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Geothermie in AachenKlimafreundliche Wärme aus der Tiefe

Abendhimmel über Aachen
Der Abendhimmel über Aachen. (Foto: Max Nüßler auf Pixabay )

In das Aachener Wärmenetz soll zukünftig klimafreundliche Wärme durch Tiefengeothermie eingespeist werden. Dafür untersuchen die Stadtwerke gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut Gesteinsschichten in einer Tiefe von mehreren Kilometern.

22.02.2021 – Mit der Nutzung von Thermalwasser haben die Aachener Stadtwerke STAWAG bereits den Start einer klimafreundlichen und regenerativen Wärmeversorgung eingeleitet. Seit einigen Jahren wird im Stadtteil Burtscheid eine der heißesten Quellen Europas genutzt, um ein ganzes Viertel zu beheizen. Doch die STAWAG möchte noch einen Schritt weitergehen: Das Ziel: Eine komplett nachhaltige Heizwärme für die Bewohner der nordrhein-westfälischen Großstadt an der belgisch-niederländischen Grenze.

Dafür haben die Stadtwerke nun gemeinsam mit der Fraunhofer-Einrichtung für Energieinfrastrukturen und Geothermie (IEG) ein Projekt gestartet, das eine noch größere klimafreundliche Wärmegewinnung ermöglichen könnte. Dafür soll zukünftig Wärme aus der Tiefe geholt und in das Aachener Wärmenetz eingespeist werden.

Bislang kommt der größte Teil der Aachener Nah- und Fernwärme noch aus der Abwärme des Kohlekraftwerks Weisweiler – doch das soll sich in den nächsten Jahren ändern. Bis 2030 soll die Versorgung aus hocheffizienter Kraft-Wärme-Kopplung und Erneuerbaren Energien wie etwa Geothermie stammen. Geplant sind dafür auch solarthermische Projekte und innovative Nahwärmekonzepte.

„Wärme ist die halbe Energiewende“

„Wärme ist die halbe Energiewende“, sagt Rolf Bracke, Leiter der Fraunhofer IEG. „Unsere Forschung unterstützt kommunale Energieversorger, Industrien und Immobilienunternehmen dabei, Heizungs- und Prozesswärme in Zukunft nachhaltig, regional und versorgungssicher zu gewinnen.“ Wesentlich dazu beitragen könne demnach die hydrothermale Geothermie, die heißes Wasser aus dem tiefen Untergrund als Wärmequelle nutzt. Gemeinsam mit der STAWAG werde man nun klären, wie viel geothermische Energie in der Aachener Region steckt.

Zunächst werden im Aachener Nordosten wissenschaftliche Voruntersuchungen gestartet. Dafür werden die vielversprechenden Gesteinsschichten in einer Tiefe von drei bis fünf Kilometern kartiert und Hinweise auf darin fließendes Thermalwasser mit Temperaturen von über 100 Grad Celsius gesucht. Verwendet werden neben Explorationsbohrungen auch Echolot-Verfahren.

Gemeinsam mit der Stadt Aachen nehmen das Fraunhofer IEG und die STAWAG damit am laufenden Förderwettbewerb „Wärme aus Tiefengeothermie für NRW“ des Landes NRW zur klimafreundlichen Umstellung kommunaler Wärmeversorgungen teil.

„Für uns startet nun die Detailarbeit“, sagt Frank Brösse, Geschäftsführer der STAWAG, der das Projekt von Seiten der STAWAG angestoßen hat. „Insgesamt erhoffen wir uns, mit der Tiefengeothermie ein Drittel der Leistung, die wir bislang aus Weisweiler beziehen, ersetzen zu können.“ Bis dahin werden allerdings noch einige Jahre vergehen, zunächst legt das Unternehmen mit der fundierten Erkundung der Region den Grundstein.

Geschichtsträchtige Nutzung von Thermalwasser

Dabei geht die Geschichte rund um die Verwendung von Thermalwasser in Aachen schon sehr weit zurück. Vor etwa 2.000 Jahren – zur Zeit der Römer – gab es das erste geothermische Wärmenetz, später eine Tuchproduktion im Mittelalter. Inzwischen nutzen vor allem Kurhäuser und -bäder das Thermalwasser.

An diese 2.000 Jahre lange und reiche Geschichte der Thermalwassernutzung „wollen wir anknüpfen und sie im Rahmen der Energiewende fortschreiben“, sagt Bracke. „Nach München ist Aachen mit dem Nahwärmenetz in Aachen-Burtscheid bereits die zweite deutsche Großstadt mit einer geothermischen Versorgung aus heißen Kalkgesteinen.“ Diese speisen sich aus einer verkarsteten Kalksteinschicht, die das versickernde Wasser in der Eifel aus noch größerer Tiefe als Thermalwasser wieder an die Oberfläche führt.

Ähnliche geologische Strukturen werden nun auch im Osten und Norden von Aachen erwartet, wobei es das Wasser jedoch nicht bis an die Oberfläche schafft. In München und Paris wird bereits seit vielen Jahren solches Thermalwasser aus tiefen Brunnen gefördert und für die Fern- und Nahwärmenetze genutzt. „Um diesen Beispielen zu folgen und Aachen mit nachhaltiger Wärme zu versorgen, brauchen wir mehr Daten aus der Region. Zusammen mit der STAWAG werfen wir daher nun einen tiefen Blick in den Untergrund“, sagt Bracke. jk


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