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AbwärtstrendKeine rosigen Aussichten für Rollout von Wärmepumpen

Wärmepumpe vor Einfamilienhaus mit Klinkern
Die übergroße Mehrheit der Wärmepumpen wird inzwischen in Bestandsgebäuden installiert. (Foto: Bundesverband Wärmepumpe BWP)

Trotz Rekordzahlen beim Absatz von Wärmepumpen blickt die Branche mit gemischten Gefühlen in die Zukunft. Die Verunsicherung der Kunden hat dem Wachstum einen kräftigen Dämpfer verpasst. Der Branchenverband fordert Nachbesserungen beim Strompreis.

24.01.2024 – Die Stimmung in der Wärmepumpenbranche ist bei weitem nicht so positiv wie noch vor einem Jahr. Dabei war 2023 ein Rekordjahr: 356.000 Heizungswärmepumpen wurden verkauft, das zweite Jahr in Folge ein Wachstum von über 50 Prozent erreicht. Doch der Trend zeigt nach unten, besonders im letzten Quartal rauschten die Zahlen nach unten. Verbraucher sind verunsichert – die destruktive Debatte um das Gebäudeenergiegesetz hat Zweifel gesät, der Heizungstausch wird aufgeschoben. Die begleitende Förderung über die Bundesförderung effiziente Gebäude kam zudem zeitversetzt, Förderanträge können immer noch nicht gestellt werden. Zwar erlaubt eine Ausnahmeregel den Maßnahmenbeginn auch ohne Vorliegen eines Förderbescheids, aber ob die Förderung später tatsächlich bewilligt wird, dafür gibt es keine Garantien.

Die Prognosen des Bundesverbandes Wärmepumpe (BWP) für das Jahr 2024 sind deshalb verhalten: der Absatz könnte auf 260.000 Geräte zurückfallen, im optimistischen Szenario auf 300.000. Schon jetzt werden nicht alle Kapazitäten der Branche voll ausgelastet. Um die Klimaschutzziele zu erreichen und die Emissionen im Gebäudesektor ausreichend zu senken, müssten jährlich bis 2030 500.000 Wärmepumpen installiert werden. Das Ziel könnte die Branche erreichen, braucht aber dafür aktive Unterstützung der Politik:  stabile Rahmenbedingungen und weniger Abgaben und Steuern auf Strom für Wärmepumpen.

Energiepreise sind Stellschraube

Die Politik könne sich daher nicht auf der neuen Förderkulisse und dem Gebäudeenergiegesetz ausruhen. Ein wesentlicher Faktor zur Erreichung der Klimaziele im Gebäudesektor seien die Energiepreise. Den Verbrauchern fehle beim Blick auf die aktuellen Energiepreise das entscheidende, intuitive Argument. „Erst ab einem Verhältnis von Gas- zu Strompreisen von eins zu zweieinhalb oder weniger wird der Wechsel auf eine Wärmepumpe für viele besonders attraktiv“, erläutert Verbandsgeschäftsführer Martin Sabel mit Verweis auf ein gemeinsames Positionspapier von BWP und dem Bundesverband der deutschen Heizungsindustrie. Vor diesem Hintergrund sei es unverständlich, dass auf Wärmepumpen-Strom immer noch das Doppelte an Steuern, Abgaben und Umlagen anfällt wie auf Erdgas. „Hier geht es schlicht und ergreifend darum, faire Wettbewerbsbedingungen zu schaffen und dafür zu sorgen, dass die fossilen Energien zumindest nicht weiter bevorteilt werden“, fordert Sabel. 

Jetzt freie Handwerkerkapazitäten nutzen

Verbrauchern rät der Verbandschef, sich frühzeitig mit ihrem Fachhandwerker in Verbindung zu setzen, wenn sie sich für eine neue Heizung interessieren: „Aktuell haben einige Fachhandwerker nach Jahren des Ansturms auch kurzfristig Kapazitäten für den Heizungstausch. Wer clever ist, nutzt das jetzt.“ Denn eine Ausnahmeregel bei der neuen Förderung erlaube bis Ende August, die Förderung auch nach der Beauftragung und Installation der Wärmepumpe noch zu beantragen.

Mehr Wärmepumpen im Bestand als im Neubau

Ein positiver Trend ist besonders erfreulich. Während bis 2020 Wärmepumpen vor allem im Neubau dominant waren, gibt es seitdem eine Trendumkehr zu verzeichnen. Deutlich mehr Wärmepumpen werden in Bestandsgebäuden installiert, im Jahr 2023 gingen 80 Prozent des Absatzes in dieses Segment.

Wärmepumpe im Einfamilienhaus wirtschaftlichster Energieträger

Experten sind sich einig. Die Technologie ist geeignet, die Emissionen des Gebäudesektors zu reduzieren –bei absehbar günstigen Kosten im Vergleich zu anderen Optionen.  Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse des Forschungsprojektes Ariadne: Wird jetzt neu in einen Heizungsaustausch investiert, sind Wärmepumpen und Fernwärme nicht nur klimaschonender, sondern langfristig auch kostengünstiger als das Heizen mit Gas, so ihr Fazit. Sie haben berechnet, wie hoch unterm Strich die Kosten für verschiedene Heiztechniken in bestehenden Wohngebäuden über einen Zeitraum von 20 Jahren angesichts zukünftiger Energieträgerpreise sowie der zu erwartenden CO2-Preisentwicklung sind. In Einfamilienhäusern sehen sie in der Wärmepumpe den wirtschaftlichsten Energieträger. pf

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