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Weltweite Energieagenturen fordern rasche Energiewende

Windräder im Schnee
Auf dem G20-Gipfel im Hamburg muss die Bundesregierung die globale Energiewende vorantreiben, fordern die Energieagenturen IEA und IRENA. (Bild: 12019 / pixabay)

Kohleausstieg bis spätestens 2050, ein CO2-Preis von 190 US-Dollar und konkrete Ergebnisse beim G20-Gipfel im Juli in Hamburg. Die internationalen Energieagenturen IEA und IRENA rufen die Welt mit einer gemeinsamen Studie zum Handeln auf.

21.03.2017 – Als die Internationale Agentur für erneuerbare Energien (IRENA) 2009 in Bonn gegründet wurde, war sie als Gegenstück zur deutlich älteren und auf fossile Energien fokussierte Internationalen Energieagentur (IEA) gedacht. Noch heute sind es eigentlich rivalisierende Agenturen, nur langsam schwenken IEA und die konventionelle Energiewirtschaft um. Erstmals haben die Agenturen nun eine gemeinsame Studie herausgebracht, die am Montag auf dem internationalen Berliner Energiewende-Dialog von Wirtschaftsministerium und Auswärtigem Amt vorgestellt wurde. Das Ergebnis: Noch ist es möglich die Pariser Klimaziele einzuhalten, die Staaten der Erde müssen aber sofort handeln und einiges ändern.

In zwei Szenarien legen IEA und IRENA dar, wie aus ihrer Sicht die Klimaziele zu erreichen sind. Einig sind sie sich in einer raschen Energiewende, das Stromsystem wird 2050 größtenteils auf den Säulen Wind-, Wasser- und Solarenergie beruhen, flankiert von anderen sauberen Technologien und Speichern. Der Strombedarf wird in etwa dem von 2015 gleichen, was nur durch einen stark effizienteren Energieeinsatz gelingen wird. Die IEA setzt in ihrem Szenario außerdem auf Atomenergie und die umstrittene Technologie Carbon Capture and Storage (CCS) zur Speicherung von Kohlendioxid. Das IRENA-Szenario beschreibt dagegen einen konsequenteren Umstieg auf Erneuerbare Energien.

CO2-Preis statt fossiler Subventionen

Beide Energieagenturen drängen darauf, die Subventionen für fossile Energien sofort abzuschaffen, da sie den internationalen Klimazielen direkt entgegenstehen und zum Verlust von Investitionen führen könnten. Spätestens 2050 muss der Kohleausstieg abgeschlossen sein und 2020 die Kraftwerksemissionen weltweit ihren Höhepunkt erreicht haben. Ein Ziel, das tatsächlich realistisch erscheint, denn in den vergangenen drei Jahren stagnierte der Anstieg der globalen Emissionen nahezu. Um nun ein schnelles Handeln und ermöglichen fordern IEA und IRENA einen globalen CO2-Preis von 190 US-Dollar. Derzeit liegt der Preis im Europäischen Emissionshandelssystem bei etwa fünf Euro. Anreize zum Einsparen klimaschädlicher Treibhausgase gibt es damit nicht.

Die Investitionen in Erneuerbare Energien müssten laut Studie jedes Jahr doppelt so hoch ausfallen wie heute. Mit einem Stopp der Milliarden-Subventionen für Öl, Kohle und Gas und einem ordentlichen CO2-Preis wäre das durchaus machbar. Um die globalen Emissionen bis 2050 um 70 Prozent zu senken, muss jetzt umgeschwenkt werden, mahnen die Energieagenturen. Und es wäre auch zum wirtschaftlichen Vorteil: Das Wirtschaftswachstum werde dann um 0,8 Prozentpunkte höher ausfallen als ohne Energiewende, sechs Millionen neue Arbeitsplätze würde entstehen.

Gegen den Trend: Deutsche Emissionen steigen wieder

Bundesaußenminister Sigmar Gabriel und Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries begrüßten die Ergebnisse in ihren Reden beim Berliner Energiewende-Dialog und redeten den Anwesenden ins Gewissen. Gabriel betonte die positiven Auswirkungen gerade mit dem Blick auf Arbeitsplätze, Wirtschaftswachstum und Sicherheit. Auf dem G20-Gipfel im Juli in Hamburg will die Bundesregierung das Thema auf die Tagesordnung setzen und aktiv dafür werben. IEA und IRENA sehen die größten 20 Volkswirtschaften in einer Schlüsselrolle, sie müssten nun schnell den Umschwung herbeiführen.

So stark die Bundesregierung international aufs Tempo drückt, die eigenen Klimaziele für 2020 wird sie mit ihrer zögerlichen Politik im Inland nicht erreichen. Das Thema Kohleausstieg schieben Kanzlerin Angela Merkel und ihr Vize und langjährige Wirtschafts- und Energieminister Gabriel auf die lange Bank. Die Quittung kam vor wenigen Tagen: Erstmals seit Jahren sind die deutschen Treibhausgasemissionen 2016 wieder leicht angestiegen. Die Klimaziele von 40 Prozent weniger Treibhausgasemissionen bis 2020 sind für die Bundesrepublik in weiter Ferne. cw

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