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Klimaforscher wollen mit radikaler Idee die Welt retten

Erde
Alle zehn Jahre muss die Weltgemeinschaft die Treibhausgasemissionen reduzieren, fordern führende Klimawissenschaftler. Andernfalls seien die Ziele des Pariser Klimaabkommens nicht mehr aufzuhalten. (Bild: WikiImages / pixabay)

Die Idee ist so einfach wie radikal: Alle zehn Jahre müssen die Treibhausgasemissionen der Welt halbiert werden, um den Klimawandel aufzuhalten. Die berühmten Klimaforscher fordern deshalb mit einem „Carbon Law“ die nächste industrielle Revolution.

27.03.2017 – Es seien Städte, Staaten, Wirtschaftszweige und jede noch so kleine Gemeinschaft gefragt, die eigenen CO2-Emissionen jedes Jahrzehnt zu halbieren. Im Fachmagazin Science haben einige der renommiertesten Klimawissenschaftler der Erde ihren Fahrplan vorgelegt, wie die Weltgemeinschaft die in Paris vereinbarten UN-Klimaziele einhalten kann. Die Voraussetzungen: Spätestens 2020 müssen die Emissionen aus fossilen Brennstoffen ihren Höhepunkt überschreiten und bis 2050 auf null sinken. Nur dann könne der globale Temperaturanstieg auf deutlich unter 2 Grad Celsius begrenzt werden.

Ihre Idee der Halbierung der Treibhausgasemissionen alle zehn Jahre nennen die Wissenschaftler „Carbon Law“, nach dem Vorbild von „Moore’s Law“ in der Computerindustrie. „Moores Law“ besagt, dass Computer-Prozessoren alle zwei Jahre ihre Leistung verdoppeln. Dies sei zwar weder ein Naturgesetz noch ein Gesetz im rechtlichen Sinne, habe sich als Faustregel aber seit 50 Jahren bewährt und treibe noch immer Innovation an, schreiben die Klimaforscher. Übernimmt man diese Logik auf die Emissionen heißt das, dass von den schätzungsweise 40 Milliarden Tonnen CO2-Emissionen im Jahr 2020 nur noch 20 im Jahr 2030 übrig bleiben dürfen. Zehn Jahre später darf die Menschheit dann noch 10 Milliarden Tonnen ausstoßen, 2050 nur noch jährlich 5.

Erneuerbare haben sich alle 5,5 Jahre verdoppelt

Mit Technologien, die CO2 aus der Luft filtern und langfristig einlagern (Carbon Capture and Storage, CCS), könnte die Welt dann nahezu emissionsfrei sein. Schon in den 2020er Jahren müssen zudem alle Subventionen für fossile Brennstoffe eingestellt werden, ein CO2-Preis liefert Anreize zum Umstieg auf saubere Energieträger. Von anfangs 50 US-Dollar pro Tonne CO2 soll sich die Abgabe auf 400 bis zum Jahr 2050 erhöhen, so die Berechnungen der Forscher. Ab den 2030er Jahren darf Kohle dann nicht mehr zur Energiegewinnung genutzt werden, Autos mit Verbrennungsmotoren sollen kaum noch fahren. Ab 2040 soll auch mit dem Erdöl für die Energiewirtschaft Schluss sein.

Stattdessen sehen die Wissenschaftler die Erneuerbaren Energien als Haupttreiber der Dekarbonisierung. Dazu müsse sich der Anteil von Sonnen-, Wind- und Bioenergie im Energiesektor alle fünf bis sieben Jahre verdoppeln. „Wir stehen bereits am Beginn dieses Weges“, sagte Leitautor Johan Rockström vom Stockholm Resilience Centre der Universität Stockholm in Schweden. „Zuletzt hat sich der Anteil der Erneuerbaren im Energiesektor alle 5,5 Jahre verdoppelt. Wenn diese Verdopplung im selben Tempo so weitergeht, dann sind die fossilen Brennstoffe deutlich vor 2050 raus aus dem System.“

„Nicht die nächste industrielle Revolution verpassen“

Einer der bekanntesten deutschen Klimaforscher und Ko-Autor des Fahrplans ist Hans Joachim Schellnhuber vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). „Unsere Zivilisation muss bald einen sozio-ökonomischen Kipp-Punkt erreichen, und dieser Fahrplan zeigt auf, wie das geschehen kann.“ Er sieht vor allem die wirtschaftlichen Vorteile: „Unternehmen, welche diese Schritte vermeiden und weiter herumtrippeln, werden die nächste industrielle Revolution verpassen – und damit ihre beste Chance für eine gewinnbringende Zukunft.“ Malte Meinshausen, Direktor des Climate & Energy College an der Universität Melbourne, ergänzt: „Während wir jahrelang den Abbau der althergebrachten fossilen Verbrennungstechnologien nur als Last gesehen haben, wird nun endlich die andere Seite sichtbar: niedrigere Kosten, mehr Jobs und sauberere Luft.“ cw

Eitel Heck am 01.05.2017

+149 Gut Antworten

Der Klimaforscher Prof. Schellnhuber zeigt keine echten Lösungswege für den Klimawandel.

Der Klimawandel ist nur international durch eine innovative Außenpolitik lösbar. Großen Einfluss auf das Klima haben Länder mit Ölscheichs und Gasoligarchen, deren Reichtum und Lebensstandard vom Rohstoffexport abhängt.

In Deutschland als kleine Insel zur Bewältigung des Klimaproblems sollte mehr Kreativität in die Energiewende einziehen.

Erneuerbare Energien sind nach grüner Lesart:

-Wind- und Sonnenstrom(keine bezahlbaren Groß-und Langzeitspeicher für überschüssigen Strom),

-Wasserkraftwerke( geologischen Voraussetzungen zum Ausbau begrenzt, deshalb Kooperation mit Norwegen),

-Geothermikraftwerke( Ausbau durch teure Tiefenbohrung begrenzt),

-Biomasse- und Biogaskraftwerke( fossile Kraftstoffe für Erzeugung und Transport, CO2-Emission),

In den grünen Energiebewertungen sollten endlich folgende CO2-emissionsfreie Energieformen berücksichtigt werden:

1. Wasserstoffkraftwerke mit umweltfreundlichen Brennzellen,

2.Kernfusion( vielleicht schon 2050 Kernfusionskraftwerke),

3.Kernreaktoren der 4.Generation, darunter Dual Fluid Reaktor;

Vorteile:

-inhärent sichere Technologie,nicht vergleichbar mit gegenwärtigen Kernkraftwerken mit Druckwasserreaktoren und damit Gefahrenpotential,

-Gegenwärtiger Atommüll kann als wertvoller Rohstoff zur Stromerzeugung genutzt werden,der ansonsten in geologischen Endlagern entsorgt wird.

-Kopplung der Stromproduktion mit Produktion chemischer Erzeugnisse( Kraftstoffe, Wasserstoff u.a.)

Positiv bewerte ich die Maßnahmen Smart Grid und Power to Heat zur Energieeinspararung und effizienten Nutzung der Energie.

Solange in Deutschland klimafreundliche Stromerzeugungstechnologien nicht berücksichtigt oder sogar abgelehnt werden, sind die Forderungen von Professor Schellnhuber wirkunglos.

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