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PPAsDirektverträge könnten alte Windparks retten

Alte Windräder in Ostfriesland.
Alte Windräder in Ostfriesland. (Foto: © Erich Westendarp auf Pixabay)

Klimaschützer fürchten das Jahr 2021: Dann könnten alte Windräder abgebaut werden, denn für einige endet die 20-jährige Förderung. Nun tut sich eine Lösung auf, die in anderen Ländern längst üblich ist: Sogenannte Power purchase agreements (PPAs).

04.09.2019 – Große Industriekunden weltweit arbeiten seit Jahren mit diesen Verträgen und die Größen aus dem Silicon Valley betreiben so ihre riesigen Datenzentren: Direktverträge mit Ökostromanlagen sind international längst üblich, in Deutschland aufgrund der komplizierten Förderung durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) dagegen kaum bekannt. Hierzulande wird der Strom fast ausschließlich über die Börse gehandelt.

Großes Interesse an langfristigen Lieferverträgen

Nun, durch das Förderende der ersten Windräder ab Januar 2021, ändert sich das. Der Begriff Power purchase agreements (PPAs) geistert durch die Branche. Dabei schließt etwa ein Industriebetrieb einen Vertrag mit einem Energieversorger und einem Windpark ab und sichert sich so die gesamte Stromerzeugung der Windräder. Reicht der Windstrom nicht aus, kauft der Energieversorger Strom zu. Überschüsse werden verkauft. Solche Verträge können Energieversorger auch direkt mit Windrad-Betreibern abschließen und ihre Kunden mit dem Strom versorgen.

Erst in der vergangenen Woche hatte die Deutsche Energieagentur dena das Thema unter dem Stichwort „Corporate Green PPAs“ hervorgehoben: Einer neuen Umfrage zufolge gebe es großes Interesse an langfristigen Lieferverträgen für Wind- und Sonnenstrom. Und das sei bitter nötig: „Die Lage ist ernst“, sagte dena-Chef Andreas Kuhlmann. Es werden kaum noch neue Windräder gebaut, wenn jetzt zusätzlich alte Anlagen abgerissen werden, wäre das für den Klimaschutz ein Desaster.

NATURSTROM schließt erste Direktverträge mit alten Windrädern

Entsprechend stellen sich nach und nach Unternehmen für den Ernstfall auf. Unter ihnen der Ökostrompionier NATURSTROM, für den das Thema nicht neu ist. Bis 2014 hatten die Düsseldorfer 200 Windräder als Lieferanten für ihre Ökostromkunden unter Vertrag. Bis eine EEG-Reform dieses Geschäftsmodell so teuer machte, dass niemand mehr darauf zurückgriff.

Am Mittwoch gab NATURSTROM bekannt: Die ersten PPAs mit alten Windrädern sind vereinbart, viele weitere sollen folgen. Das Unternehmen profitiert von Vorteilen gegenüber der Konkurrenz: Als einer der ersten Ökostromanbieter Deutschlands unterhält es gute Beziehungen zu vielen Betreibern der ersten Anlagen und ist bestens vernetzt.

Zum anderen zahlt sich die jahrelange Erfahrung mit Direktverträgen aus. Denn laut dena halten sich viele Firmen wegen fehlender Erfahrungswerte und komplexen Verträgen noch zurück. Auch ist nicht klar, wie die staatliche Regulierung in diesem Bereich ausfallen wird.

„Windräder werden noch eine ganze Weile weiterlaufen“

Zu den ersten PPA-Anlagen von NATURSTROM gehören ein 1,5-Megawatt-Windrad in der Nähe von Paderborn und eine 600-Kilowatt-Anlage im ostfriesischen Landkreis Wittmund. Deren Betreiber, der Landwirt Dedo Behrends, sagt: „Meine Anlage wird ebenso wie viele andere Windräder in der Region noch eine ganze Weile weiterlaufen und günstig Strom produzieren können.“ PPAs könnten die Lösung dafür sein. cw