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Schwefelsäure – Klimawahnsinn gegen Klimawahnsinn

Ein Forscher der Harvard Universität will das Klima reparieren – mit Schwefelsäure. Mögliche Risiken streitet er nicht ab. Er will sie „im Freiluftexperiment“ genauer analysieren. In Lima beginnen indes die UN-Klimakonferenzen mit vagem Optimismus.

Ein Forscher der Harvard Universität will das Klima reparieren – mit Schwefelsäure. Mögliche Risiken streitet er nicht ab. Er will sie „im Freiluftexperiment“ genauer analysieren. In Lima beginnen indes die UN-Klimakonferenzen mit vagem Optimismus.   

01.12.2014 – David Keith, Forscher des Feldes Geo-Ingenieurwissenschaften an der Universität Harvard, will das Erdklima „reparieren“. Dazu will er einen Ballon aufsteigen lassen und in etwa 20 Kilometern Höhe Schwefelsäure verwirbeln. Ein Propeller soll dafür sorgen, dass sich die Säure regelmäßig verteilt. Die Schwefelaerosole können Licht in das Weltall reflektieren und so, zumindest der Theorie zufolge, die Temperatur senken. Genauere Angaben zu dem Projekt, das er „Stratospheric Controlled Perturbation Experiment“ nennt, finden sich in dem Wissenschaftsmagazin „Philosophical Transactions of the Royal Society“. Keiths Ziel ist es, das Experiment nicht nur im Labor, sondern „in freier Wildbahn“, also in der Stratosphäre, durchzuführen.

Zwar weiß man von Vulkanausbrüchen, dass Schwefelgase die Temperatur auf der Erde drastisch senken können. Die Risiken eines künstlichen Eingriffs wie ihn Keith plant, sind jedoch vollkommen unklar. In einem Abstract schreibt er, der aktuelle Wissensstand stratosphärischer Prozesse lege nahe, dass die Methode signifikante Risiken bergen könnte. Hinzu kämen mögliche unbekannte Faktoren, die vielleicht existierten und die Risiken maßgeblich verändern könnten. Um diese Risiken genauer untersuchen zu können, möchte der Forscher ein kontrolliertes Experiment außerhalb des Labors durchführen. Erste Gespräche mit den Behörden haben bereits stattgefunden.

Kritiker warnen, die Wirkung der Schwefelsäure sei nicht abschätzbar und könne unvorhergesehene Umwelt- oder Gesundheitskatastrophen verursachen. Zudem könnte die Zulassung des Experiments den Weg ebnen für weitere Versuche aus dem Bereich Geo-Engineering. Statt die Ursachen zu bekämpfen, werden die Symptome des Klimawandels mit einem Chemiecocktail bekämpft – Nebenwirkungen ungewiss. Ideen wie diese könnten die Industrie dazu verleiten, weiterzumachen mit den CO2-Emissionen wie bisher. Ausgerechnet jetzt wären solche irreführenden Denkansätze fatal. In Perus Hauptstadt Lima beginnen an diesem Montag die 20. UN-Klimakonferenzen, und erstmals gibt es vage Hoffnung, dass der Gipfel den Weg bereiten könnte für ein globales Klimaabkommen im Dezember 2015 in Paris. China und die USA, die beiden größten Weltklimasünder, haben erstmals Anfang November offizielle Klimaziele benannt.

US-Präsident Barack Obama will die Emissionen seines Landes bis 2025 um etwa 27 Prozent gegenüber 2005 senken. Staatschef Xi Jinping plant, den Ausstoß von Treibhausgasen von 2030 an zumindest nicht mehr zu erhöhen. Und im Oktober hat sich auch die Europäische Union auf ein Klimaziel für 2030 geeinigt: 40 Prozent weniger Emissionen gegenüber dem Referenzjahr 1990. Damit legen zum ersten Mal überhaupt die für das Klima problematischsten Länder, die für etwa die Hälfte aller weltweiten Emissionen verantwortlich sind, zur gleichen Zeit Vorschläge vor. rr

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