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Komplexer KlimaschutzPhotovoltaik auf wiedervernässten Mooren

Sitzbank im Vordergrund, dahinter eine Moorfläche mit braunen Gräsern und einer Baumgruppe
Das Torfhausmoor im Nationalpark Harz hat eine rund 10.000 Jahre alte und über fünf Meter dicke Torfschicht. (Foto: Annett Deistung auf Wikimedia / CC BY-SA 3.0)

Der Mooratlas 2023 zeigt eindringlich, wie wichtig der Schutz vorhandener Moore ist. Und: Ohne Wiedervernässung bereits trockengelegter Moore wird der Klimaschutz nicht gelingen. Damit stellt sich auch die Frage nach Photovoltaik auf Moorflächen.

13.01.2022 - Für die Klimakrise und das Artensterben wirkt die fortschreitende Moorzerstörung wie ein Brandbeschleuniger. Wenn das Wasser über Gräben abgeführt wird und die Moore austrocknen, wird der Torf im Boden zersetzt. Der gespeicherte Kohlenstoff entweicht als Kohlendioxid. 7,5 Prozent der deutschen Treibhaus-Emissionen entstehen auf diese Weise. Die weltweite Entwässerung von Mooren verursacht sogar deutlich mehr CO2-Emissionen als der globale Flugverkehr.

Bereits jetzt sind laut dem in dieser Woche vorgestelltem Mooratlas weltweit über zehn Prozent der 500 Millionen Hektar Moore entwässert, in Mitteleuropa, auch in Deutschland, weit über 90 Prozent. Jedes Jahr kommen weitere 500.000 Hektar zerstörte Moore hinzu, damit gehen ihre Torfschichten zehnmal schneller verloren als sie in intakten Mooren wachsen. Haupttreiber der Zerstörung ist die Land- und Forstwirtschaft, nicht nur in Europa. Auch für die Abholzung und Trockenlegung von Moorregenwäldern für Palmölplantagen steht Europa als industrieller Nachfrager in der Verantwortung.

Moorböden in Deutschland landwirtschaftlich genutzt

Das deutsche Umweltministerium will Moore in Deutschland wiedervernässen und so die jährlichen Emissionen aus Moorböden bis 2030 um knapp zehn Prozent senken. Das ist bei weitem nicht genug, aber ein Anfang. Doch ein Großteil der deutschen Moorböden wird heute als Grün- oder Ackerland genutzt – das Land ist ein Wirtschaftsgut. Das im letzten Jahr von der Bundesregierung geschaffene Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz kann für den Umbau unterstützend wirken, wenn die Politik dafür sorgt, dass Klimaschutz und Agrarpolitik wirksam miteinander kombiniert werden. Wiedervernässte Moorflächen können zwar auch bewirtschaftet werden, man spricht dann von Paladikultur, aber dies bedeutet eine Kraftanstrengung bei Bäuerinnen und Bauern sowie in der gesamten Wertschöpfungskette.

Auf den nassen Böden können Nutzpflanzen wie Schilf, Rohrkolben oder Moosbeeren angebaut werden, die als Baustoffe, Futter oder Nahrungsmittel verwendet werden können. Auch die Haltung einiger Tierarten ist auf nassen Böden möglich.

EEG 2023 macht Solaranlagen auf wiedervernässten Moorböden förderfähig

Mit dem EEG 2023 sind nun auch PV-Anlagen auf wiedervernässten Moorböden förderfähig (§37, Abs.1, Nr. Buchstabe e). Voraussetzung für die Förderung ist, dass die Flächen vorher entwässert und landwirtschaftlich genutzt worden sind und mit der Errichtung der Solaranlage dauerhaft wiedervernässt werden. Sie dürfen allerdings nicht in einem Schutzgebiet liegen. Ein Moor wiederzuvernässen ist eine langwierige anspruchsvolle Aufgabe, die parallele Planung und der Bau einer Solaranlage erst recht nicht trivial. Die technischen Anforderungen werden je nach konkreter Situation variieren, der Wasserstand evtl. die Befahrbarkeit erschweren oder überhaupt nicht ermöglichen. Spezialgeräte für Bau, Wartung und Pflege sind notwendig sowie speziell ausgeführte Verankerungen. Lebensräume in Mooren müssen zudem ausreichend besonnt sein, Reihenabstände und Höhe der Aufständerung müssen entsprechend angepasst werden.

Weil der Bau der PV-Anlagen eine Einkommensalternative bildet, könnte er aber auch im Interesse der Landwirte liegen. Dafür müssen Wiedervernässung und Photovoltaik zusammengedacht werden. „Der größte positive ökologische Effekt wäre, wenn die Anlagen auf Teilflächen die Wiedervernässung des gesamten Moores ermöglichen“, erklärt Franziska Tanneberger vom Greifwald Moor Centrum (GMC).

Ausgleichsmechanismen und Planungssicherheit notwendig

Aber selbst wenn die fachliche Planung und Umsetzung ideal gelingt, ist nicht alles erreicht. „Landwirt:innen benötigen verlässliche rechtliche Rahmenbedingungen, ausreichende finanzielle Anreize sowie attraktive dauerhafte Absatzmöglichkeiten für Paludi-Produkte. Die Umstellung auf nasse Landwirtschaft ist eine langfristige Investition, die – neben der Vernässung der Flächen – die Anschaffung von Spezialtechnik, die Aneignung von spezifischen Produktionskenntnissen und die Erschließung von neuen Märkten erfordert. Ohne ein Mindestmaß an Planungssicherheit geht es nicht“, sagt Volker Beckmann, Professor für Volkwirtschaftslehre und Landschaftsökonomie an der Universität Greifswald. Er hält große positive ökologische Effekte für möglich, wenn der Bau der Anlagen konsequent mit einer Wiedervernässung verbunden wird. Idealerweise ist die wiedervernässte Moorfläche deutlich größer als die Solaranlage. Zu beachten sei, dass die Wertschöpfung auf den PV-Anlagenflächen in der Regel stark erhöht wird, während die Wertschöpfung auf den übrigen wiedervernässten Flächen unter Umständen stark sinkt.

Dann komme es darauf an, Ausgleichs- und Beteiligungsmechanismen zu etablieren, damit alle Betroffene profitieren können. Mit klug und fair gestalteten Regulierungen und Verträgen könnten Photovoltaik-Anlagen in größerem Umfang die Wiedervernässung von Mooren finanzieren.

Der „Mooratlas 2023 – Daten und Fakten zu nassen Klimaschützern“ wurde von der Heinrich-Böll-Stiftung, dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und der Michael Succow Stiftung, Partner im Greifswald Moor Centrum, erstellt. Er beleuchtet auf 50 Seiten und mit 52 Illustrationen nicht nur die Geschichte der Moore, ihre Bedeutung als einzigartige Lebensräume für das weltweite Klima und die Biodiversität, zeigt aber auch ihre Zerstörung mit lokalen und globalen Folgen. Er erklärt, wie wir Moore schützen und ihre Funktionsfähigkeit wiederherstellen können. Der Mooratlas erläutert die Potenziale nasser Moore für den Klimaschutz und Chancen für ihre nasse Nutzung, der Paludikultur, und formuliert, wie Politik und Gesellschaft jetzt handeln können. Petra Franke

Hier geht’s zum Mooratlas 2023

Das Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende (KNE) hat im Dezember eine Publikation zum naturverträglichen Bau von PV-Freiflächenanlagen auf wiedervernässten Moorböden veröffentlicht.  

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