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Klimaziele nur mit weniger Verkehr erreichbar

Vom Schiff auf die Straße oder auf die Schiene – der Transportverkehr nimmt weltweit zu und damit enorme CO2-Emissionen. Mannheim Handelshafen, 2013. (Foto: © 212 903, Rhenus Logistics / CC BY-SA 2.0 / Flickr.com)
Vom Schiff auf die Straße oder auf die Schiene – der Transportverkehr nimmt weltweit zu und damit enorme CO2-Emissionen. Mannheim Handelshafen, 2013. (Foto: © 212 903, Rhenus Logistics / CC BY-SA 2.0 / Flickr.com)

Fast ein Viertel der CO2-Emissionen weltweit gehen auf den Verkehr – PKW, Lastwagen, Güterzug, Schiffe, und Flugzeuge – und der Transportsektor wächst stetig. Eine aktuelle Studie anlässlich des Klimagipfels in Paris rät zu rascher Schadensminderung.

23.11.2015 – Wer es wirtschaftlich zu etwas bringt, will zuallererst mobil werden um am Wohlstand teilzuhaben. Gleichzeitig wächst in den Schwellenländern mit zunehmendem Wohlstand die Bevölkerungsanzahl. Der PKW-Verkehr in China, Indien und Südostasien nimmt rasant zu – allein in China werden bereits 20 Millionen Autos jährlich verkauft. Wenn sich der weltweite Trend so fortsetzt wie bisher, würden laut einer neuen Studie von Klimaforschern verschiedener Institute, publiziert in der Fachzeitschrift Science, im Jahr 2050 bereits etwa doppelt so viele Autos auf den Straßen weltweit fahren wie heute. Die Klimaziele wären damit nicht zu erreichen.

Die Studie zeigt Auswege aus dem Dilemma und stellt ein Szenario vor, bei dem sich die Emissionen aus dem Verkehr bis 2050 fast halbieren ließen – dafür müssten allerdings Autoindustrie und Politik jetzt schnell handeln.

Bei dem idealen Szenario gehen die Forscher davon aus, dass sich die Elektromobilität in den nächsten Jahrzehnten größtenteils durchsetzt und in den großen Städten sehr viele Menschen aufs Fahrrad, öffentliche Verkehrsmittel – möglichst Elektromobil betrieben – und vor allem in den Städten aufs Elektroauto umsteigen werden, bzw. auch immer mehr Menschen im Home-Office arbeiten können und sich damit Anfahrtswege sparen. Die Infrastruktur vor allem in den Städten müsste sich der neuen Mobilität anpassen, statt Autostraßen breite Rad- und Fußgängerwege und verkehrsberuhigte Zonen.

Das Fahren mit einem Elektroauto könnte, so die Autoren der Studie, mit der Optimierung der Batteriekosten und Reichweiten dann bald günstiger und attraktiver sein als Benzin- und Dieselmotoren. Emissionsgrenzen müssten verschärft werden, um den Umstieg attraktiver zu machen. Technologisch und organisatorisch ist vieles heute bereits möglich – allein es fehle der poltische Wille, so die Wissenschaftler. Aber Politik und Autoindustrie sind – nicht nur in Deutschland – eng verbandelt.

Eine echte Veränderung in der Verkehrspolitik würde nicht nur dem Klima helfen sondern auch weniger Lärm, schönere Städte und eine bessere Gesundheit mit sich bringen. Bleiben natürlich immer noch – neben dem Personenverkehr – die immensen Emissionen aus dem Schiffsverkehr, Güterverkehr und Flugverkehr. Tendenz steigend: Die Containerschiffe werden immer noch größer, das Fliegen bleibt billig, immer größere Flughäfen entstehen, der Güterverkehr auf Straßen und Schienen nimmt zu, es wird immer mehr im- und exportiert, billige Produktion ins Ausland verlagert und dann um die halbe Welt geschifft oder geflogen.

Hier muss, so die Forscher, eine massive Reduktion des Transportwesens stattfinden. Doch selbst im Privatverkehr gibt es keinerlei Einsicht, PKWs werden immer größer, es herrscht der SUV-Wahn. Der günstige Ölpreis tut sein Übriges und macht Mobilität attraktiver denn je. Solange hier kein Umdenken stattfindet scheint ein echter Wandel aussichtslos. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) unternimmt – ausgelöst v.a. durch den VW-Abgas-Skandal – Versuche auf kommunaler Ebene und hat wegen erhöhter Stickstoffdioxid-Werte in acht deutschen Städten Klage eingereicht, um die Verantwortlichen per Urteil dazu zu bringen, ihre Luftreinhaltungspläne zu ändern. na

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