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Solarmarkt – KommentarAlles neu, macht der Mai

Solarpaneele über Elektro-Ladesäulen
In Zukunft brauchen wir viel mehr Solarenergie, für alle Sektoren.  (Foto: Michał Beim, CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons)

Sah es letzten Monat noch so aus, als ob sich die Liefersituation bei Solarkomponenten langsam, aber kontinuierlich zur Jahresmitte hin entspannen würde, muss man jetzt leider erkennen, dass sie sich weiter zugespitzt hat und kein Ende in Sicht ist.

26.05.2022 – Die Auswirkungen der anhaltenden Lockdowns in China erreichen langsam den europäischen Markt. Auch der Ukraine-Konflikt sorgt für Probleme, insbesondere im Hinblick auf gestörte Lieferketten dank fehlender Transportkapazitäten in Europa. So funktioniert mittlerweile nichts mehr, wie es soll. Großhändler mit und ohne Webshop stoppen reihenweise die Bestellannahme, sogar Kunden von Marktgrößen wie der BayWa r.e. bleiben davon nicht verschont. Gründe sind vor allem die fehlenden Informationen zu tatsächlichen Verfügbarkeiten und verbindliche Preisaussagen seitens der Hersteller und Lieferanten, die Großhändlern und Kunden das Leben zunehmend schwer machen.

Begründet wird die aktuell unbefriedigende Situation von den großen Produzenten aus China wie folgt: Die Polysiliziumpreise sind in den letzten Wochen nochmals kontinuierlich um ein paar Prozentpunkte gestiegen und werden auf absehbare Zeit aufgrund der hohen Nachfrage weltweit nicht sinken. Das gleiche wurde für Solarglas, aber insbesondere für Einkapselungsmaterial wie EVA und POE gemeldet, wo Preisanstiege bis zu zehn Prozent sowie eine Materialverknappung zu verzeichnen sind. Wechselrichterhersteller beklagen hingegen eine dramatische Verknappung bei elektronischen Bauteilen, wodurch ihre Produkte nicht fertiggestellt und versandt werden können. Vermehrt ist von Produktionsstopps für Hybridwechselrichter und Batteriespeicher die Rede, Liefertermine werden auf unbestimmte Zeit verschoben.

Auch die Wechselkurse haben sich aufgrund der Situation in Europa, aber auch der Geldmarktpolitik in den USA negativ für andere Währungen entwickelt, was die importierten Solarprodukte in Europa zusätzlich verteuert. Abgerundet wird das Bild von ständig schwankenden Frachtpreisen und Transportkapazitäten, wodurch zuverlässige Aussagen zu Liefermengen und -terminen offenbar weitestgehend unmöglich geworden sind. Wenn der Produktionszeitpunkt und der daraus resultierende voraussichtliche Ankunftstermin bestellter Ware von einem Hersteller auf ein oder zwei Monate genau angegeben werden können, ist das im Augenblick schon als vorbildlich zu bezeichnen!

Nun stehen wir alle vor der Herausforderung, unseren Geschäftsbetrieb möglichst reibungslos aufrecht zu erhalten, obwohl die Planbarkeit gegen Null strebt. Täglich müssen Kunden vertröstet werden, die auf die Auslieferung der teilweise schon vor Monaten bestellten Ware warten. Aus purer Verzweiflung ordern Installateure schon mehrfach bei allen ihnen bekannten Lieferanten, um dann doch bei fast allen immer nur Absagen zu bekommen oder Ratlosigkeit zu ernten. Insbesondere Projektgesellschaften mit Großaufträgen und harten Vertragsklauseln sind die Leidtragenden in einer Marktsituation, wo einfach gar keine Lieferzusage mehr als verbindlich und sicher gelten kann.

Nun aber zu den notwendigen Änderungen im Preisindex. Hatten wir im Solarmarkt bis etwa 2020 noch eine Dekade, in der die Massenproduktion von den Herstellern hochgefahren und dabei vor allem die Fertigungstechnologien verbessert und der Preis optimiert wurde, so stand und steht in diesem Jahrzehnt die Optimierung der Zelltechnologie und damit des Wirkungsgrads und des Energieertrags im Fokus.

Polykristalline Zellen waren vorgestern, aber auch die PERC-Technologie und die P-Typ-Zelle sind mittlerweile ein Auslaufprodukt, da mit ihr kaum Wirkungsgrade jenseits der 20-Prozent-Marke möglich sind. Technologien wie TOPCon oder HJT stehen in den Startlöchern zur Gigawatt-Massenproduktion, werden die momentan noch dominierenden Produkte mit monokristallinen PERC-Zellen in Kürze abgelöst haben.

Beinahe alle größeren Hersteller haben inzwischen solche leistungsstarken Produkte im Programm, wovon man sich auf der erst vor kurzem beendeten Solarfachmesse Intersolar Europe in München überzeugen konnte. Mit Hochleistungsmodulen, welche beispielsweise N-Typ-TOPCon-Zellen enthalten, erreichen viele Hersteller schon heute knapp 22 Prozent Wirkungsgrad oder mehr. Daraus resultiert eine Leistung von 420 Wattpeak und höher bei Solarpanelen für Dachanlagen oder auch 660 bis 700 Wattpeak bei Modulen für Freiflächenanlagen.

Um dieser Entwicklung Rechnung zu tragen, rutschen alle Module mit Wirkungsgraden unter oder um 21 Prozent in den Bereich „Mainstream“ hinein, also zum Beispiel ab sofort alle Produkte mit PERC-Zellen, aber auch schwarze Module mit entsprechenden Zellen. Neben dem Indexwert „Full Black“ verschwindet auch die Klassifizierung „Bifacial“, denn die meisten Zelltypen sind mittlerweile ohnehin von Natur aus bifazial. Auch gibt es im Markt kaum Preisunterschiede zwischen (bifazialen) Glas-Glas- und Glas-Folie-Modulen, so dass diese Typen gut im Bereich „High Efficiency“ aufgehoben sind.

Dieser Bereich wird weiterhin ein Sammelbecken von Produkten mit relativ hoher Spreizung in den Verkaufspreisen bleiben, aber eine genauere bzw. eindeutigere Zuordnung zu Herkunftsregionen oder Zelltechnologien ist hier kaum möglich. Preisunterschiede ergeben sich oft nur durch unterschiedliche Vertriebsstrategien und –kanäle der einzelnen Marken, die für Außenstehende nicht immer so leicht nachvollziehbar sind. Die nächsten Jahre werden zeigen, welcher von den besonders hochpreisigen Anbietern sich dauerhaft gegen die zunehmende Konkurrenz bei den Hochleistungsmodulen behaupten kann. Martin Schachinger, pvXchange.com

Martin Schachinger ist Elektroingenieur und seit über 25 Jahren im Bereich Photovoltaik und Regenerative Energien aktiv. 2004 gründete er die international bekannte Online-Handelsplattform pvXchange.com, über die Großhändler, Installateure und Servicefirmen neben Standardkomponenten auch Solarmodule und Wechselrichter aus Restbeständen beziehen können, welche nicht mehr hergestellt, aber für die Instandsetzung defekter Photovoltaikanlagen dringend benötigt werden.

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