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Nachlese Solarthermie-SymposiumSolarthermie hat Chancen in neuen Marktsegmenten

Hof des Klosters Banz im Abendlicht
Das Kloster Banz ist ein ganz besonderer Veranstaltungsort. (Foto: energiezukunft / Petra Franke)

Die Einsatzmöglichkeiten der Solarthermie in den verschiedensten Kombinationen mit anderen Technologien zeigte das 34. Solarthermie-Symposium im Kloster Banz. Für die innovativen Heizsysteme der Zukunft hat die Solarthermie einiges zu bieten.

20.05.2024 – Wie der Photovoltaik-Markt teilt sich der Solarthermie-Markt in verschiedene Segmente auf. Da ist die kleine Anlage auf dem Hausdach, seit Jahrzehnten bewährt. Aktuell werden aber kaum neue Solarthermie-Heizungen verbaut – die preiswerten Photovoltaiksysteme, die ohne aufwändige Integration im Heizungskeller auskommen und außerdem eine Einspeisevergütung für den erzeugten Strom erhalten, haben die Dächer erobert.

Neben dem Kleinanlagensegment – im dem die Solarthermie durchaus in Verbindung mit einer Wärmepumpe oder Biomasseheizung ihre Berechtigung haben kann – rückt die Solarthermie in anderen Marktsegmenten in den Fokus: bei Großanlagen, die die gewonnene Wärme in Wärmenetze einspeisen oder in Anlagen, die Prozesswärme für industrielle Prozesse liefern.

In der Eröffnungssession des 34. Solarthermie-Symposiums kam genau diese Bandbreite, die Chancen aber auch das verlorene Terrain, zur Sprache. Kerstin Deller, Referatsleiterin für Grundsatzfragen Effizienz und Wärme im BMWK, gestand ein, dass die Wärmewende lange Zeit ein Stiefkind der Politik war. Die Erfahrungen von Bundesländern und Kommunen, die vorangeschritten sind, gelte es nun auszuwerten und übertragbar zu machen. Erfolge zeigten sich vor allem dort, wenn relevante Akteure vor Ort einbezogen wurden.

„Immer dann, wenn Förderungen diskutiert werden, steht der Markt still“, mit diesen Worten appellierte Stadler von Viessmann an die Politik, langfristige stabile Rahmenbedingungen zu schaffen, denn gerade im Gewerbekundensegment gehe es um große Investitionsentscheidungen, die nicht kurzfristig getroffen werden.

Stephan Mathéz, vom Schweizer Bundesamt für Energie steuerte Erfahrungen aus der Schweiz bei. Auch dort schrumpft der angestammte Markt der Solarthermie im Kleinanlagensegment. Den günstigen Photovoltaik-Komponenten könne die Solarthermie nichts entgegensetzen. Auch Mathéz sieht die Chancen in anderen Segmenten – vor allem in der Unterstützung der Fernwärme. Immerhin 10 Prozent der schweizer Haushalte werden von Fernwärmenetzen versorgt. Meist handelt es sich um sehr kleine Netze, die mit Biomasse, insbesondere Holz, betrieben werden. Aber der Rohstoff Holz sei tendenziell knapp. Bereits in ein bis zwei Jahren werde die Nachfrage das Angebot übersteigen, ein Ausbau der Biomasseheizungen sei deshalb keine Option.

Für Österreich berichtete Gottfried Lamers aus dem Klimaschutzministerium ähnliches. Hier sind sogar 30 Prozent der Haushalte an Fernwärmenetze angeschlossen und auch hier werde die verfügbare Holzmenge nicht größer.

Christian Holter von der Firma Solid aus Österreich brachte ein allgemeines Problem der Branche zur Sprache: Energie sei in den letzten Jahren in der Öffentlichkeit vor allem als Strom verstanden worden und nicht gleichermaßen als Wärme. In vielen Szenarien zum Klimaschutz aber auch in ganz konkreten Projekten werde die Solarthermie unterschätzt. Auch die Branche selbst brauche ein neues Selbstbewusstsein. Spannende Erkenntnisse verspreche eine demnächst erscheinende Studie im Auftrag der Europäischen Investitionsbank. Darin wurde für acht Kommunen in Südosteuropa untersucht, wie die Wärmewende wirtschaftlich funktionieren kann. Die Solarthermie habe in den untersuchten Szenarien überraschend gut abgeschnitten.

Die thematischen Konferenzblöcke der dreitägigen Veranstaltung zeigten viele aktuell in Planung oder Realisierung befindliche Projekte, bei denen die Solarthermie neue Einsatzfelder erobert. energiezukunft wird darüber in den nächsten Wochen berichten. pf

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