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Erneuerbare-Energien-AnlagenVon der Fläche bis zum Bau

Windkraft Ramsthal 2015
Hinter Energiewende-Projekten stecken viele Arbeitsschritte, Diskussionen mit Behörden, Bürgern und Banken – und viel Geduld (Foto: naturstrom / Bernd Mair).

Die Energiewende in Deutschland soll endlich schneller umgesetzt werden. Von der Suche nach Flächen bis zum Bau stecken viele Arbeitsschritte, Diskussionen mit Behörden, Bürgern und Banken hinter den Projekten. Und Geduld. Viel Geduld.

01.11.2023 – Endlich hat der Ausbau Erneuerbarer Energien auch wieder Rückenwind aus der Politik. Doch bevor eine Anlage Ökostrom produzieren kann, muss viel passieren. Energieversorger, die selbst Anlagen bauen, wie naturstrom, kümmern sich um alle Aspekte des Erneuerbaren Ausbaus, von der Suche nach Flächen bis zur Lieferung des regionalen Stromtarifs.

Projektentwicklung: Den Anfang macht die Fläche

Eine geeignete Stelle für Erneuerbare-Energien-Anlagen zu finden, ist gar nicht so leicht. Hin und wieder ergeben sich Standorte aber ganz organisch. „Manches ergibt sich aus Kontakten, auch über naturstrom-Kunden“, erzählt Christoph Fröhlich, der für naturstrom Flächen akquiriert. „Da kommen immer mal wieder die einen oder anderen auf uns zu, die uns Grundstücke vorschlagen oder anbieten, und wissen möchten, ob da eine Solaranlage oder Windräder errichtet werden könnten.“ Auch Kommunen, mit denen in der Vergangenheit schon andere Projekte umgesetzt wurden, sei es Wind, PV oder Wärme, kämen mit Vorschlägen oder Partneranfragen für Projekte auf ihn und seine Kollegen zu.

Sein Team ist auch selbst unterwegs, um geeignete Flächen zu finden, und spricht Kommunen und Flächeneigentümer an. „Die Grundstückseigentümer bestimmen im Grunde, was geschieht. Man kann nicht einfach eine Planung aufsetzen, sondern muss die Eigentümer für ein Projekt gewinnen, begeistern, auch die Kommunen. Im Austausch mit den Menschen, die die Anlage später in ihrer Nachbarschaft haben, findet man heraus, was akzeptabel ist vor Ort und was nicht“, meint Christoph. „Man braucht die Leute vor Ort, sie wollen mitgenommen und informiert werden.“ Das Team sammelt entsprechend Informationen, bietet in Zusammenarbeit mit der Abteilung Bürgerenergie Informationsveranstaltungen und Infomaterial an. „Wir entwickeln Projekte mit den Menschen vor Ort zusammen, wir sind ihr regionaler Partner. Dazu gehört auch, möglichst viel Wertschöpfung vor Ort in den Kommunen, in der Region zu halten.“ So versuchen wir, regionale Stromtarife anzubieten. Das schafft Akzeptanz. Einen attraktiven Preis müsse man natürlich trotzdem bieten, ergänzt Christoph.

Die Konkurrenz um Flächen ist groß. Es gebe viele Projektierungsunternehmen, unter anderem auch welche, die wenig zimperlich und fast schon aggressiv vorgingen. „Wir überzeugen durch unser Konzept und mit unserer Philosophie. Als Energieerzeuger und -versorger denken wir ganzheitlich, sind von Anfang bis Ende Ansprechpartner und verlässlicher Partner. Manche Projektierer stellen eine Anlage auf eine Fläche und verkaufen sie dann meistbietend. Wir hingegen planen und bauen eine Anlage und sind später auch für den Betrieb verantwortlich, den wir gerne gemeinsam mit Bürgern und Kommunen vor Ort stemmen.

Neben Grundstückseigentümern, Bürgern und Kommunen stehen die naturstrom-Projektentwickler im Austausch mit Genehmigungs- und Planungsbehörden. Je nachdem, wer vor Ort aktiv ist, kommen noch Bürgergesellschaften, Klimaschutz- oder Regionalmanager oder Gewerbebetriebe dazu. Falls es in der Nähe der Erzeugungsanlage ein Industriegebiet gebe, könne man auch vorfühlen, ob eine Direktbelieferung interessant sei. Erneuerbare-Energien-Anlagen werden erst seit einigen Jahren als vorteilhafter Standortfaktor gesehen. Vor dem Hintergrund der Gaskrise, der Energiepreise und Energiesicherheit sei das Thema noch aktueller geworden. „Direktversorgung großer Abnehmer wird in Zukunft immer öfter genutzt werden“, ist sich Christoph sicher.

Site-Assessment: Hinter den Kulissen

Währenddessen sind noch andere Teams am Werk, die die Grundlagenarbeit für das Projekt von der Flächenakquise bis zum Bau liefern. In der Abteilung Projektplanung und Site Assessment wird geprüft, ob es technisch und geographisch machbar ist, an der besagten Stelle eine Anlage zu bauen, ob die Fläche erweitert werden müsste, ob der Betrieb einer Anlage grundsätzlich wirtschaftlich wäre und ob allerlei weitere Planungsgrundlagen stimmen.

Die Projektplaner kümmern sich um die Details, recherchieren für spezifische Flächen relevante Fachthemen, erstellen Karten vom Planungsraum. „Die Arbeit ist sehr vielfältig. Wir haben die interne Expertise für all die Fachthemen, die sich aus dem Windpark in der Wechselwirkung mit seiner Umgebung ergeben“, erklärt Julian Walter. Während die Projektentwickler ein grobes Konzept erstellen, überlegen sich Julian und sein Team, wie ein Windpark oder eine Freiflächensolaranlage gestaltet werden kann, wie groß die Anlage ist und wie sie positioniert wird, damit sie optimal Energie produziert.

„Wir prüfen die Aspekte, die später im Genehmigungsverfahren durch externe Gutachten bewertet werden, schon frühzeitig intern ab“, meint Julian. Ob ein Windpark an einer Stelle etwa zu laut wäre für eine nahegelegene Siedlung, müsse man schließlich vorher wissen. Wenn es dann in ein Genehmigungsverfahren geht, halten die Kollegen den Kontakt und bleiben im Austausch mit externen Gutachtern. Für den Bau schauen sie, dass Zuwegungen geplant und kartographisch dargestellt werden. „Wir sind eigentlich Ansprechpartner für alle Abteilungen. Es ist spannend, ein Projekt von Geburt an zu sehen, vom Anfang bis zum Bau zu begleiten.“

In der Windbranche müsse man allerdings manchmal ganz schön geduldig sein, meint Projektplanerin Simone Kaufmann, die mit Julian zusammenarbeitet. Das Projektgeschäft ist sehr flexibel, da kann es auch mal passieren, dass ein Projekt um ein Jahr verschoben wird oder wegfällt, obwohl schon sehr viel Energie reingesteckt wurde. „Wir haben einen internen Witz über das Projektalter, dass die Genehmigung schon in der Grundschule ist und die Planung in der weiterführenden Schule“, lächelt Simone. Bis ein Projekt ins Genehmigungsverfahren gehe, könne ein halbes Jahr vergehen, es könne aber auch fünf Jahre dauern, wenn noch kein Planungsrecht bestehe. Stellt sich eine Behörde quer oder macht ihre Arbeit nicht, verzögern sich Projekte teils um Jahre. „Das ist ein generelles Leiden in der Windenergie“, bedauert Julian. „Viele Leute denken, dass jetzt alles läuft, weil die Regierung den Erneuerbaren-Ausbau doch vorantreiben will. Tatsächlich bleiben Projekte noch immer oft an irgendeiner Stelle hängen.“

Bauleitung: Vom Schreibtisch auf den Bau

Im Freiflächensolar-Bereich muss zum Glück inzwischen weniger Frustrationstoleranz an den Tag gelegt werden. Hier sind Planungszeiträume mit einem bis zwei Jahre meist überschaubar. Sobald ein Projekt genehmigt wurde, kümmert sich ein Bauleiter darum, wie es weitergeht. „Meine Kollegen und ich sind im Prinzip ein Bindeglied zwischen den Projektbeteiligten, vom Projektleiter über die kaufmännische Abteilung, bis zur technischen Detailplanung. Wir sorgen dafür, dass die Projekte, wenn sie genehmigt und geplant wurden, auch umgesetzt werden“, erklärt Maximilian Lawall, Bauleiter und Projektingenieur bei naturstrom.

Sobald es eine Freigabe der Geschäftsführung und vom Projektleiter gebe, lege er los. „Dann habe ich einen Kosten- und Zeitrahmen und kann mit Baufirmen sprechen, Vergabeprozesse durchlaufen, mir Firmen sichern, die die Anlage bauen.“

Dabei kann es noch zu so einigen Hindernissen kommen. „Im Idealfall weiß man am Anfang, was an Mehrkosten auftreten kann, und kalkuliert diese mit ein. Ein Beispiel wäre, wenn die Böden auf den Flächen sehr inhomogen sind und dadurch größere statische Probleme auftauchen könnten“, meint Max. Geologische Nachbesserungen seien aber eher Standard-Geschäft, ebenso Feldfunde. Man sollte auch vorab wissen, ob alle Zuwegungen gegeben sind. „Ob noch eine Brücke gebaut werden muss, um mit Transportern aufs Gelände zu kommen, sollte einem schon nicht erst kurz vor Baubeginn auffallen“, grinst Max. Gewisse Risiken, die die Baufirma sichten muss, könne man auch vertraglich ausschließen.

Viel hänge auch von den Lieferanten ab. „Wenn ein Lieferengpass besteht, hat man seinen Zeitplan im Prinzip umsonst gemacht“, erzählt Max. Grundsätzlich werde versucht, mit lokalen Baufirmen und Installateuren mit kurzen Anfahrtswegen zu arbeiten. Regionale Partner und Lieferanten sind immer nachhaltiger. Bei Unterkonstruktion und Trafostationen für die Anlagen klappe dies auch, die werden bei deutschen Herstellern gekauft. „Bei Modulen und Wechselrichtern gestaltet sich das leider schwierig, die kommen weiterhin aus China“, bedauert Max. „Letztes Jahr kam dann viel zusammen, was Lieferketten zerschlagen hat, von Corona bis zum russischen Krieg gegen die Ukraine.“ Steigende Preise für Stahl oder Aluminium machten der Branche zu schaffen. „Man bekam kaum bezahlbare Materialien mehr. Das war schon eine Ausnahmesituation.“ Inzwischen habe sich die Lage aber wieder beruhigt.

Am Ende, wenn die Anlage stehe, gebe es noch einige Inbetriebnahme-Prozesse, die durchlaufen werden müssten, bevor die Anlage ans Netz kommt. „Dann darf sie endlich schön Ökostrom produzieren.“ Sobald die Anlage angeschlossen ist, kümmern sich viele weitere Kollegen in der Betriebsführung darum, dass sie langfristig sauber und nachhaltig läuft. Julia Broich

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