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Windkraft in SachsenMehr Stilllegungen als Neubau

Rotorblatt eines Windrades am Kran befestigt
In Sachsen kommt die Windkraft nicht voran, weil die Landesregierung den Energie- und Klimaplan nicht anpasst. (Foto: Photoholiday auf Pixabay)

Im letzten Jahr wurden in Sachsen mehr Windenergieanlagen abgebaut als neue errichtet. Der Trend droht sich fortzusetzen. Der Branchenverband sieht die Landesregierung in der Pflicht. Seit 2012 wurde die Planungsgrundlage nicht angepasst.

21.05.2021 – Die Kritik des Bundesverbandes Windenergie an der sächsischen Landesregierung ist scharf. Sie verfehle dramatisch die selbstgesteckten Ziele im Koalitionsvertrag und gefährde damit den Wirtschaftsstandort Sachsen.

„Es gibt schlicht zu wenig neue Genehmigungen für Windprojekte in Sachsen“, erklärt Martin Maslaton, Vorstand des Bundesverbandes Windenergie Sachsen. Ende April lagen 18 Genehmigungen für Windenergieanlagen vor. Damit stehen auch 2021 wieder zu wenige Windprojekte in der Pipeline. Teile der Landesregierung blockieren nach Aussage von Maslaton den Ausbau der Windenergie.

Große Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Dabei hatte Sachsen 2019 engagierte Ausbauziele für Erneuerbare Energien in den Koalitionsvertrag aufgenommen. Um das Zwischenziel des Koalitionsvertrags für 2024 zu erreichen, müssten jährlich 60 Windenergieanlagen neu errichtet werden. Die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit sei gewaltig. Maslaton kritisiert: „Die Landesregierung springt über die selbst gesetzte Messlatte nicht nur nicht drüber, sondern spaziert mühelos drunter hindurch.“

Weil Windprojekte eine lange Vorlaufzeit haben, sieht der BWE auch für das Jahr 2022 keine Verbesserung der Situation. Im Gegenteil: Ab diesem Jahr werden vermehrt alte Anlagen abgebaut, deren EEG-Förderung nach 20 Jahren endet. Damit könnte die in Sachsen installierte Windleistung unterm Strich sogar sinken.

Neubau von Windkraftanlagen auf steilem Abwärtskurs

2020 wurden in Sachsen gerade einmal drei Windenergieanlagen neu errichtet, 17 wurden zurückgebaut. Generell ist der Neubau von Anlagen in Sachsen auf einem steilen Abwärtskurs. Wurden 2015 noch knapp 70 Megawatt Windkraftleistung errichtet, sank dieser Wert 2019 auf 16 und 2020 mit den drei bereits erwähnten Anlagen auf acht Megawatt. Bei den Genehmigungen sieht es ähnlich düster aus. Wie bereits erwähnt lagen zu Ende April 2021 lediglich 18 Genehmigungen mit einer Nennleistung von 64 Megawatt vor, und nur Projekte mit einer Genehmigung können sich in einer Ausschreibung um einen Zuschlag bewerben.

Ende März 2021 waren in Sachsen 883 Anlagen mit knapp 1,3 Gigawatt Leistung in Betrieb. Viele Altanlagen wurden in den Anfangsjahren des EEG errichtet, ihre EEG-Förderung nähert sich dem Ende. Von Januar 2021 bis Dezember 2025 erreichen in Sachsen Anlagen mit rund 800 Megawatt Leistung ihr Förderende und sehen damit einer möglichen Stilllegung entgegen. Lohnt oder gelingt kein Vertrag für eine Direktvermarktung, bauen die Betreiber die Anlagen ab.

Ein Neubau in nennenswerter Größe ist nicht in Sicht. Das geht aus den Ausschreibungsergebnissen der Bundesnetzagentur hervor. 2020 haben gerade einmal Windprojekte in Sachsen mit einer Leistung von 49 Megawatt einen Zuschlag erhalten.

Kenia-Koalition bleibt neue Planungsgrundlage schuldig

Angesichts dieser Zahlen erscheinen die Formulierungen im Koalitionsvertrag der Regierungsparteien von CDU, SPD und Grünen realitätsfern. Bis 2024 ist dort ein Zubau-Zwischenziel im Bereich Erneuerbarer Energien von vier Terawattstunden Jahreserzeugung genannt, der Hauptteil davon soll mit Windenergie gewonnen werden. Die genannten Ertragsmengen entsprechen ungefähr einer Verdopplung der installierten Windkraftleistung. Anders ausgedrückt: Bis 2024 müssten für eine zusätzliche jährliche Stromversorgung von 2,8 TWh mindestens 230 Windenergieanlagen ans Netz gehen – 60 Anlagen jährlich. Nicht zu schaffen, angesichts der langen Planungs- und Genehmigungsverfahren und der vorliegenden Genehmigungen.

„Die Genehmigungssituation für Windenergie in Sachsen ist dramatisch und wir sehen keine Entwicklung“, sagt Maslaton. „Obwohl wir inzwischen seit über einem Jahr einen neuen Koalitionsvertrag haben, orientieren sich die zuständigen Planungsstellen bis heute am Energie- und Klimaprogramm von 2012, mit deutlich geringeren Zubau-Zielen für die Windenergie. Ohne Flächen können wir keine Windenergieanlagen bauen.“

Gleichzeitig steige die Nachfrage nach klimafreundlicher Windenergie an Sachsens Industriestandorten. Mit steigenden Kosten für CO2-Emissionen werde der Zugang zu Erneuerbaren Energien immer mehr zu einem wesentlichen Standortfaktor für die Industrie. pf


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Kommentare

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Markus Müller 21.05.2021, 23:53:15

Hm, das der Neubau schwierig ist, ist schon schlimm genug angesichts der Klimaziele, die zumindest auf dem Papier endlich mal höher geschraubt werden. Wenn auch m.E. noch nicht genug.

 

Aber wirklich schade ist, wenn die in den Anfangsjahren mühsam mit viel Herzblut erreichte Kapazität wieder abgebaut werden muss, weil sie im Vergleich zu subventionierter Kohle oder subventionierten Atomstrom nicht wirtschaftlich genug erscheint. Es ist schade, wenn das alles wieder verloren geht.

 

Scheitert denn ein Repowering mit neuen Anlagen in Sachsen ebenfalls an den fehlenden Genehmigungen, oder eher an fehlenden Investoren? Und worin scheitert Direktvermarktung in Sachsen konkret? An noch fehlenden Käufern, oder ebenfalls an den behördlichen Genehmigungen? (Falls es bereits einen EZ Artikel dazu gibt, würde ich und Idealismusmich auch über einen entsprechenden Link auf den Artikel mit den Antworten freuen.)

SpiSab 30.05.2021, 15:41:58

+15 Gut

Das finde ich eine wirklich gute Frage anlässlich der erschreckenden Fragen - hängt es vielleicht mit der Inhaberstruktur in Sachsen zusammen? Wenn die Anlagen/Parks eher von mittelständischen Betrieben errichtet wurden und würden, könnte es vielleicht an der Neuausrichtung des EEGs seit 2016 liegen, das eher die großen Konzerne begünstigt. Vielleicht sind die ausgewiesenen Flächen kleiner und wären eher für die Anreizstruktur des alten EEG besser gewesen?

SpiSab 01.06.2021, 12:27:22

Das finde ich eine wirklich gute Frage anlässlich der erschreckenden Zahlen - hängt es vielleicht mit der Inhaberstruktur der WEA in Sachsen zusammen? Wenn die Anlagen/Parks eher von Mittelständlern errichtet und betrieben werden, könnte es vielleicht an der Neuausrichtung des EEGs seit 2016 liegen, das seitdem eher die Konzerne begünstigt. Vielleicht sind die ausgewiesenen Flächen kleiner und wären eher für die Anreizstruktur des alten EEG geeignet?


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