendungen und des Mobilitätsbereichs hohe Summen in den Ausbau der Verteilnetze fließen müssen. Lösungen, die durch MELANI angestoßen werden, könnten einen kostendämpfenden Effekt auf diese Entwicklung ausüben und damit einen hohen volkswirtschaftlichen Nutzen haben.

In gut einem Jahr sollen bis dahin entwickelte Lösungen in einem Feldtest praktisch umgesetzt und erprobt werden. Hierfür suchen die Projektpartner bereits jetzt nach einer passenden Immobilie. Um verlässliche rechtliche und regulatorische Rahmenbedingungen für innovative Geschäftsmodelle zu schaffen, wollen die Projektpartner auch im politischen Bereich Aufklärungsarbeit leisten. sk / na


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