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Der Solardeckel muss wegDie Photovoltaik-Nachfrage in Städten und Kommunen steigt

Blick von oben auf Soladachanlagen einer Siedlung
Die Lust vieler Hausbesitzer auf ein eigenes Solardach steigt in Städten und Kommunen. (Foto: SOLARIMO / Pixabay / Free License)

Stadtwerke verzeichnen trotz der Coronakrise eine wachsende Kundennachfrage nach Photovoltaikanlagen und Lösungen rund um den Eigenstromverbrauch. Digitale Serviceangebote zahlen sich hierbei aus. Sorgen bereitet allerdings der PV-Ausbaudeckel.

04.05.2020 – „Seit dem Start unseres PV Produktes vor genau einem Jahr besteht großes Interesse“, sagt Bettina Römisch, Bereichsleiterin Vertrieb bei den Stadtwerken Bernau (Brandenburg). Mit „Bernau Plus Solar“ bietet das kommunale Unternehmen der rund 40.000 Einwohner zählenden Stadt im Speckgürtel von Berlin Kunden eine Photovoltaik-Anlage mit All-Inclusive Service zur Pacht oder zum Kauf an.

80 Anfragen und sechs Vertragsabschlüsse für „Bernau Plus Solar“ verzeichneten die Stadtwerke im vergangenen Jahr. Immerhin schon fünf Verträge schlossen Kunden in diesem Jahr trotz Corona für das PV-Paket ab, davon allein zwei am 21. April, berichtet Römisch. Am 1. April startete das kommunale Unternehmen das neue Angebot „Bernau Plus Mobil“. Es beinhaltet die Planung und Installation einer eigenen Elektroladestation sowie auf Wunsch einen individuellen Stromladetarif sowie eine Kauf- und Förderberatung für die Anschaffung eines eigenen E-Autos. „Gerade läuft der erste Vertragsabschluss für einen Interessenten, der bereits eine PV-Anlage und eine Wärmepumpe hat,“ sagt Römisch.

Stadtwerke Bernau punkten mit Online-Angebot

„Nach unserer Erfahrung haben viele Interessenten aktuell die Zeit, sich von zu Hause aus mit den Angeboten zu beschäftigen“, berichtet Römisch. Zu Gute kommt dem vergleichsweise kleinen kommunalen Unternehmen hierbei ein gut ausbebauter Onlineservice Bereich, unter anderem mit einem Solarertragsrechner. „Das ist sehr wichtig, nur dadurch können die Kunden sich von zu Hause mit der Thematik konkret beschäftigen und sich selbst qualifizieren, um auch ohne Vor-Ort-Beratung eine Entscheidung treffen zu können. Natürlich ist das telefonische Gespräch mit unseren Energieberatern aus dem Homeoffice weiterhin unersetzlich“, so Römisch. Doch jedenfalls wolle man nun die Online Beratungs- und Serviceangebote im Bereich E-Mobilität und Wärme-Contracting weiter ausbauen, sagt sie.

Stuttgart: Digitale und Telefonberatungsmöglichkeiten zu wenig bekannt

„Gerade im Bereich Photovoltaik ist der sehr beliebte Direktvertrieb im persönlichen Gespräch aktuell nicht möglich. Dass eine Beratung auch zum großen Teil digital und per Telefon möglich ist, muss noch bekannter werden“, sagt Karoline v. Graevenitz, Sprecherin der Stadtwerke Stuttgart. Deshalb wolle nun die Kommunikations- und Werbeaktivitäten hierfür verstärken. Zudem sei man dabei, eine Bestellplattform, insbesondere für Ladeinfrastruktur inclusive digitaler Beratungsservices aufzubauen. Doch insgesamt liegt die Auftragslage der Stuttgarter im Geschäftsfeld Urbane Energiesysteme, wozu auch Photovoltaikanlagen für Privat- und Gewerbekunden zählen „noch leicht über dem Wert des Vorjahreszeitraums“, so Graevenitz.

Hohe PV-Nachfrage auch in Wiesbaden

„Das Interesse und die Nachfrage sind weiterhin groß“, sagt auch Markus Edlinger, Sprecher der ASEW (Arbeitsgemeinschaft für sparsame Energie- und Wasserverwendung). So habe unter anderem die ESWE in Wiesbaden, sprich die dortigen Stadtwerke, in den vergangenen Wochen einen deutlichen Nachfrageschub nach PV-Lösungen registriert. Von einer gesteigerten Nachfrage berichtet jüngst auch die Badenova. Als Online-Tools bietet die ASEW unter anderem einen PV-Rechner an, welchen Energieversorger in ihre Webseite integrieren können. Hierüber können dann potenzielle Kunden einen grobe Erstplanung ihrer Anlage durchführen.

Der Solardeckel muss weg

Was jedoch nicht nur Edlinger Sorgen bereitet ist der Ausbaudeckel für EEG-geförderte Solarstromanlagen in Hohe von 52 GW, der in Bälde erreicht sein wird. Trotz der zunehmenden Wirtschaftlichkeit der Photovoltaik und der Option eines erhöhten Eigenverbrauchs sei die EEG-Förderung immer noch ein wichtiger Finanzierungsbaustein, so der ASEW-Sprecher. hcn