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Temperaturanstieg bleibt aus – falsche Klimaberechnung?

Es gibt immer mehr Autos, neue Fabriken und Kohlekraftwerke werden gebaut, doch die globale Bodentemperatur steigt seit 1998 nicht mehr. Klimamodelle prognostizieren etwas anderes. Sind sie falsch? Eine Studie des Max-Planck-Instituts gibt Antwort.

30.01.2015 – Seit 1998 hat sich die Luft weltweit im Durchschnitt kaum noch erwärmt – trotz steigender Treibhausgasemissionen. Sind die Klimamodelle, die weiterhin eine Erwärmung der Erde simulieren, falsch? Woher kommt dieser Unterschied? Reagieren die Klimamodelle zu empfindlich auf die Erhöhung von Treibhausgaskonzentrationen wie der von CO2? Diesen Fragen widmete sich Klimaforscher Jochem Marotzke, Direktor des Max-Planck-Instituts für Meteorologie in Hamburg.

Gemeinsam mit seinem Kollegen Piers Forster von der britischen Universität Leeds erstellte er hierzu eine Studie, deren Ergebnisse er nun im Magazin Nature veröffentlicht hat. Die bekannten 114 Klimamodelle weichen zum einen leicht voneinander ab, zum anderen sagen sie den momentanen Erwärmungsstopp nicht voraus. Um zu prüfen, ob die Modelle über längere Zeiträume betrachtet dennoch verlässliche Aussagen machen, verglichen die Forscher zunächst simulierte und beobachtete 15-Jahres-Temperaturtrends über den Gesamtzeitraum von 1900 bis 2012, also die Phase von 1900 bis 1914, dann 1901 bis 1915 und so weiter. Immer wieder gab es auch in der Vergangenheit zufallsbedingte Extremereignisse, beispielsweise eine plötzliche Verstärkung der Passatwinde im Pazifik, durch die kaltes Ozeanwasser an die Oberfläche gelangte. Marotzke zufolge sind diese Extremereignisse sehr selten und können von Modellen kaum wiedergegeben werden – so wie mit drei Würfeln eine Gesamtaugenzahl „drei“ nur sehr selten erreicht wird. Dennoch sind sie normal, und sie können insbesondere kurze Zeiträume wie etwa 15 Jahre sehr stark beeinflussen. Deswegen muss man simulierte 15-Jahrestrends so häufig wie möglich mit Beobachtungen vergleichen, um eine verlässliche Aussage über die Qualität der simulierten Trends zu gewinnen, so die Studie.

Nach umfassenden statistischen Auswertungen ergibt sich Marotzke zufolge, zusammenfassend für die global gemittelte Bodentemperatur, dass über den gesamten Zeitraum von 1900 bis 2012 die simulierten 15-Jahrestrends keine systematischen Abweichungen von den Beobachtungen zeigen. Die Unterschiede zwischen den simulierten und den beobachteten Trends werden von zufallsbedingten Klimaereignissen hervorgerufen, die spontan auftreten. Insbesondere spielt die Empfindlichkeit des Klimas in den Modellen keine Rolle für den Unterschied zwischen simulierten und beobachteten Temperaturtrends – obwohl die Empfindlichkeit verschiedener Simulationen, beispielsweise gegenüber CO2, unterschiedlich ausfällt. Die Sorge, dass die Klimamodelle die Erwärmung und den Einfluss der Treibhausgaskonzentrationen systematisch überschätzen, ist also unzutreffend. Das Fazit Marotzkes: Wir sollten uns also auf eine erhebliche globale Erwärmung einstellen. rr