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Fridays for Future„Die Naturgesetze lassen sich nicht verhandeln“

Die Fridays for Future-Vertreter Svenja Kannt, Sebastian Grieme, Linus Steinmetz und Sana Strahinjic stellen im Naturkundemuseum in Berlin ihre Forderungen vor.
Die Fridays for Future-Vertreter Svenja Kannt, Sebastian Grieme, Linus Steinmetz und Sana Strahinjic stellen im Naturkundemuseum in Berlin ihre Forderungen vor. (Foto: © Clemens Weiß)

Fridays for Future fordert von der Bundesregierung die Einhaltung des Pariser Klimaabkommens und des 1,5 Grad-Ziels. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, doch in der Politik tut sich nichts. Die jungen Menschen können ihren Ärger nicht verbergen.

10.04.2019 – Je länger die deutsche Politik mit einem Umsteuern wartet, desto schmerzhafter und teurer wird der Wandel. Dass die Einhaltung des Pariser Klimaabkommens, zu dem sich Bundesregierung und Bundestag jeweils einstimmig verpflichtet haben, schon heute ein ziemlich radikales Umschwenken erforderlich macht, verdeutlicht am Montag in Berlin ein Schüler. Im Naturkundemuseum stellt Sebastian Grieme mit seinen drei Mitstreitern die Forderungen von Fridays for Future vor.

Deutschland trägt als maßgeblicher Verursacher des Klimawandels Verantwortung

Grieme sagt: Deutschland muss schon 2035 seine Treibhausgasemissionen auf Nettonull senken. Weltweit muss dies erst bis 2050 geschehen, aber reiche Industrienationen und zumal maßgebliche Verursacher des Klimawandels müssen stärker vorangehen, das besagt der Bericht des Weltklimarats IPCC. Damit ist Deutschland gemeint. Wir können nicht warten, bis arme Schwellenländer mit Klimaschutz ernst machen, wir müssen jetzt handeln, fordern die streikenden Schüler, Studenten und Auszubildenden.

Aus hunderten von Ortsgruppen haben Delegierte wochenlang in der „Arbeitsgruppe Forderungspapier“ an dem sechs Seiten langen Dokument gearbeitet. Sie berufen sich auf das Pariser Klimaabkommen, auf den IPCC-Bericht tausender Wissenschaftler, auf anerkannte Studien und auf deutsche Klimaforscher. Wissenschaftlich fundiert sind die Forderungen also. „Die Naturgesetze lassen sich nicht verhandeln“, sagt die Vertreterin Svenja Kannt. Dasselbe gelte für die Forderungen.

Die Klimaschutz-Forderungen von Fridays for Future im Überblick

  • Nettonullemissionen in Deutschland bis 2035
  • Kohleausstieg spätestens 2030
  • 100 Prozent Erneuerbare Energien bis 2035

Entscheidend für die Einhaltung des 1,5 Grad-Ziels sei, die Treibhausgasemissionen so schnell wie möglich und stark zu senken. Deshalb hat Fridays for Future der Politik eine Empfehlung zur sofortigen Umsetzung mitgegeben. Bis Ende 2019 sollen:

  • Die Subventionen für fossile Energien in Deutschland beendet,
  • ein Viertel aller deutschen Kohlekraftwerke abgeschaltet und
  • eine CO2-Steuer auf alle Treibhausgasemissionen eingeführt werden.

Durchaus umsetzbar – wenn man will

Das sind keine unrealistischen Forderungen, sondern umsetzbare Maßnahmen, auch wenn es viel Willen und Kraft benötigen würde. Zum Abbau fossiler Subventionen hat sich die Bundesregierung im Rahmen der G20 ohnehin verpflichtet, auf die Kohlekraftwerke könnte Deutschland aufgrund des großen Stromüberschusses verzichten und eine CO2-Steuer empfehlen durch die Bank alle Regierungsberater.

Also alles bekannt und alles machbar. Dass in der Bundesregierung nichts passiert, fördert sichtlich den Frust der vier Vertreter von Fridays for Future. „Die Politik lobt uns für unsere Streiks und handelt gleichzeitig nicht, das ist falsch und verlogen“, sagt Grieme den Journalisten. Es sei traurig, dass Schüler die Beendigung der fossilen Subventionen einfordern müssten und die Politik nicht selbst darauf komme. Im Zeichen des Klimawandels eigentlich eine Selbstverständlichkeit.

Niemand möchte so enden wie die Dinosaurier

Dann wird Grieme, vor ihm zwei Dutzend Kameras, deutlich: „Wir haben das sechste große Artensterben ausgelöst, das fünfte sehen Sie hinter mir.“ Alle schauen auf die großen Dinosaurier-Skelette, vor denen er sitzt. Zu Beginn hatte bereits der Generaldirektor des Museums auf die ausgestorbenen Riesen gedeutet und gesagt: „So wie die Dinosaurier, ausgestorben durch Klimaveränderungen, möchte wohl niemand enden.“

Für den Fall, dass einer der Journalisten den Zusammenhang noch nicht hergestellt hat, sagt Grieme es nochmal: Der Ort für diese Pressekonferenz, hier im Naturkundemuseum, sei nicht zufällig gewählt. „Wer heute Treibhausgase ausstößt, lebt auf unsere Kosten.“ cw