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Meeresspiegel könnte um vier Meter steigen

Bislang weiß niemand genau, um wie viele Meter sich der Meeresspiegel weltweit anheben wird. Doch eine aktuelle Veröffentlichung zweier Wissenschaftler klingt wenig beruhigend: Ein gewaltiger Eisschild in der Antarktis droht in den Ozean abzustürzen und könnte ihn um bis zu vier Meter anheben.

05.05.2014 – Das Wilkes-Becken in der östlichen Antarktis liegt offenbar sehr abschüssig und lediglich eine Art Pfropfen aus Eis verhindert, dass die gewaltigen Massen ins Meer hinabgleiten. Sollte der Pfropfen nicht mehr halten, wird der Eisschild voraussichtlich in den Ozean gelangen und nach und nach schmelzen, was den Meeresspiegel um drei bis vier Meter anheben könnte. Dies geht aus einem Beitrag der Wissenschaftler Anders Levermann und Matthias Mengel hervor, den das Fachblatt „Nature Climate Change“ veröffentlicht hat. Die Forscher gehen davon aus, dass ein Tauen des Wilkes-Beckens in hundert Jahren oder mehr maßgeblich zu einer Erhöhung des Meeresspiegels beitragen könnte.

Anders Levermann, der für das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung arbeitet, hat erst kürzlich gemeinsam mit Ben Marzeion von der Universität Innsbruck eine Studie veröffentlicht, die zeigt, dass die Erderwärmung unzählige Weltkulturerbe-Stätten bedroht. „Die physikalischen Prozesse, die den weltweiten Anstieg der Weltmeere erzeugen, sind langsam – aber werden noch sehr lange anhalten“, erklärt Ben Marzeion. „Davon wird auch das Weltkulturerbe betroffen sein.“ Für einen Zeitraum von 2000 Jahren haben die Wissenschaftler den zu erwartenden Meeresspiegelanstieg am Computer modelliert und untersucht, in welchen Regionen UNESCO Weltkulturstätten in den kommenden Jahrhunderten gefährdet sind.“

Nimmt die globale Durchschnittstemperatur auf der Erde um ein Grad Celsius zu, sind weltweit bereits 40 Kulturstätten unmittelbar vom Wasser bedroht, zeigt die Studie. Steigt die Temperatur um drei Grad, dann ist rund ein Fünftel des Weltkulturerbes langfristig gefährdet. „136 Standorte würden dann auf lange Sicht unter dem Meeresspiegel liegen“, präzisiert Marzeion. Zu dem betroffenen Weltkulturerbe gehören etwa historische Stadtzentren in Brügge, Neapel, Istanbul und St. Petersburg und Stätten in Indien und China.

Bislang weiß niemand genau, um wie viele Meter sich der Meeresspiegel weltweit künftig wirklich anheben wird. Zum einen ist unklar, wie stark der globale Kohlenstoffdioxidausstoß die kommenden Jahre ansteigen wird. Zum anderen bergen Projektionen zum Anstieg des Meeresspiegels noch große Unsicherheiten, denn die verursachenden physikalischen Prozesse sind komplex. Dabei geht es etwa um die Ausdehnung der sich erwärmenden Ozeane, das Abschmelzen von Berggletschern, Eiskappen und der zwei großen Eisschilde Grönlands und der Antarktis sowie das Fördern von Grundwasser zu Bewässerungszwecken. Unterschiedliche Modellansätze führen dabei zu unterschiedlichen Ergebnissen. Der kürzlich veröffentlichte Bericht des IPCC musste seine Projektionen im Vergleich zum letzten Bericht um etwa 60 Prozent nach oben korrigieren, und auch andere von Wissenschaftlergruppen erstellte Studien kamen auf höhere Werte. Der von Satelliten während der letzten beiden Jahrzehnte gemessene Meeresspiegelanstieg hat frühere Erwartungen übertroffen.

Aufsehen hatte auch die Ausgabe des National Geographic von September 2013 erregt. Diese zeigt eine Weltkarte, in der alle Staaten nach Abschmelzen sämtlicher Polkappen und Gletscher dargestellt sind. In der Simulation sind Dänemark,  die Niederlande und weite Teile Norddeutschlands vollständig versunken. Zahlreiche kontinentale Städte werden zu Küstenstädten. rr

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